Übernahmepoker um Conti geht in entscheidende Runde

Hannover/Herzogenaurach - Der Übernahmepoker um Continental geht in die entscheidende Runde. Conti und "Angreifer" Schaeffler verhandeln unter Hochdruck über eine friedliche Einigung im Sinne beider Unternehmen.

Zwar scheinen die Gespräche zwischen dem Familienunternehmen aus Herzogenaurach und dem wesentlich größeren DAX-Konzern aus Hannover voranzukommen - allerdings gibt es noch einige Hürden zu überwinden. "Da ist noch jede Menge Musik drin", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Montag.

Auch ein Scheitern der Verhandlungen ist immer noch möglich. "Dann aber hätten wir Schaeffler nicht vom Hof", hieß es in Aufsichtsratskreisen. Die Franken halten nämlich bereits acht Prozent an Conti und haben nach eigenen Angaben über Finanzgeschäfte Zugriff auf weitere 28 Prozent. Bei einem Scheitern der Verhandlungen könnte es damit zu einem "Dauer-Clinch" im Conti-Kontrollgremium kommen.

Zwar sei man zuversichtlich, dass die beiden Autozulieferer auf einem guten Weg seien, eine vernünftige Lösung zu finden, hieß es. Als Knackpunkte aber gelten ein deutlich höherer Preis, der Umgang mit steuerlichen Verlustvorträgen sowie langfristige Garantien zur Sicherung von Standorten und Jobs. Es gehe um ein "Gesamtpaket". Am vergangenen Mittwoch hatte Conti in dem seit Wochen tobenden Übernahmekampf den Fokus auf das Bemühen um eine friedliche Einigung gelenkt. Nach einer Aufsichtsratssitzung hatte Conti das Schaeffler- Übernahmeangebot von 70,12 Euro pro Aktie zwar erneut als nicht angemessen abgelehnt, aber zugleich kurzfristig weitere Verhandlungen angestrebt.

In einem Papier hat Conti dem Vernehmen nach den Stand der Dinge zusammengefasst. In dem Konzept, das ein Vertragsentwurf sein könnte, sind zum einen Zusagen und Versprechen von Schaeffler aufgeführt - so hatten die Franken angekündigt, Conti solle nicht zerschlagen werden, durch die Transaktion werde es nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen. Zum anderen sind die für Conti wichtigen Punkte aufgeführt. Dabei geht es um einen deutlich höheren Preis. Branchen-Analysten halten eine Offerte zwischen 80 und 100 Euro pro Aktie für gerechtfertigt.

Zudem dringen vor allem die Arbeitnehmervertreter bei Conti auf langfristige und verbindliche Garantien für Standorte und Jobs. Schaeffler habe sich bisher nur zu gegenwärtigen Absichten geäußert. Diese aber könnten sich kurzfristig und jederzeit ändern. Ein wichtiger Punkt sind außerdem erhebliche finanzielle Nachteile für Conti, zu denen es im Falle einer Übernahme kommen könnte. Aufgrund des Wegfalls steuerlicher Verlustvorträge könnte ein Nachteil in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages entstehen.

Bei den Verhandlungen drängt die Zeit: Den gesetzlichen Vorgaben zufolge könnte Schaeffler das Angebot bis spätestens einen Tag vor Ablauf der Annahmefrist am 27. August um Mitternacht erhöhen - als entscheidender Stichtag im Übernahmepoker gilt daher der 26. August.

Unterdessen scheint in der Conti-Führung nach einem "Welt"-Bericht dass Tischtuch zwischen Vorstandschef Manfred Wennemer und Aufsichtsrats-Boss Hubertus von Grünberg zerrissen zu sein. Während von Grünberg eine schnelle Einigung mit Schaeffler favorisiere, sehe sich Wennemer durch diese konziliante Haltung in seiner Verteidigungsstrategie behindert. Von Grünberg soll sogar vorgeschlagen haben, dass der Vorstand nicht mehr allein, sondern gemeinsam mit ihm und seinem Stellvertreter die Verhandlungen führen solle. Dies aber habe Wennemer vehement abgelehnt.

Bereits Mitte Juli hatte von Grünberg vor einem "Kampf um jeden Preis" gewarnt. "Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen." Wennemer dagegen wetterte, das Vorgehen der Franken sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Schaeffler habe sich über Finanzgeschäfte, Swap-Geschäfte, rechtswidrig an Conti "herangeschlichen". Doch mögliche Abwehr-Waffen gegen eine Übernahme blieben im Conti-Arsenal. Dies anscheinend auch, weil die Suche nach einem "weißen Ritter", einem freundlich gesonnenen Großinvestor, nicht von Erfolg gekrönt war. Nun geht es am Verhandlungstisch um eine friedliche Lösung - falls die Bedingungen stimmen.

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