Überraschende Wende in HSH-"Spitzelaffäre"

Hamburg -  Überraschende Wende in der “Spitzelaffäre“ bei der HSH Nordbank: Der Kronzeuge für vorgeblich finstere Machenschaften bezichtigt den Betriebsratsvorsitzenden, seine Äußerungen verfälscht zu haben.

Im Mittelpunkt der Affäre steht ein 42-jähriger Sicherheitsberater, der für die HSH Nordbank arbeitet. Er hatte angeblich zugegeben, Räume in der Bank verwanzt und Telefone abgehört zu haben. Außerdem soll er in das Privathaus eines früheren Vorstands eingedrungen sein und Schriftstücke manipuliert und verschickt haben - alles im Auftrag des Vorstands oder des HSH-Justiziars, um den unliebsamen Ex-Vorstand Frank Roth loszuwerden.

Das alles sei nie passiert und er habe es auch nie gesagt, erklärte der Sicherheitsberater am Sonntag bei einem Hamburger Notar. Vielmehr habe ihn bei dem Gespräch am 29. Juli in einer Hamburger Anwaltskanzlei der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Olaf Behm immer wieder nach Lauschangriffen gegen den Vorstand Frank Roth gefragt. Er habe lediglich Erläuterungen gegeben, wie so etwas technisch zu bewerkstelligen sei - “um die Absurdität solcher Überlegungen zu verdeutlichen“, wie es in der Erklärung des Informanten heißt.

Protokoll mit verfälschten Aussagen

Behm habe ihm in Aussicht gestellt, dass er weitere Aufträge der HSH Nordbank erhalten würde, wenn er bei der Staatsanwaltschaft Kiel eine Selbstanzeige einreichen und dabei Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher und Chefjustiziar Wolfgang Gößmann als vermeintliche Auftraggeber belasten würde. “Ich war und bin entsetzt, dass man von mir offensichtlich falsche Aussagen erwartete“, heißt es in der notariellen Erklärung. “Ich hatte nie vor, bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige zu erstatten und damit eine Falschaussage zu machen.“

Vielmehr habe der Betriebsratsvorsitzende Behm ohne sein Wissen ein Protokoll anfertigen lassen, in dem seine Aussagen offenbar verfälscht dargestellt wurden. Dieses Protokoll wurde dann von Behm an den Aufsichtsrat weitergeleitet und diente als Grundlage für ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft sowie zahlreiche Medienberichte am Wochenende. Der Aufsichtsrat will sich am Donnerstag dieser Woche mit der Materie beschäftigen.

Der Vorstand Frank Roth wurde im April vergangenen Jahres nach nur elf Monaten Amtszeit entlassen, weil er Geschäftsgeheimnisse verraten haben soll. Ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde allerdings eingestellt, weil die Staatsanwaltschaft Kiel keine Anhaltpunkte für ein strafrechtlich relevantes Vergehen finden konnte. Roth fordert seine volle Rehabilitierung. Behm ist gegenwärtig im Urlaub und äußerte sich am Montag nicht. Der Justiziar Gößmann soll wegen der Belastungen durch die Vorwürfe erkrankt sein.

dpa

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