Überraschendes Ende des quälenden Streits

Frankfurt/München - Überraschend schnell haben sich die Lufthansa und Verdi im Tarifkonflikt geeinigt. Allerdings sind nicht alle Gewerkschafter mit dem Abschluss zufrieden. Zudem ist der Flugverkehr teilweise weiterhin beeinträchtigt.

Acht Stunden dauerte die Diskussion der Verdi-Tarifkommission, und zwischendurch ging es hoch her, wie Teilnehmer berichteten. Am Ende aber sagten alle 24 Kommissionsmitglieder "ja" zum letzten Lufthansa-Angebot. Nun erhalten die 34 000 Beschäftigten des Bodenpersonals schrittweise 7,4 Prozent mehr Geld plus eine Einmalzahlung (siehe Kasten). Einen gleichlautenden Abschluss gibt es für die Flugbegleiter in der Kabine.

"Quälerische und schwierige Verhandlungen" seien der Einigung vorangegangen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott am Freitag. Rund 250 Flüge waren bis dahin bereits ausgefallen und Millionenkosten entstanden, die die größte deutsche Fluggesellschaft trotz drastisch gestiegener Kerosinkosten in diesem Jahr auffangen muss. Der Einigungsdruck wuchs minütlich. Dennoch habe die Verdi-Delegation während der Verhandlungen mehrmals kurz vor der Abreise gestanden, berichtete Ott.

An der Basis zeigten sich nicht alle Gewerkschaftsmitglieder zufrieden. "Für das magere Ergebnis hätten wir nicht streiken müssen. Da sind wir voll über den Tisch gezogen worden", hieß es bei einer Versammlung von Technikern der Lufthansa am Flughafen München. Dennoch gilt es als sicher, dass die Mehrheit der Beschäftigten dem Kompromiss bei der am kommenden Mittwoch beginnenden Urabstimmung zustimmen wird.

Die Lufthansa bezeichnet das Ergebnis (siehe Kasten) als vertretbar. Dennoch entstünden erhebliche Kosten - 40 Millionen Euro dieses und 100 Millionen in den kommenden Jahren, beklagte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. Dazu kommen die Kosten des Streiks. Es handelt sich laut Lufthansa um einen zweistelligen Millionenbetrag. Alle Beschäftigten müssten nun mit anpacken, um die Ausgaben wieder hereinzuholen, forderte Lauer. Erst tags zuvor hatte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber die Belegschaft auf schwierige Zeiten eingestimmt und bezog sich dabei offensichtlich auf den hohen Ölpreis und die sich abkühlende Weltkonjunktur: "Vor uns stehen zweifelsohne härtere Zeiten", erklärte er.

Ganz ohne Beeinträchtigungen bleibt der Lufthansa-Flugverkehr zum Ferienauftakt trotz der Tarif-Einingung nicht. Der am Donnerstag eingeführte Sonderflugplan gilt noch bis einschließlich Montag. Auch danach könne es auf Sicht von etwa zwei Wochen noch zu Störungen kommen, warnte die Gesellschaft. Passagiere können sich im Internet (www.checkmytrip.com) sowie über eine kostenfreie Hotline (0800 / 85 06 07 0) über mögliche Einschränkungen informieren.

Darüber hinaus kehrt an der Tariffront noch keine Ruhe ein. Die am Freitag erzielte Einigung gilt zunächst nur für die Beschäftigten des Bodenpersonals. Bei den 14 000 Flugbegleitern dauert der Streit an. Hier hat Verdi eine kleine, aber mächtige Konkurrenzgewerkschaft, die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO). Ohne ihre Zustimmung gibt es keine Tariferhöhung für das Kabinenpersonal.

UFO kündigte bereits an, einem von Verdi ausgehandelten Ergebnis nicht zuzustimmen. Die Flugbegleiter-Vereinigung will für ihre Mitglieder 15 Prozent mehr Geld erreichen. Die Verhandlungen beginnen Ende des Jahres. Nach einer schnellen Beilegung des Konflikts sieht es nicht aus, denn die Lufthansa schließt einen höheren Abschluss aus.

Abgesehen davon streitet die Fluggesellschaft mit den rund 1100 Piloten der zwei Tochtergesellschaften Eurowings und Cityline. Mehrmals haben die Kapitäne den Flugverkehr schon lahmgelegt. Zuletzt 36 Stunden lang, 900 Flüge mussten gestrichen werden. Über ein neues Angebot der Lufthansa beraten sich die Piloten derzeit.

Die Tarif-Einigung für das Bodenpersonal im Detail

Laufzeit: 21 Monate bis 28. Februar 2010

Betroffene Mitarbeiter: 34 000 am Boden

Entgelterhöhungen: Rückwirkend ab dem 1. Juli 2008 um 5,1 Prozent. In einer zweiten Stufe ab dem 1. Juli 2009 steht eine weitere Erhöhung um 2,3 Prozent an.

Zusätzliche Einmalzahlung: Einschließlich einer ergebnisabhängigen Komponente je nach Geschäftsfeld bis zu 2,4 Prozent einer Jahresgrundvergütung.

Ergebnis: Laut Lufthansa hat der Abschluss umgerechnet auf ein Jahr ein Volumen von 4,2 Prozent. Verdi errechnete eine lineare Erhöhung von insgesamt 7,4 Prozent bis 2009.

Kabinenpersonal: Es wurde eine ähnliche Einigung erzielt, die allerdings unter Vorbehalt der Gewerkschaft UFO steht.

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