Übernahme gescheitert - MAN gibt Kauf von Scania auf

Konkurrenzkampf: - München ­- MAN begräbt die Pläne zum Kauf des Lkw-Konkurrenten Scania. Zugleich will der Münchner Konzern aber demnächst einen modifizierten Anlauf zu einer "freundlichen Kombination" mit den Schweden starten. Der Versuch des Münchner MAN-Konzerns, den schwedischen Lkw- Hersteller Scania zu übernehmen ist gescheitert.

MAN zieht sein ursprünglich bis Ende Januar laufendes Kaufangebot vorzeitig zurück, bestätigte ein MAN-Sprecher in München. Grund sei die anhaltende Ablehnung des von MAN-Chef Håkan Samuelsson verfolgten Plans durch die beiden Scania-Großaktionäre Volkswagen und Investor, einer Investmentfirma der schwedischen Wallenberg-Familie.

Mit dem Aus für Samuelssons Konzept sei ein Zusammenschluss von MAN und Scania aber nicht komplett vom Tisch. Denn die an Scania mit 14 Prozent beteiligte MAN strebe im Laufe dieses Jahres neue Gespräche "über eine freundliche Kombination" von MAN, Scania und dem auf Brasilien beschränkten VW-Geschäft mit schweren Lastwagen an, teilten die Münchner mit. Damit schwenkt Samuelsson auf die Linie von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der hinter Investor stehenden Wallenberg-Familie ein, die zwar das auf dem Tisch liegende MAN- Übernahmekonzept abgelehnt hatten, eine Verschmelzung von MAN und Scania grundsätzlich aber als sinnvoll erachten.

Dieser Schritt ist die Konsequenz eines Spitzentreffens aller Beteiligten, an dem jüngst Piëch, MAN-Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz und Jacob Wallenberg, als Vertreter von Investor teilgenommen hatten. Unter welchen Vorzeichen der Zusammenschluss von MAN und Scania nun doch noch klappen könnte, ist weitgehend offen.

VW hatte zuletzt dem Vernehmen nach eine Ablösung von Samuelsson betrieben und das angeblich zur Voraussetzung einer Fusion von MAN und Scania gemacht. "Es gibt keine Absprachen zu einer Ablösung von Herrn Samuelsson", widersprach ein MAN-Sprecher dagegen jetzt solchen Gedankenspielen. Der MAN-Aufsichtsrat hatte zuletzt demonstrativ seinem jetzigen Konzernlenker den Rücken gestärkt. Ob das auch nach dem Scheitern bei Scania noch so ist, muss die nahe Zukunft zeigen.

Die nun angepeilte friedliche Verschmelzung des Münchner Traditionskonzerns mit den Schweden betreffe seitens MAN zudem den Gesamtkonzern und nicht nur die Nutzfahrzeugtochter, betonte ein MAN- Sprecher. Die Münchner bauen nicht nur Lkw, sondern auch große Dieselmotoren für Schiffe sowie Maschinen und bieten damit verbundene Dienstleistungen an. Dieser Hinweis des MAN-Sprechers bedeutet, dass MAN eine Neuauflage der Gespräche über eine deutsch-schwedische Firmenehe nicht unter dem Vorzeichen einer Zerschlagung von MAN beginnen will.

Eine solche Zerlegung war aber zuletzt in die Diskussion gekommen. Denn die Schaffung eines neuen Lkw-Riesen beschränkt auf Ebene der MAN-Nutzfahrzeugtochter hätte entscheidenden Einfluss auf die Machtverhältnisse. Schon jetzt hält VW 34 Prozent der Scania-Stimmrechte und rund ein Fünftel an MAN. Ohne die MAN-Aktivitäten abseits des Lkw-Geschäfts würden die Wolfsburger zum alles dominierenden Anteilseigner bei MAN, rechnen Börsianer vor.

Der Kurs der MAN-Aktie stieg gestern bis zum Börsenschluss um etwa 2,3 Prozent auf 75,79 Euro.

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