Übernimmt OHB das EADS-Werk Augsburg?

Augsburg - Eine kurze Meldung von EADS lässt aufhorchen. Auch das Werk Augsburg könnte verkauft werden. Das weist darauf hin, dass in Deutschland ein neuer Branchengigant entsteht.

Augsburg war bislang nicht unter den zum Verkauf stehenden Standorten geführt worden, weil es ­ obwohl es 70 Prozent seines Umsatzes aus Geschäften mit Airbus macht ­ formal einer anderen Sparte des Mutterkonzerns EADS zugeordnet ist (Verteidigung). Doch nun prüft EADS hochoffiziell den Verkauf. Gleichzeitig sitzt in Augsburg MT-Aerospace (früher MAN Technologies) ein Unternehmen, das in der Luft- und Raumfahrt (es ist der größte Zulieferer für Ariane) auf den Bereich spezialisiert ist, in dem Airbus den größten Rückstand gegenüber dem Rivalen Boeing und dessen neu gewonnenen Zulieferern hat: Leichtbau. Und nicht zuletzt ist die MT-Mutter OHB aus Bremen die Gruppe, die zuletzt in der gesamten Branche durch Zukäufe am stärksten gewachsen ist.

Nach der Übernahme von MT vor zwei Jahren haben die Hanseaten im Frühsommer das Münchner Raumfahrt- und Technologie-Unternehmen Kayser-Threde geschluckt. Der in der Branche gehandelte "Hunger nach mehr" wurde durch ein OHB-Angebot für die Werke Nordenham und Varel bestätigt.

Damit steht im Raum, dass OHB, wie es in der Branche seit geraumer Zeit kursiert, die Airbus-Werke Nordenham, Varel und nun auch Augsburg übernehmen könnte ­ und dann zu einem der weltgrößten Luftfahrt-Zulieferer würde. Diese Variante erhielt neue Nahrung, als EADS bekanntgab, "die Aufnahme des Standorts Augsburg in den Verkaufsprozess" zu prüfen. "Als Verbund des Standorts Augsburg und den Airbus-Werken in Nordenham und Varel könnte dieses Unternehmen unter einer neuen Eigentümerstruktur ein großer sogenannter Risk-Sharing-Partner von Airbus werden", so EADS. Augsburg könne "entscheidende Design-, Produktions- und Technologiefähigkeiten" einbringen.

Allerdings rechnen Branchenkenner damit, dass die OHB eine solche Übernahme nicht allein stemmen könnte, und sich mit einem Finanzinvestor zusammentun müsste. Bereits bei der MT-Übernahme war Apollo Capital Partners im Boot.

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