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Ukraine News: Milliardär Soros warnt vor Apokalypse und übt harsche Kritik an Merkel

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Von: Lisa Mayerhofer

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George Soros, US-amerikanischer Investor, 2014 in Berlin.
Starinvestor George Soros warnt in Davos mit Blick auf Putin vor einem „Dritten Weltkrieg“. (Archivbild) © stock&people/Imago

Starinvestor George Soros hat angesichts des Kriegs in der Ukraine vor einer Katastrophe historischen Ausmaßes gewarnt und den Westen zu einer harten Reaktion aufgefordert.

Davos – Der US-Milliardär George Soros hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz vor einem Ende der „Zivilisation“ wegen des Ukraine-Kriegs gewarnt. Die russische „Invasion könnte der Beginn des Dritten Weltkriegs gewesen sein, und unsere Zivilisation wird ihn vielleicht nicht überleben“, sagte Soros am Dienstag. „Wir müssen alle unsere Ressourcen mobilisieren, um den Krieg zu einem frühen Ende zu bringen.“

Abhängigkeit von russischem Gas: „Deutschlands Wirtschaft muss neu ausgerichtet werden“

Der „beste und vielleicht einzige Weg, unsere Zivilisation zu bewahren, besteht darin, Putin so schnell wie möglich zu besiegen“, sagte der 91-jährige Holocaust-Überlebende weiter. Er lobte die Unterstützung der USA und Europas für die Ukraine. Denn Europa habe auf die Invasion schneller, geschlossener und kraftvoller reagiert als je zuvor in seiner Geschichte.

Zugleich bleibe die Abhängigkeit der europäischen Staaten von russischer Energie stark – „vor allem wegen der merkantilistischen Politik“ der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Das machte Deutschland zur leistungsstärksten Volkswirtschaft in Europa, aber jetzt ist ein hoher Preis zu zahlen“, sagte Soros. „Deutschlands Wirtschaft muss neu ausgerichtet werden. Und das wird lange dauern.“ Kanzler Olaf Scholz scheine letztlich die richtigen Entscheidungen für die europäische Einigkeit zu treffen: Er habe Nord Stream 2 aufgegeben, 100 Milliarden Euro für die Verteidigung zugesagt und der Ukraine Waffen geliefert.

Soros spricht sich für Gasboykott aus: „Europa hat eine viel stärkere Position, als es zugibt“

Soros sagte zudem gegenüber dem Spiegel, dass er am Dienstag einen Brief an Italiens Premierminister Mario Draghi geschickt habe, in dem er sich für einen Gasboykott ausspricht. Putin habe im vergangenen Jahr Gas eingelagert, anstatt es nach Europa zu exportieren. Die anschließende Verteuerung habe Russland „eine Menge Geld“ eingebracht.

„Ich glaube, dass Putin Europa sehr geschickt erpresst hat, indem er damit drohte, den Gashahn zuzudrehen“, sagte Soros in Davos. In Wirklichkeit sei die Drohung des russischen Präsidenten jedoch „viel weniger überzeugend, als er vorgibt“. Putin befinde sich „tatsächlich in einer Krise und hat es irgendwie geschafft, Europa in Angst und Schrecken zu versetzen“.

Allerdings würden die Europäer bis Juli ihre Speicher füllen, wodurch Putin an Macht verliere. Denn Russland haben derzeit keinen anderen Markt als Europa, um das Gas zu exportieren. Putin ist „in einer angespannten Situation. Er muss etwas mit dem Gas machen“, sagte Soros. „Europa hat eine viel stärkere Position, als es zugibt.“

Investor Soros ist ein Feindbild für russische Populisten

Von einem Ölembargo gegen Russland, das momentan von der EU vorbereitet wird, hält Soros dagegen nicht viel. Anders als Gas lasse sich Öl vergleichsweise leicht im großen Stil verschiffen, sagte Soros laut dem Spiegel. Deshalb könne Putin für sein Öl einfach andere Abnehmer finden, wie etwa China.

Der Milliardär Soros warnt schon seit Jahren immer wieder davor, dass die offenen Gesellschaften in den westlichen Demokratien durch totalitäre Staaten wie Russland oder China bedroht seien. Soros ist auch deshalb ein Feindbild vieler Populisten in Osteuropa, besonders Ungarn, der Türkei und Russland. Der Investor ist ein ungarischstämmiger Jude, der mit seinen Stiftungen unter anderem Bewegungen unterstützt, die sich gegen autoritäre Staatsführungen richten. (lma/AFP/dpa)

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