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Ukraine-Krieg: Metro, Henkel, Bayer halten an Russland-Geschäft fest - doch der Druck wächst

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Von: Lisa Mayerhofer

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Das Logo der Metro auf einem Einkaufswagen: Viele Unternehmen haben sich wegen des Ukraine-Kriegs aus ihrem Russland-Geschäft zurückgezogen. Andere Konzerne wie Henkel oder Metro wollen bleiben.
Viele Unternehmen haben sich wegen des Ukraine-Kriegs aus ihrem Russland-Geschäft zurückgezogen. Andere Konzerne wie Henkel oder Metro wollen bleiben. (Symbolbild) © Rolf Vennenbernd/dpa

Viele Unternehmen ziehen sich wegen des Ukraine-Kriegs aus Russland zurück. Doch Konzerne wie Henkel oder Metro wollen bleiben - und geraten zunehmend unter Druck.

Moskau/Berlin - Zum Weltfrauentag am 8. März bekommen Frauen in Russland traditionell Blumen geschenkt. Doch dieses Jahr sind wohl viele Russinnen leer ausgegangen: Die Preise für importierte Blumen haben sich verdreifacht oder werden schlicht nicht geliefert. Die Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts* treffen die russische Wirtschaft mit voller Wucht.

Unzählige Produkte haben sich stark verteuert oder sind kaum mehr verfügbar. Neben Apple, Ikea und Siemens haben auch zahlreiche Autohersteller wie BMW oder Volkswagen ihr Russland-Geschäft eingestellt. In Deutschland reagierten Supermärkte wie Aldi, Edeka und Rewe auf den Putins Einmarsch in die Ukraine, indem sie russische Produkte wie Wodka und Fertiggerichte aus den Regalen nahmen.

Ukraine-Krieg: Viele Unternehmen wollen mit Russland keine Geschäfte mehr machen

„Viele Verantwortliche haben mir mit Blick auf Russland sehr deutlich gesagt: Mit diesem Regime kann man keine Geschäfte mehr machen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, bereits wenige Tage nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar. „Viele Unternehmen überlegen die Konsequenz, sich aus Russland zurückzuziehen, auch schon ohne Sanktionen“, schilderte der BDI-Präsident im Handelsblatt.

Dazu kommt, dass viele Banken des Landes durch die Sanktionen vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen wurden. Die Folgen aus dem absehbaren Handelseinbruch dürften aber überschaubar sein. Gerade einmal etwa zwei Prozent der deutschen Ausfuhren gehen nach Russland.

Bereits nach den Strafmaßnahmen infolge der russischen Annexion der Krim 2014 hatten sich die deutsch-russischen Handelsbeziehungen spürbar abgekühlt. Im vergangenen Jahr rangierte die Russische Föderation dem Statistischen Bundesamt zufolge mit knapp 27 Milliarden Euro auf Rang 14 der wichtigsten Abnehmerländer für Waren „Made in Germany“.

Henkel, Metro und Bayern wollen im Russland-Geschäft bleiben

Für einige Unternehmen bleibt Russland aber ein wichtiger Markt - und sie zögern bisher, sich aus dem Land zurückzuziehen. Dazu gehört unter anderem der Handelsriese Metro. „Wir empfinden auch eine Verantwortung für unsere mehr als 10.000 Mitarbeiter in Russland, die keine persönliche Verantwortung für die Aggression gegen die Ukraine* tragen“, sagt ein Metro-Sprecher. Der Händler erzielt einen Zehntel seines Umsatzes in Russland und ist dort deutlich profitabler als in Deutschland.

Auch Bayer will weiter in Russland Geschäfte machen. Der Chemie- und Pharmakonzern möchte weiter neben Arzneimitteln auch landwirtschaftliche Produkte wie Saatgut und Pflanzenschutzmittel liefern. In Russland sind zurzeit etwa 1800 Mitarbeiter des Konzerns vor allem im Außendienst tätig. „Dieser sinnlose Krieg fordert bereits sehr viele Menschenleben. Wir dürfen die Zahl nicht noch weiter erhöhen, indem wir den Menschen lebenswichtige Produkte vorenthalten“, erklärte Bayer dem Handelsblatt.

Der Dax-Konzern Henkel stoppte zwar alle neuen Investitionen in Russland, verzichtet aber auf einen Boykott. Der Hersteller von Reinigungs- und Hygieneartikeln (Persil) macht in Russland etwa eine Milliarde Euro Umsatz - fünf Prozent des weltweiten Geschäfts. Henkel erklärte, dass man sich um die 2500 Beschäftigten in Russland sorge.

Weiter nach Russland liefern will auch der Schokoladenhersteller Ritter Sport. Das Unternehmen hat in Russland seine größte ausländische Vertriebsmannschaft und freute sich noch im Januar über die starke Nachfrage in diesem Land. Ein Lieferstopp sei keine geeignete Maßnahme gegen die russische Regierung*, verkündete der Schokoladenhersteller laut dem Handelsblatt. „Solange Russland keinen Einfuhrstopp verhängt, liefern wir.“

Russland-Geschäft: McDonald‘s und Coca-Cola unter Druck

Doch die Unternehmen geraten zunehmend unter Druck und Rechtfertigungszwang, wenn sie weiter in Russland Geschäfte machen, während in der Ukraine der Krieg tobt. Nicht nur Demonstranten, auch Unternehmer sprachen sich für einen Boykott aus: „Je mehr wir den Geschäftsverkehr dort stoppen, desto mehr steigt der Druck auf Putin“, sagte Michael Wisser, Chef des Gebäudedienstleisters Wisag.

US-amerikanische Unternehmen wie McDonald‘s und Coca-Cola, die weiter in Russland im Geschäft bleiben, wurden zuletzt selbst zum Opfer von Boykott-Aufrufen. Die Hashtags #BoycottMcDonalds und #BoycottCocaCola stießen auf der Plattform Twitter auf große Zustimmung. Auch deutsche Nutzer schlossen sich an und schrieben unter anderem: „McDonald’s zeigt keinerlei Reaktion auf den Krieg in der Ukraine? Es zählt nur der Profit. Nur der Druck der sozialen Medien bringt das Unternehmen zum Einknicken. Dann verkaufen sie es natürlich wieder als eigene Entscheidung. Schwachsinn!“

Angesichts des wachsenden öffentlichen Drucks haben der Burger-Brater und Coca-Cola am späten Dienstagabend die Notbremse gezogen und ihr Geschäft in Russland auf Eis gelegt.

Mit Material der dpa

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