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Woher der Kaffee kommt und unter welchen Bedingungen geerntet wird, interessiert immer mehr Menschen.

Umsatz hat sich verzehnfacht

Fairer Handel wird immer wichtiger

München - Der Absatz fair gehandelter Produkte wächst – innerhalb von zehn Jahren hat sich der Umsatz von Waren mit dem Fairtrade-Siegel verzehnfacht. Doch was bedeutet fairer Handel? Und woran erkennt man Fairtrade-Produkte? Eine Übersicht.

Immer mehr Menschen kaufen Waren, deren Anbieter besonderen Wert auf gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern legen. Laut Verein Forum Fairer Handel gaben Kunden 2013 in Deutschland 784 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte aus – 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Produkte, die das Fairtrade-Siegel tragen, machten mit 79 Prozent (654 Millionen Euro) den größten Anteil am Gesamtabsatz fair gehandelter Produkte in Deutschland aus. Mit 36 Prozent war im vergangenen Jahr Kaffee das beliebteste fair gehandelte Produkt, gefolgt von Kunsthandwerk (18,5 Prozent) und Kakao/Schokolade (13 Prozent). Weltweit ist der Umsatz mit fair gehandelten Produkten im vergangenen Jahr auf 5,5 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht von Fairtrade international hervor. Das nach eigenen Angaben weltweit führende Sozialsiegel verzeichnete die größten Zuwächse bei Zucker, Blumen, Bananen und Kaffee.

Was ist fairer Handel? 

„Der faire Handel ermöglicht Produzenten in Entwicklungsländern über faire Handelsbeziehungen einen besseren Zugang zu den Märkten im Norden und fördert langfristige und direkte Handelsbeziehungen“, erläutert Claudia Brück, Sprecherin von Transfair. Der gemeinnützige Verein Transfair vergibt das Fairtrade-Siegel. Dabei stehen die Arbeiter im Süden und deren Lebensbedingungen im Mittelpunkt – mit Hilfe des fairen Handels sollen diese verbessert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, garantiert Fairtrade einen Mindestpreis, ermöglicht die Vorfinanzierung der Produktion, schafft transparente Handelsbeziehungen, zahlt Entwicklungsprämien und ist in der Beratung und Qualifizierung der Produzenten aktiv.

Wie sieht eine faire Lieferkette aus?

Brück zieht zur Erläuterung das Beispiel Kaffee-Handel heran: „Die Kaffeekooperative baut den Kaffee an, schält, wäscht und trocknet ihn“. Dann werde der Kaffee zum Hafen gebracht, wo er zum Fairtrade-Mindestpreis von einem Exporteur aufgekauft werde. Dieser verschiffe den Kaffee nach Rotterdam oder Hamburg – „in Deutschland wird der Kaffee geröstet, verpackt und verkauft.“

Wo werden fair gehandelte Produkte vertrieben?

Fair gehandelte Produkte werden in fast allen Einzelhandelsgeschäften verkauft. Der bedeutendste Vertriebsweg für Fair-Händler sind jedoch die Weltläden und Aktionsgruppen. Sie machten im vergangenen Jahr 42 Prozent des Gesamtabsatzes aus und bieten ein breites Sortiment an Lebensmitteln und Kunsthandwerk. Wachstumsstarke Bereiche sind die Gastronomie (2013: 40 Prozent Zuwachs gegenüber 2012) sowie der Online-Handel (Verdopplung des Absatzes im vergangenen Jahr).

Woran erkennen Verbraucher fair gehandelte Produkte?

Es gibt viele Händler, die ihre fair gehandelten Produkte für die Verbraucher kennzeichnen. Mit 83,4 Prozent machte das Fairtrade-Siegel von Transfair 2013 den größten Anteil am Gesamtabsatz in Deutschland aus. Es ist das einzige unabhängig vergebene Zertifikat. Darüber hinaus gibt es weitere Fair-Handels-Organisationen, die ein Siegel vergeben (siehe Kasten).

Gibt es Kontrollen, die sicherstellen, dass fair gehandelte Produkte auch wirklich fair sind?

„Alle drei Monate findet die Quartalskontrolle am Schreibtisch statt“, sagt Transfair-Sprecherin Brück. Hinzu komme mindestens einmal jährlich eine Vor-Ort-Überprüfung durch einen Inspekteur. „Je nachdem wie die Zusammenarbeit mit dem Produzenten funktioniert, kontrollieren wir aber auch öfter“, so Brück. Bei Problemanzeigen, die meist von Mitarbeitern, der Konkurrenz oder der Presse kämen, werde Transfair sofort aktiv.

Welche Verstöße kommen vor?

Häufige Verstöße seien falsch abgelegte Papiere, nicht richtig genutzte Prämien sowie undemokratische und intransparente Entscheidungsstrukturen, sagt Brück. In diesen Fällen bekämen die Produzenten drei Monate Zeit, um das Problem zu beheben. „Unser System kann Verstöße zwar nicht vollständig verhindern, wenn es jedoch Missstände gibt, kriegen wir das raus“, so die Sprecherin.

Ist Fairtrade auch gleichzeitig bio?

Zwei Drittel der Fairtrade-Produkte sei nicht nur fair gehandelt, sondern weise auch Bio-Qualität auf, so Brück. Die Umstellung auf Bio-Anbau belohne der Verein mit einer Prämie. „Für die Produzenten ist diese Umstellung aber oft gar kein großer Schritt. Denn wer von uns zertifiziert wird, muss ohnehin schon viele Umweltstandards, wie zum Beispiel der Verzicht auf Pestizide, erfüllen“, sagt Brück.

Die Verbraucher Initiative

bietet eine kostenlose App an, die es Verbrauchern ermöglicht, sich direkt am Einkaufsort über Labels und ihre Bedeutung zu informieren.

Download unter http://label-online.de/label-app/

Hanny Hellrung

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