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Ferdinand Piëch hält bei MAN alle Fäden in der Hand. Auch Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen will unters Konzerndach von Volkswagen. Er forderte aber für die MAN-Aktionäre ein höheres Angebot – wohl vergeblich.

VW übernimmt die Macht bei MAN später

München - EU-Bedenken haben die Eingliederung von MAN in den VW-Konzern gestoppt. Doch nur vorläufig, denn VW bekommt wohl weit mehr MAN-Aktien, als man in Wolfsburg eigentlich wollte.

Die MAN-Aktionäre fühlen sich von VW untergebuttert. „Sie sehen uns wohl als Statisten einer geschickt eingefädelten Inszenierung“, wetterte auf der MAN-Hauptversammlung Ingo Speich von Union-Investment gegen Aufsichtsrats-Chef und VW-Patriarch Ferdinand Piëch. An diese Rolle wird sich Speich noch gewöhnen müssen. Denn gestern fand voraussichtlich die letzte derartige Versammlung statt, bei der die Kleinaktionäre noch etwas zu sagen hatten. VW wird künftig beim Münchner Konzern die Mehrheit haben.

Das war gestern noch nicht der Fall. VW hatte nur rund 47 Prozent der auf der Hauptversammlung vertretenen Aktien. Theoretisch hätten die anderen Aktionäre also Piëch empfindliche Niederlagen beibringen können. Doch der wortkarge Stratege aus Salzburg hatte seinen Kritikern gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln genommen - und die bereits angekündigte Machtübernahme von VW im MAN-Aufsichtsrat zunächst wieder abgeblasen.

VW-Chef Martin Winterkorn und seine Vorstandskollegen Hans Dieter Pötsch und Jochem Heizmann haben ihre Kandidatur zurückgezogen, teilte Piëch zu Beginn in der für ihn typischen monotonen Sprechweise mit. Statt ihrer kandidierten nun Thomas Kremer, Chef-Justiziar von Thyssen-Krupp, der Münchner Rechtsanwalt Matthias Bruse und Audi-Einkaufsvorstand Ulf Berkenhagen. Nur der Audi-Mann hat einen VW-Hintergrund. Aber er gehörte auch bisher dem MAN-Aufsichtsrat an. Die EU habe VW zum Rückzug geraten, sagte Piëch. Denn die drei ursprünglichen Kandidaten sitzen auch im Aufsichtsrat des bisherigen MAN-Konkurrenten Scania. Das darf aber eigentlich erst dann sein, wenn die EU eine Fusion von MAN und Scania erlaubt.

Die Aufsichtsräte werden für fünf Jahre gewählt. Allerdings zweifelten viele Aktionärsvertreter, dass sie die Wahlperiode durchhalten, wenn VW über die Mehrheit verfügt. Das gilt inzwischen als sicher. Der MAN-Aktienkurs dümpelt seit Wochen unter dem VW-Angebot von 95 Euro dahin und lag gestern zeitweise erneut unter 94 Euro. Das ist schwer erklärbar. Denn jeder, der die Aktien jetzt zu diesem Preis verkauft, würde von Volkswagen dafür bald 95 Euro bekommen.

Dieses Geschäft machen jetzt andere. Eine rege Handelstätigkeit mit MAN-Aktien weist darauf hin, dass viele Akteure auf diese Spanne spekulieren. Sie kaufen MAN-Anteile, um sie bis Mittwoch dieser Woche teurer in Wolfsburg abzuliefern. Bei einem Euro Gewinn reichen schon vergleichsweise kleine Aktienpakete, um über die fälligen Gebühren hinaus ein nettes Taschengeld zu kassieren. Das wird in Wolfsburg mit großem Unbehagen verfolgt. Denn VW ist an das Übernahmeangebot gebunden und muss zum Preis von 95 Euro kaufen, den der Markt derzeit gar nicht hergibt. Schwerer noch dürfte wiegen, dass VW voraussichtlich weit mehr Aktien nehmen muss, als eigentlich beabsichtigt war. Rund 40 Prozent hätten locker gereicht, um MAN zu beherrschen. Jetzt aber könnten es 50 Prozent und mehr werden. Auch hier ist das Angebot bindend. Zusätzliche zehn Prozent des MAN-Aktienkapitals kosten Volkswagen aber über 1,3 Milliarden Euro.

Der Konzern hat das Geld zwar in der Portokasse. Doch auch in Wolfsburg wüsste man Besseres damit anzufangen, als MAN-Aktien zu bezahlen, die man eigentlich nicht will. Da ist zum Beispiel noch die offene Konzernbaustelle Porsche. Auch darüber hinaus hat Piëch auf dem Weg an die Weltspitze einiges vor, wofür man liquide Mittel braucht.

Dass Piëch die Aktionäre auch ohne Mehrheit nicht sonderlich ernst nimmt, war gestern wieder greifbar. Artig und ohne erkennbare Regung bedankte er sich für die Wortmeldungen jedes einzelnen Aktionärs. Selbst Rücktrittsforderungen prallten an ihm ab wie ein Ball an einer Mauer.

Die Regel, dass niemand über 70 Jahre für den Aufsichtsrat kandidieren soll, bekümmert den inzwischen 74- jährigen Piëch nicht. Er sei ja der Einzige, der das 70ste Lebensjahr überschnitten habe, sagte er, als ob es sich um eine unverbindliche Empfehlung handelt. Auch den Aufsichtsratsvorsitz nimmt er bis 2016 in Anspruch. Er ist dann 79.

Martin Prem

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