Überraschend: Bundesagentur zählt im Juli weniger Arbeitslose

- München - Auf dem deutschen Stellenmarkt geht es weiter bergauf. Erstmals seit der Wiedervereinigung ging die Zahl der registrierten Arbeitslosen in einem Juli trotz üblicher Sommerflaute zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Vorlage ihrer Monatsstatistik bekannt gab. Auch der Anstieg der versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse scheint sich zu bestätigen. Wegen des für 2007 erwarteten schwächeren Wirtschaftswachstums sei aber noch unklar, ob sich die "Wende zum Besseren" fortsetzt, wie BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte.

Wie aus dem aktuellen Zahlenwerk seiner Behörde hervorgeht, setzte sich der seit Monaten andauernde Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit fort. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Menschen ohne Job nahm im Juli um 12 000 auf 4,386 Millionen (10,5 Prozent) ab; das waren 451 000 weniger als im Juli 2005. Besonders gut schnitt Bayern ab: Die Zahl der Erwerbslosen verringerte sich mit fast 14 Prozent auf 410 000 so stark wie in keinem anderen Bundesland. Fachleute zeigten sich überrascht von der Gesamtentwicklung, da die Arbeitslosenzahlen im Juli in den letzten Jahren stets um 100 000 gestiegen waren.

Besonders positiv nahmen sie auch eine vorläufige Hochrechnung des Statistischen Bundesamts auf, die von der BA bekannt gegeben wurde. Demnach stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen im Mai - aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar - gegenüber dem Vorjahresmonat um 54 000 auf 26,23 Millionen an. Dies wäre die erste Zunahme bei diesen Arbeitsplätzen seit Frühjahr 2001.

Als Gründe für den Aufschwung am Stellenmarkt nannte BA-Chef Weise zum einen die konjunkturelle Erholung. Zum anderen hätten die intensivere Betreuung der Arbeitslosen, die verstärkte Vergabe von Ein-Euro-Jobs und eine Änderung der Zählweise die Statistik entlastet. Da zu Jahresbeginn die Erhebungstage nach vorne gezogen wurden, verschieben sich belastende saisonale Einflüsse teilweise nach hinten. Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, kritisierte deswegen, die Erholung am Arbeitsmarkt sei schwächer, als suggeriert werde.

Die Politik bewertete die Lage auf dem Arbeitsmarkt gewohnt unterschiedlich. "Aus den günstigen Meldungen der letzten Monate wird nun ein Trend", sagte Arbeitsminister Franz Müntefering. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach von einer "absoluten Trendwende". Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Rainer Brüderle, erklärte hingegen: "Niemand sollte sich von dem einmaligen WM-Effekt blenden lassen. Noch immer sind weit über vier Millionen Menschen im Land ohne Job."

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