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Ukraine-Krieg lässt in Bayern Bänder stillstehen - BMW und andere Autobauer massiv betroffen

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Von: Wolfgang DePonte

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Der Ukraine-Krieg trifft zunehmend auch die deutsche Industrie. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnt vor Produktionsstillständen – die ersten Bänder stehen bereits.

München - Der Ukraine-Konflikt bremst BMW aus. Die Münchner Autobauer müssen angesichts von Lieferengpässen in mehreren Werken die Produktion herunterfahren oder sogar einstellen. Das bestätigte am Mittwoch (2. März) ein Sprecher dem Münchner Merkur. Neben Halbleitern fehlen jetzt auch Kabelbäume, die BMW von Zulieferern bezieht, die in der West-Ukraine produzieren. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte im Merkur-Interview berichtet, dass ein bayerischer Autozulieferer in der Ukraine mit 7000 Mitarbeitern Kabelbäume baue, doch diese stünden jetzt nicht mehr in der Fabrik, sondern seien im Krieg.

Aufgrund der fehlenden Kabelbäume muss BMW in der nächsten Woche die Fahrzeugproduktion im Werk Dingolfing komplett einstellen. Die Arbeitsausfälle sollen mit flexiblem Arbeitszeitmanagement und im Notfall auch durch Kurzarbeit abgefedert werden, so ein Werkssprecher gegenüber dem BR. Betroffen seien davon mehr als 10.000 Beschäftigte der Früh- und Spätschicht. Der Konzern geht davon aus, dass damit die geplante Produktion von 7500 Autos wegfällt.

Ukraine-Konflikt lässt BMW-Bänder stillstehen – Wie geht es nun weiter?

Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Man beobachte die Situation intensiv und sei fortlaufend mit den Lieferanten im Gespräch, so ein Sprecher. Neben dem Engpass bei den Kabelbäumen bereitet auch der Chipmangel BMW weiterhin Sorgen. Der Sprecher des Regensburger BMW-Werks bestätigte dem BR, dass die Produktion in den letzten Tagen komplett stillgestanden sei. Seit Mittwoch (2. März) sollte der Betrieb aber wieder laufen – wenn auch zunächst nur mit der Frühschicht. Man fahre weiter auf Sicht, hieß es. Zu den Gründen für den Produktionsstopp in Regensburg wollte man sich aber nicht äußern. Wie es bei BMW weitergeht – auch im Stammwerk in München? diese Frage wollte bei BMW am Mittwoch (2. März) niemand beantworten.

BMW muss die Fahrzeugproduktion aufgrund des Ukraine-Kriegs im Werk Dingolfing komplett einstellen.
BMW muss die Fahrzeugproduktion aufgrund des Ukraine-Kriegs im Werk Dingolfing komplett einstellen. Auch andere deutsche Autobauer sind betroffen. © picture alliance/dpa/BMW AG | -

Wirtschaftsminister Aiwanger rechnet damit, dass in den nächsten Tagen mehrere Fabriken und Werke in Bayern ihre Arbeit einstellen müssen. Es fehle nicht nur an Kabelbäumen, die normalerweise aus der Ukraine geliefert würden. Es sei auch schon spürbar, dass Lkw-Fahrer fehlten, weil sie in der Ukraine in den Krieg ziehen müssten.

Ukraine-Krieg: BMW stellt Produktion im russischen Kaliningrad ein

BMW baut nicht nur in Deutschland weniger Autos. Die Produktion im russischen Kaliningrad wurde bis auf Weiteres ganz eingestellt. Das Unternehmen hat dort im vergangenen Jahr mit seinem russischen Partner Avtotor 12.000 Autos gebaut. Insgesamt verkaufte der Konzern im Jahr 2021 rund 49.000 Autos in Russland.

Nach BMW hat gestern auch MAN mitgeteilt, dass es „aufgrund der Kriegshandlungen“ zu Versorgungsengpässen und infolgedessen zu Ausfällen in der Produktion“, kommt. Betroffen sind die Beschäftigen am Truck & Bus-Stammwerk in München, wo auch die Zentralverwaltung sitzt, und im polnischen Krakau. Bereits in dieser Woche gebe es weniger Schichten. Danach werde auf Sicht geplant, sagte ein Sprecher. Die Produktion in St. Petersburg mit rund 70 Mitarbeitern müsse aufgrund von Lieferengpässen heruntergefahren werden. Die Lieferung von Lastwagen und Ersatzteilen nach Russland und Belarus hat MAN komplett gestoppt.

Krieg in der Ukraine: Auch bei Porsche stehen die Bänder – VW droht dasselbe

Auch bei Porsche stehen die Bänder still: Wegen Lieferengpässen ist im Werk Leipzig die Produktion seit Mittwoch (2. März) bis Ende nächster Woche ausgesetzt. In Leipzig werden die Modelle Macan und Panamera gebaut. Für die 2500 betroffenen Beschäftigten wurde Kurzarbeit beantragt. Auch die VW-Tochter Porsche bezieht nach Angaben aus Branchenkreisen bisher Kabelbäume aus der Westukraine.

VW selbst hat die Produktion der E-Wagen in Zwickau und Dresden „vorübergehend eingestellt“, Einschränkungen werden aber auch bald im Stammwerk Wolfsburg erwartet. Laut Spiegel sind neben der Hauptmarke VW auch die Marken Audi, Seat und Skoda betroffen. Bei Mercedes-Benz heißt es, man prüfe die Situation „fortlaufend“. Ein Experte sagte dem Spiegel: „Wir schließen einen wochen- bis monatelangen Produktionsstillstand nicht aus.“ (WdP)

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