1. Startseite
  2. Wirtschaft

Ukraine-Konflikt und Nord Stream 2: Warum auch deutsche Bürger zu den Leidtragenden gehören

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Freiwah

Kommentare

Entwickelt sich die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zum Milliarden-Grab für den deutschen Steuerzahler?
Entwickelt sich die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zum Milliarden-Grab für den deutschen Steuerzahler? © Christian Ohde/Imago

Die Inbetriebnahme der Ostseepipeline Nord Stream 2 wackelt. Wieso auch deutsche Bürger für die derzeitige Eskalation um die Ukraine letztlich die Zeche zahlen.

Moskau/Berlin - Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland (News-Ticker) scheint stetig neue Eskalationsstufen zu erreichen - und international werden harte Sanktionen gegen das Land von Wladimir Putin gefordert. Während westliche Großmächte bedrohliche Szenarien malen, betont der Präsident, es gehe ihm ausschließlich um die früheren russischen Teilgebiete, weil das Land „unter dem Einfluss ausländischer Mächte“ stehe.

Die Nato debattiert über mögliche Sanktionen, die jedoch auch Deutschland hart treffen könnten. Denn für die hiesige Wirtschaft, jedoch auch die Steuerzahler steht eine Menge Geld auf dem Spiel: Zwar sind Länder wie Deutschland oder auch die USA bis heute wertvolle Abnehmer für russische Gaslieferungen. Doch deutet sich ein Umbruch im Energiesektor an.

Ukraine-Streit und die Folgen für Deutschland: Kampf um Gas und Absatzmärkte

Hinter dem derzeitigen Ukraine-Konflikt, der die Welt in Aufruhr versetzt, findet auch ein Kampf um Energievorkommen und Absatzmärkte statt - und das just nach dem deutschen Regierungswechsel sowie der nahenden Fertigstellung von Nord Stream 2. Die Tendenz scheint klar: Künftig wird wegen des vorzeitigen Stopps der Ostsee-Pipeline weniger bis gar kein russisches Gas nach Deutschland fließen.

Die Gemengelage spaltet nicht nur die ukrainischen und russisch-stämmigen Bevölkerungsteile in der Donbass-Region. Denn auch die Erweiterung der Nato nach Osteuropa sowie ein Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Russland spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Bedauerlicherweise scheinen Deutschland und die Europäische Union hierbei zu Spielbällen degradiert – während die Bevölkerung weitere Eskalationen mit höheren Preisen bezahlen könnte.

Ukraine-Konflikt und die Auswirkungen: Flüssiggas statt Erdgas ein reales Szenario

Bereits vor den jüngsten Entwicklungen in der Ukraine wurden deutsche Bürger mit immer höheren Energiepreisen* konfrontiert. Zuletzt bezog die Bundesrepublik knapp über die Hälfte seiner Gaslieferungen aus Russland. Die Ränkespiele der Großmächte birgt Gefahren für viele Seiten: Gas aus Russland droht auszufallen, dafür muss die Energie anderweitig her. Als Alternative wird umweltschädliches Flüssiggas („Fracking“*) genannt, das aus Ländern wie den USA (oder auch Katar und Libyen) per Schiff importiert werden muss. Jedoch scheint diese Lösung langfristig kaum vernünftig - erneuerbare Energien sind das Wunschziel.

Gewinner der derzeitigen Situation sind mitunter amerikanische Energiekonzerne, die in Europa ein großes Geschäft wittern. Da passt es gut ins Bild, dass statt über die Ostseepipeline Nord Stream 2 von Gazprom, künftig höhere Aufkommen über die Nordsee transportiert werden. Das entsprechende Vorhaben beschäftigte die US-Regierung bereits unter Donald Trump immens.

Nord Stream 2 gefährdet: Deutschen Steuerzahlern drohen Milliardenkosten

Doch könnte ein Scheitern von Nord Stream 2 für Deutschland drastische Folgen haben: Bei dem 2015 beschlossenen Bündnis sind der russische Energiekonzern Gazprom sowie fünf europäische Energiekonzerne (darunter Wintershall DEA und Uniper aus Deutschland) beteiligt, mit einem Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro. Wie RND.de erläutert, müssten jene Konzerne bei einer Stilllegung hohe Geldsummen zwar „uneinbringbar“ abschreiben, wahrscheinlich wäre jedoch ein bereits bekanntes Szenario: Die Unternehmen könnten sich mit Schadensersatzklagen nach dem Vorbild der Atomindustrie wehren. 2021 hatten sich Konzerne wie RWE und Vattenfall mit der Bundesregierung auf Ausgleichszahlungen in Milliardenhöhe geeinigt. Im Gegensatz dazu hätten die USA bei einer kriegerischen Auseinandersetzung wenig zu verlieren.

Zu welchen Sanktionen sollte sich Deutschland gegen Russland also drängen lassen? Bundeskanzler Olaf Scholz verfolgte zunächst eine diplomatische Strategie, ließ jedoch die russische Seite im Unklaren über etwaige Strafmaßnahmen. Die USA hingegen forderten mehrfach, dass die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen werden dürfe. Unlängst gibt es hitzige Diskussionen über die Zwickmühle, für die auch deutsche Verbraucher die Rechnung zahlen könnten.

Ukraine-Konflikt: Unterschiedliche Bewertungen über drohende Flüchtlinge

Übrigens rechnen US-Experten laut heimischen Medien nicht nur mit vielen Todesopfern auf beiden Seiten - ein russischer Einmarsch würde auch zu einer riesigen Fluchtbewegung auch nach Deutschland führen. Dem hält die Bundesregierung jedoch entgegen*. Während die Kriegsrhetorik weiter auf Hochtouren läuft und westliche Staaten über Sanktionen gegen Russland diskutieren, rufen neutrale ranghohe Politiker wie Chinas Außenminister Wang Yi zu „Diplomatie und Zurückhaltung“ auf sowie „Respekt für die Haltung der Gegenseite“. Das sollte wirtschaftlich betrachtet auch im Sinne der Deutschen sein.

Ein Krieg im Donbass sowie ein damit verbundenes Aus für die Pipeline Nord Stream 2 droht hiesige Verbraucher also hart zu treffen. Während Russland sich mit China bereits anderweitig einen Abnehmer für Gas* sicherte, wäre in Deutschland eine weitere Inflation mit steigenden Energiepreise wahrscheinlich. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare