Übernahme-Angebot: Bei Süd-Chemie läuft die Frist

- München - Die Frist läuft: Das Übernahmeangebot von One Equity Partners (OEP) für die Süd-Chemie AG wurde nun von der Finanzaufsicht gebilligt, die Aktionäre können ihre Papiere ab sofort an die US-Investorengruppe abgeben. Aktionärsschützer raten davon aber ab. Sie halten die Höhe des Angebots - trotz eines Gutachtens, das einen deutlich geringeren Unternehmenswert ergibt - für zu niedrig. Das Management lässt das Unternehmen derzeit in einem eigenen Gutachten ebenfalls bewerten.

OEP bietet pro Süd-Chemie-Aktie 35 Euro. Mit den Großaktionären Bayerische Landesbank, Allianz und Possehl wurde bereits eine Vereinbarung über den Kauf ihrer Anteile in Höhe von insgesamt 39 Prozent getroffen. Ziel von OEP ist die einfache Mehrheit. Seit Bekanntwerden des Angebots liegt der Kurs der Süd-Chemie-Aktie allerdings weit über diesem Preis. Deshalb hatten Aktionärsschützer ebenso wie Hans Heinrich von Srbik, Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt Stiftung, die gut neun Prozent der Süd-Chemie-Anteile besitzt, das Angebot als zu niedrig kritisiert (wir berichteten).OEP argumentiert allerdings mit geringen Handels-Volumina, auf denen diese Kurse beruhten. Der Börsenkurs werde "aufgrund der unzureichenden Liquidität des Handels von Süd-Chemie-Aktien nicht als verlässlicher Wertindikator betrachtet", heißt es in der Angebotsunterlage. Gestern notierte die Aktie im Tagesverlauf um 45 Euro. Die Investorengruppe beruft sich stattdessen auf ein Gutachten. Dies wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag von One Equity Partners durchgeführt. Das Ergebnis: Der "objektivierte Unternehmenswert" liege bei 32,20 Euro je Aktie. Das Angebot von 35 Euro enthalte demzufolge einen Aufschlag von rund neun Prozent."Süd-Chemie ist für mich viel mehr wert", urteilt dagegen Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Zudem habe der Bundesgerichtshof in der Vergangenheit entschieden, dass auch bei Werten mit geringem Handelsvolumen der aktuelle Kurs entscheidend sei, wenn er über dem Angebotspreis liege. Dies bezieht sich allerdings auf Pflichtangebote. OEP hat ein freiwilliges Angebot abgegeben. Anleger können und müssen dagegen nicht juristisch vorgehen. Sie können es einfach nicht annehmen. Es gebe derzeit kein Argument dafür, das Angebot anzunehmen, sagte Bergdolt. Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger erklärte: "Wenn man unbedingt verkaufen will, sollte man an der Börse verkaufen." Hans Heinrich von Srbik erneuerte seine Kritik an dem von OEP gebotenen Preis: "Mit dem Kurs können die heimgehen. Da brauchen sie gar nicht erst bieten." Bei 35 Euro stehe die Messerschmitt Stfitung auf der Kauf- und nicht auf der Verkaufseite. "Das sage ich mit einem lockeren Lachen." Die KPMG-Studie bezeichnete er als "ziemlich abenteuerlich".Das Management der Süd-Chemie AG darf sich erst nach einer Frist von 14 Tagen zu dem Angebot äußern. Ein Sprecher wies darauf hin, dass es sich bei dem Gutachten von KPMG um eine Betrachtung von außen handele. Die Gesellschaft habe keinen Einblick in die Bücher des Unternehmens gehabt. Das Management hat eine interne Bewertung des Unternehmens in Auftrag gegeben. Auf Grundlage dieser Daten werde eine Wertung des OEP-Angebots vorgenommen. Damit ist Anfang August zu rechnen.Ob eine höhere Bewertung im Rahmen dieses Gutachtens zu einer Aufstockung des Angebots führen könnte, ließ ein OEP-Sprecher offen: "Wenn ein anderes Gutachten vorliegt, wird man sehen, wie man darauf reagiert." Die Frist des OEP-Angebots läuft vorerst bis zum 26. August.

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