Überwachungsaffäre bescherte Lidl Umsatzeinbußen

Mainz - Der Discounter Lidl hat nach der Aufdeckung der Überwachungsaffäre Umsatzeinbußen registriert, viele Kunden gehen nicht mehr in Supermärkten einkaufen.

Der Discounter Lidl hat nach Aufdeckung der Überwachungsaffäre Umsatzeinbußen registriert. Das erklärte der Konzernchef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, am Mittwochabend in der Sendung "Quergefragt" des Südwestrundfunks (SWR). Auf die Frage, ob Lidl im Zuge der Berichte über die Vorfälle Umsatzeinbußen habe, sagte er nach Angaben des Senders: "Ja, das haben wir. Einige Kunden haben geschrieben, sie gehen nicht mehr einkaufen und das haben wir auch gemerkt." Dies sei jedoch "der falsche Weg", weil die Kunden damit nicht das Unternehmen, sondern die Mitarbeiter bestraften. Man werde sicherlich auch "Geld in die Hand nehmen", um Kunden zurückzuholen, sagte er der "Lebensmittel Zeitung". Dieses Vorhaben könnte von einer aggressiven Preispolitik begleitet werden, schreibt das Blatt.

Gehrig gab zudem in einem Gespräch mit der "Heilbronner Stimme" bekannt, dass das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um zwölf Prozent von 44 auf 49 Milliarden Euro gesteigert habe. Die Mitarbeiterzahl der Schwarz-Gruppe liegt bei 260000. "Das war eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte", sagte er der "Lebensmittel Zeitung". Seine Prognose für das Geschäftsjahr 2008 fällt eher vorsichtig aus: "Es wird sicher nicht in dem Tempo von 2007 weitergehen". Nach den Sortimentsausweitungen der vergangenen Jahre sei langsam eine Grenze erreicht. Im In- und Ausland sei allein wegen des Plus-Verkaufs mit erhöhtem Wettbewerbsdruck zu rechnen.

Die Expansion von Lidl und Kaufland laufe unvermindert weiter, schreibt die "Lebensmittel Zeitung". Etwa 680 Standorte wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr eröffnet. Abzüglich von etwa 160 Schließungen betreibt das Unternehmen europaweit gut 500 Märkte mehr als im Vorjahr. "In Deutschland werden wir dieses Jahr unsere 3000. Filiale eröffnen", kündigte Gehrig gegenüber dem Blatt an. Er sieht für Lidl allein im Heimatmarkt Deutschland sogar noch ein Potenzial für weitere 1000 Standorte. Zum Ergebnis wollte Gehrig keine konkreten Angaben machen. "Ein sehr gutes Ergebnis", war der einzige Kommentar gegenüber der "Lebensmittel Zeitung".

Mit Blick auf die vergleichsweise geringe Zahl an Betriebsräten bei Lidl sagte Gehrig laut SWR, das Thema dürfe "nicht allein aus der Lidl-Sicht" gesehen werden. Auch von den anderen Discountern müssten Betriebsräte eingefordert werden. Was man erlebe sei "doch nicht allein ein Lidl-Problem, sondern eines der Branche". Bisher gibt es nur in 6 der 2900 deutschen Lidl-Filialen Arbeitnehmervertretungen.

Gehrig räumte laut SWR ein, dass die Mitarbeiter wohl heute noch überwacht würden, wenn das Magazin "Stern" dies nicht aufgedeckt hätte. Mit Blick auf ähnliche Vorwürfe gegenüber Lidl vor vier Jahren sagte er: "Traurig ist, dass das eine oder andere in bestimmten Regionen wieder aufgekommen ist, dass da gegen die Anweisungen verstoßen worden ist und dass sich etwas selbstständig gemacht hat." Er müsse sich mangelnde Kontrolle vorwerfen. "Das werden wir jetzt auch mit Macht angehen", sagte er.

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