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Ukraine-News: Lieferengpass bei wichtigem Rohstoff - Krieg bedroht Boom bei E-Autos

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Von: Jonas Raab

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Ein ID.3 von Volkswagen in der Produktion
Ein ID.3 von Volkswagen in der Produktion: Der Ukraine-Krieg hat das Edelmetall Nickel, das in Batterien von E-Autos zum Einsatz kommt, teuer werden lassen. Darunter leiden alle Autobauer. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert

Der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Sanktionen gegen Russland treffen die Elektrosparten der Autobauer hart. Das Batterie-Edelmetall Nickel wird knapp.

München - Der Ukraine-Krieg* lässt die Rohstoffpreise explodieren. Auch die Automobilindustrie ist betroffen. Insbesondere die so wichtigen und zukunftsträchtigen Elektrosparten der Hersteller ächzen unter den Preissprüngen der vergangenen Wochen. Die Transformation der Branche hin zu alternativen Antrieben – es ist ohnehin eine Mammutaufgabe – bekommt von Wladimir Putin* einen echten Brocken in den Weg gelegt.

Der Rohstoff Nickel ist zentraler Bestandteil von Batterien. Das Metall war schon vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine* knapp und teuer. Im vergangenen Jahr musste man rund 20.000 US-Dollar für die Tonne berappen, im März waren es zeitweise 100.000 Dollar. Denn laut Handelsblatt kommen knapp zehn Prozent des weltweit gehandelten Nickels aus Russland. Bei der Premiumvariante, die insbesondere in Autobatterien vorkommt, dem sogenannten Nickel „Klasse 1“, liegt der Weltmarktanteil sogar bei 20 Prozent.

Ukraine-Krieg lässt Nickel-Preis explodieren - Volkswagen schielt nach China

Deutschland bezieht mehr als 40 Prozent seiner Nickel-Exporte aus Russland. Das macht deutsche Autobauer besonders abhängig vom Osten. Beispielsweise rechnet BMW*-Finanzvorstand Nicolas Peter aufgrund der Preissprünge und der sanktionsbedingten Lieferschwierigkeiten laut Handelsblatt mit „Gegenwind in der Größenordnung eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags“. Volkswagen* reagierte bereits. Der Konzern kündigte am Montag (21. März) die Gründung von zwei Joint Ventures mit chinesischen Partnern an, um die Nickelversorgung sicherzustellen. Dabei sollen neue Nickel-Vorkommen in Indonesien erschlossen werden.

„Der Ausfall Russlands ist die größte Sorge für die Batterie-Lieferkette“, sagt Caspar Rawles vom Beratungsunternehmen Benchmark Mineral Intelligence (BMI) im Handelsblatt. Der Ukraine-Krieg komme für die E-Mobilität zu einer Unzeit, in der die Lithiumpreise bereits ein Rekordniveau erreicht hätten. Auch Kobalt hat sich extrem verteuert.*

Ukraine-Krieg macht E-Autos teuer - Batteriespezialist sieht Klimaziele in Gefahr

Die Rohstoffknappheit wird Elektroautos wohl mittelfristig teurer machen als geplant. Spätestens dann, wenn die häufig längerfristigen Lieferverträge der Autobauer mit ihren Batterielieferanten auslaufen, schlagen die Nickel-Wirren zu Buche. Der Ukraine-Krieg könne zu empfindlichen Störungen in der Lieferkette von Batterien führen, warnt Daniel Clarke im Handelsblatt. Der Batteriespezialist beim Londoner Beratungshaus GlobalData befürchtet Konsequenzen für die Transformation der Automobilindustrie* und somit auch für die Klimapolitik der einzelnen Länder.

Clarke erklärt im Handelsblatt weiter, dass die die zusätzlichen Rohstoffkosten für Batterien entweder auf die Gewinne der Autohersteller oder auf die Endpreise für die Kunden umgelegt werden müssten. Das Klimaproblem dahinter: Der Preis von E-Autos wird mit Sicherheit die zentrale Rolle auf ihrem Weg aus der Nische spielen müssen.

Ukraine-Krieg sorgt für Rohstoffknappheit: So viel teurer sind Autos schon geworden

Die ersten Auswirkungen der Rohstoffknappheit spüren Autokäufer schon jetzt. So sind vollelektrische Fahrzeuge binnen Jahresfrist um 2300 Euro teurer geworden. Die Zahl stammt aus Berechnungen von Rohstoffanalysten der Schweizer Großbank UBS, auf die sich das Handelsblatt bezieht. Auch Verbrenner sind demnach teurer geworden, weil auch die in Katalysatoren benötigten Rohstoffe Palladium und Platin Preissteigerungen verzeichnen. Das schlage mit 700 Euro Mehrkosten beim Verbrennerkauf zu Buche. Trotz der massiven Teuerung halten die Analysten einen E-Auto für lohnend. Grund dafür sind die aktuellen Kraftstoffpreise*. (jo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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