Umbau der Armeen treibt Rheinmetall

Düsseldorf -

Der Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall hat im dritten Quartal noch stärker vom Umbau der Armeen hin zu schnellen Eingreiftruppen profitiert als erwartet. Das Düsseldorfer Unternehmen prognostiziert auch für das restliche Jahr ein gutes Geschäft und gibt sich für das kommende Jahr grundsätzlich positiv gestimmt.

2007 will Rheinmetall seinen Umsatz um 10 Prozent auf rund 4 Milliarden Euro steigern, wie das im MDAX notierte Unternehmen am Montag mitteilte. Damit übertrifft das Unternehmen seine eigene Zielmarke von 5 Prozent jährlichem organischem Wachstum. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erwartet Rheinmetall eine Verbesserung auf 250 bis 260 Millionen Euro nach 215 Millionen Euro im Vorjahr.

Von der Rüstungssparte erwartet sich das Unternehmen steigende Umsätze in Höhe von 20 Prozent. In der Autozuliefersparte sollen es 3 Prozent sein. Im vergangenen Jahr hatte der Bereich "Defence" 1,4 und der Bereich "Automotive" 2,1 Milliarden Euro erlöst. Obgleich der kleinere Bereich, soll "Defence" mit mindestens 145 Millionen Euro (Vorjahr 111 Mio Euro) den größten Anteil zum EBIT beisteuern. "Automotive" soll mindestens 115 (2006: 113) Millionen Euro beitragen. Aufgrund des höheren Geschäftsvolumens und gestiegener Zinssätze erwartet Rheinmetall allerdings ein um etwa 5 Millionen Euro verschlechtertes Zinsergebnis. Die Steuerquote wird nach Angaben des Unternehmens leicht über 30 Prozent liegen; dagegen bleibe die Cash-Steuerquote unter 30 Prozent. In 2006 hatte Rheinmetall unterm Strich 123 Millionen Euro erwirtschaftet.

Für 2008 werden für beide Unternehmensbereiche weiter steigende Ergebnisse erwartet. Voraussetzung dafür sei eine sich weiter positiv entwickelnde Weltkonjunktur sowie stabile Rohstoffpreise und Währungsrelationen, hieß es. "Rheinmetall ist auf sehr gutem Kurs zur Erreichung der gesetzten Ziele in 2007", sagte Vorstandschef Klaus Eberhardt. Die Rheinmetall-Aktie legte am Montag in den ersten Handelsminuten in einem knapp behaupteten Markt deutlich zu.

Rheinmetall sieht in der Neuausrichtung der Streitkräfte weg von der Landesverteidigung hin zu schnell verlegbaren Armeen für Krisensituationen den Wachstumsmotor fürs Unternehmen. So liefern die Düsseldorfer gemeinsam mit ihrem Partner Krauss Maffei Wegmann neue Transportpanzer "Boxer" und neue Schützenpanzer "Puma" an die Bundeswehr. Daneben hat Rheinmetall mehrere Varianten von leichteren gepanzerten Fahrzeugen im Programm. Auch von der Modernisierung der Flugabwehr im Hinblick auf Bedrohungen durch Kleinstziele aus der Luft erwartet das Unternehmen mehr Geschäft. Bestätigt in seinen Prognosen sieht sich Rheinmetall durch steigende Rüstungsetats nicht nur in Deutschland.

Unter diesen Rahmenbedingungen konnte Rheinmetall im dritten Quartal seine Erlöse von 845 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 958 Millionen Euro steigern. Die neun von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten hatten im Schnitt nur mit 936 Millionen Euro gerechnet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte der Düsseldorfer Konzern von 38 auf 61 Millionen Euro (Prognose: 58 Mio Euro); der Überschuss ging von 17 auf 33 Millionen Euro hoch (Prognose: 28 Mio Euro).

Bis Ende September sammelte Rheinmetall neue Aufträge im Wert von fast 3 Milliarden Euro ein, nachdem es in den ersten neun Monaten des Vorjahres erst 2,5 Milliarden Euro waren. In den Büchern stehen damit fast ein Fünftel mehr Bestellungen, nämlich 3,3 Milliarden Euro.

Wie das Unternehmen betonte, konnte sich die Autozuliefersparte von der "stagnierenden Automobilproduktion" in Westeuropa, Japan und Nordamerika abkoppeln und legte beim Umsatz um 3 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Dank eines Großauftrags für Motorteile von einem europäischen Hersteller sei das weitere Wachstum gesichert. Im Geschäft mit japanischen Autobauern zeichne sich im Gesamtjahr erstmals ein Umsatz von 100 Millionen Euro ab. Die Rüstungssparte konnte in den ersten neun Monaten ihren Umsatz um 24 Prozent auf 1.1 Milliarden Euro erhöhen. Insgesamt stiegen zwischen Januar und September die Erlöse von 2,6 auf 2,8 Milliarden Euro. Das EBIT legte von 111 auf 153 Millionen Euro zu und der Überschuss ging von 54 auf 79 Millionen Euro hoch. (dpa)

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