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Kriegsangst in Europa: Welche wirtschaftlichen Folgen der Ukraine-Konflikt haben könnte

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Von: Bettina Menzel

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Ukraine-Konflikt belastet Aktienmarkt
Der Ukraine-Konflikt hat auch wirtschaftliche Folgen. Die Kurse des DAX und des russischen Aktienindex RTS gaben zuletzt nach (Archivbild vom 14. Februar) © picture alliance/dpa | Arne Dedert

Der Ukraine-Konflikt bedeutet nicht nur eine Gefahr für die Sicherheit in Europa. Schon jetzt gibt es auch wirtschaftliche Folgen – die könnten sich noch ausweiten.

Kiew/Moskau - Eine diplomatische Lösung für den Ukraine-Konflikt ist noch nicht gefunden, russische Truppenbewegungen bereiten westlichen Mächten Sorgen. Aufgrund der Spannungen zwischen dem Westen und Russland sank der russische Aktienindex RTS am Montag um mehr als zehn Prozent. Der deutsche Aktienindex DAX verlor zu Beginn der Woche zwischenzeitlich 400 Punkte – und lang damit zeitweise auf dem tiefsten Stand seit März 2021. Doch der Ukraine-Konflikt könnte noch weitreichendere wirtschaftliche Folgen haben.

Die Börse mag keine Unsicherheit: DAX und RTS geben nach

Kurz nach der Meldung, dass Russland fünf ukrainische „Saboteure“ auf russischem Boden getötet hätte, gab der russische Aktienindex RTS erneut nach. Der Index umfasst die 50 größten russischen Aktiengesellschaften Russlands. Bei rund der Hälfte handelt es sich um Energieunternehmen, darunter Gazprom und Lukoil. Der erneute Kursrutsch des RTS am Montag war der dritte Verlusttag in Folge, insgesamt büßte der Index an den drei Tagen fast 20 Prozent seines Wertes ein. Seinen bisher größten Fall erlebte der RTS während der Finanzkrise im Jahr 2008, als er am 6. Oktober um fast 20 Prozent fiel. Auch der andere wichtige russische Index MOEX gab am Montag (21. Februar) deutlich nach und verlor zweitweise bis zu zehn Prozent. Der deutsche Leitindex DAX sowie der US-amerikanische Dow Jones sanken zu Beginn der Woche ebenfalls teils deutlich. Der Dax sackte zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fast elf Monaten ab und schloss mit einem Minus von 2,07 Prozent bei 14 731,12 Punkten. 

Der Volatilitätsindex VIX indes kletterte auf 27,75 Punkte und weist damit auf einen nervösen Markt hin. Die Börse mag keine Unsicherheit und der Ukraine-Konflikt macht viele Anleger nervös. Viele flüchteten von Aktien in sogenannte sichere Häfen wie Staatsanleihen oder Währungen wie den Yen oder Dollar.

Ukraine-Konflikt beeinflusst Rohstoff- und Energie-Preise

Nicht nur die Börsen reagieren nervös, auch auf die Rohstoff- und Energiepreise hat der Ukraine-Konflikt Einfluss. Russland ist der weltweit zweitgrößte Rohölexporteur und der größte Erdgasexporteur. Sollte der Ukraine-Konflikt weiter eskalieren, werden Gas- und Ölpreise steigen. Es könnte zu Lieferengpässen und damit zu einem Sinken des Angebots kommen. Kurzfristig die Kapazität auszubauen ist für Ölproduzenten derzeit schwierig, schätzen Experten. Derzeit notiert die Sorte Brent bei etwa 94 US-Dollar (rund 83 Euro). Fachleute halten einen Preis von über 100 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) für möglich. Das hätte direkte Auswirkungen auf Kraftstoffpreise, die ohnehin auf einem Rekordhoch liegen. Wie der ADAC in München am vergangenen Mittwoch (16. Februar) mitteilte, stieg der Preis für einen Liter Super E10 binnen Wochenfrist im bundesweiten Mittel um zwei Cent auf 1,745 Euro und damit auf ein neues Allzeithoch. Diesel kostete ebenfalls so viel wie nie - für einen Liter müssen Autofahrer an der Zapfsäule 1,662 Euro bezahlen. Hohe Energiepreise bedeuten nicht nur teures Tanken, sondern können auch die Konjunktur verlangsamen sowie die Inflation ankurbeln. „Wenn es Truppenbewegungen gibt, wird der Brent-Preis problemlos über die Marke von 100 Dollar springen“, sagt Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda gegenüber der Tagesschau voraus.

Die Bundesregierung fürchtete zweitweise sogar einen möglichen Versorgungsengpass bei Gas, sollte Russland seine Lieferungen ganz einstellen. Die restlichen Vorräte der deutschen Speicher sowie das Flüssiggas, das sich über Kurzzeitverträge einkaufen lasse, würden ausreichen, um die Versorgung sicherzustellen kam dann aber die Entwarnung. Das gelte allerdings nur, wenn es keinen länger anhaltenden Kälteeinbruch gebe, heißt es einem Spiegel-Bericht zufolge aus Regierungskreisen.

Neben Öl und Gas sind auch andere Rohstoffe betroffen. So stiegen etwa die Nickelpreise aufgrund des Ukraine-Konflikts am Montag auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren.  Zeitweise lag der Preis bei 24.610 Dollar (umgerechnet knapp 21.700 Euro) und war damit so teuer wie zuletzt im Jahr 2011. Russland ist neben Indonesien der weltweit größte Nickelproduzent, das Material wird unter anderem für die Veredelung von Stahlprodukten benötigt.

Nach den jüngsten Entwicklungen rauschen weltweit die Börsenbarometer nach unten - auch der Dax ist betroffen. (dpa/afp/bm).

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