+
Fachkräftemangel? Für viele Münchner Start-ups kein Thema. Über ein Drittel der Start-ups aus der bayerischen Landeshauptstadt bewerten die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern laut einer Umfrage als sehr gut – im Bundesdurchschnitt sieht das nur jedes vierte Start-up so.

Umfrage zeigt

Start-ups fühlen sich in München wohl

  • schließen
  • Sebastian Hölzle
    Sebastian Hölzle
    schließen

Die Stimmung bei Start-ups ist in München weitaus besser als im Bundesdurchschnitt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Die jungen Unternehmen wollen demnach in den nächsten Monaten kräftig investieren und Mitarbeiter einstellen.

München – Münchner Start-ups sind auf Erfolgskurs: Wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens PwC ergab, gehen 82 Prozent der Start-ups aus der bayerischen Landeshauptstadt davon aus, ihren Umsatz 2017 steigern zu können. „Vier von zehn rechnen sogar mit einem Wachstum von mehr als zehn Prozent“, teilt PwC mit. Damit lägen sie deutlich vor ihren Kollegen im Rest der Republik. Im Bundesschnitt erwarten 70 Prozent ein Wachstum in naher Zukunft, nur drei von zehn gehen von zweistelligen Wachstumsraten aus. Entsprechend planen 92 Prozent der Münchner Start-ups in den kommenden Monaten Investitionen – vor allem in Marketing (52 Prozent) und Personal (46 Prozent).

München ist Start-up-Hochburg

„München ist seit Jahren eine Hochburg für Start-ups“, sagt Eckhard Späth, Leiter des PwC-Standorts in München. In der Landeshauptstadt sind laut Späth vor allem technologienahe Start-ups beheimatet, anders als in Berlin, wo vor allem konsumnahe Jungunternehmen ihren Sitz haben. „Wir sind leiser als die Kollegen in Berlin, aber nicht weniger erfolgreich“, sagt Späth mit Verweis auf die aktuellen Ergebnisse.

Das Beratungsunternehmen PwC hatte im Frühjahr 450 Start-ups befragt, darunter 50 mit Sitz in München. Demnach sind die Jungunternehmer in München nicht nur von steigenden Umsätzen ihrer Unternehmen überzeugt, offenbar bietet München den Start-ups auch ideale Voraussetzungen, sich zu entwickeln. „Knapp neun von zehn der befragten Münchner Start-ups sind mit dem Gründerklima in der Stadt zufrieden“, lautet eines der Ergebnisse. Besonders hätten die Befragten die digitale Infrastruktur gelobt, insbesondere den Breitbandausbau und die Verfügbarkeit von schnellem Internet.

München zieht viele Gutausgebildete an

Auch die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern fällt in München offenbar leichter als im Rest der Republik. Während im Bundesschnitt 29 Prozent der Start-ups laut Umfrage ernste Probleme darin sehen, womöglich nicht die richtigen Mitarbeiter zu finden, sind es in München lediglich 18 Prozent. „Die Wirtschaftskraft und die hohe Lebensqualität in München ziehen viele gut ausgebildete Menschen an“, so Späth. Das komme nicht nur den etablierten Unternehmen zugute, sondern auch den Start-ups. „Es gibt heute mehr Mut zum Unternehmertum“, so Späth. Ein weiterer Pluspunkt: Der Wissenstransfer – also die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen – funktioniert laut Umfrage in München besonders gut. Nicht nur die Universitäten spielen hier laut Späth eine Rolle, Start-ups profitieren auch von Einrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum oder dem Fraunhofer-Institut sowie angeschlossenen Netzwerken.

Szene wird sich wohl gut entwickeln

Die Studie offenbart allerdings auch eine Reihe von Defiziten: So gaben laut PwC 36 Prozent der Münchner Start-ups an, sie hätten keinerlei Kooperationspartner – weder in der Wissenschaft noch unter etablierten Unternehmen, Beratungsfirmen oder Investoren. Zum Vergleich: „Bundesweit sind nur 28 Prozent völlig auf sich allein gestellt.“ Nur 14 Prozent der Münchner Start-ups greifen zudem laut Umfrage auf öffentliche Fördermittel zurück, während es bundesweit 25 Prozent sind.

Späth geht dennoch davon aus, dass sich die Münchner Start-up-Szene in Zukunft gut entwickeln wird. „Nicht nur große Dax-Konzerne, sondern auch immer mehr Mittelständler stecken mittlerweile Geld in Start-ups, um innovativer und agiler zu werden und neue Ideen zu entwickeln“, sagt der PwC-Experte. „Das wird in den kommenden Jahren noch richtig Fahrt aufnehmen.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

USA und China verschärfen Handelsstreit dramatisch
Geht es nach Donald Trump, soll die Hälfte aller chinesischen Einfuhren in die USA mit Strafen belegt werden. Peking will Vergeltung üben. Die beiden größten …
USA und China verschärfen Handelsstreit dramatisch
Audis kommissarischer Chef heißt Bram Schot
VW und Audi halten sich im Falle Stadler alle Optionen offen. Der Audi-Chef wurde beurlaubt und der bisherige Vertriebsvorstand Schot auf seinen Posten berufen. …
Audis kommissarischer Chef heißt Bram Schot
Lange Wartezeiten am Frankfurter Flughafen möglich
Deutschlands Tor zur Welt klemmt derzeit. Zum Beginn der Sommerferien in einigen Bundesländern herrscht am Frankfurter Flughafen Anspannung. Staus wie zu Ostern sollen …
Lange Wartezeiten am Frankfurter Flughafen möglich
Frau lenkt Diskussion nach Aldi-Post in andere Richtung: Wurden wegen der WM tatsächlich viele Hunde getötet?
Über positive Aufregung vor der Fußball-WM wollte Aldi Süd auf Facebook schreiben - und erlebte eine aus ganz anderen Gründe aufgeregte Kundin.
Frau lenkt Diskussion nach Aldi-Post in andere Richtung: Wurden wegen der WM tatsächlich viele Hunde getötet?

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.