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Besser miteinander sprechen, als das Kind ausschließen. 

Besser „Time In“ als „Time Out“

Umstrittener Erziehungstipp: Pampers entschuldigt sich bei Eltern

Schwalbach am Taunus - Pampers hat den Erziehungstipp zur Bestrafung von Kindern von der Homepage entfernt. Bloggerin Nora Imlau hat zu diesem Thema Stellung genommen.

Die Erziehungsmethode „Time Out“ kennt man von der Reality-Show „Die Super Nanny“. Dort wurde sie als „Stille Treppe“ bezeichnet, ein Ort, an dem Kinder sich in Konfliktsituationen zurückziehen und eine „Auszeit“ nehmen müssen. Die Deutsche Super-Nanny Katharina Saalfrank hat sich inzwischen von dieser Erziehungsmethode distanziert. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau im Jahr 2013 bezeichnet sie es als „destruktiv“. Das Kind werde nicht nur „massiv in seiner Autonomie und Entwicklung eingeschränkt“ es werde auch in der Persönlichkeit gekränkt. 

Umso mehr verwundert, warum der Windel-Hersteller Pampers die Auszeit immer noch als Erziehungsmethode empfiehlt. Auf seiner Homepage hat das Unternehmen Text mit dem Titel „Kinder richtig bestrafen: Auszeiten“ zum Umgang mit Kleinkindern in Konfliktsituationen veröffentlicht und sich dabei am Wochenende einen großen Shitstorm eingefangen. 

Pampers hat auf die Kritik reagiert, den Eltern auf Facebook geantwortet und sich für den Artikel entschuldigt. 

Mittlerweile hat das Unternehmen den Artikel auch von seiner Seite entfernt, „da er als widersprüchlich zu unserem übergeordneten Ziel bei Pampers, Babies eine gesunde und glückliche Entwicklung zu ermöglichen, verstanden werden kann“, schreibt Pressesprecherin Sandra Broich. „Die entstandene Irritation bedauern wir sehr und entschuldigen uns ausdrücklich dafür.“

Nora Imlau

Der Text ist eine Übersetzung der englischsprachigen Autorin Dr. Susan Dixon, wie Broich mitteilt. Nora Imlau, Journalistin und Fachautorin für Familienfragen hat auf ihrer Facebook-Seite ebenfalls Stellung zu dem Artikel bezogen. Imlau ist selbst Mutter schreibt auf ihrem Blog nora-imlau.de über alles rund ums Thema Kind und Erziehung. Sie hat bereits mehrere Erziehungsratgeber ("Schlaf gut Baby!“, "Das Geburtsbuch" und "Mein kompetentes Baby") veröffentlicht. Um den Text auf der Pampers-Webseite „einordnen zu können“ müsse man sich den „kulturellen Kontext“ Amerikas und Großbritanniens genauer betrachten. Dort seien Strafen für Kinder mehr in der Gesellschaft etabliert, als bei uns. 

Die Eltern hätten die Aufgabe, das Kind zur Disziplin zu erziehen. Als „gewaltfreie Alternative zum Schlagen“, haben Pädagogen und Psychologen das Time Out-Prinzip entwickelt, dass sich in den USA und in Großbritannien etabliert hat. In Deutschland sei „der kulturelle Kontext zum Glück ein anderer“. Dass sich so viele Eltern über den Artikel empört haben, wertet Imlau als ein „gutes Zeichen“. Es zeigt, dass das Bewusstsein vieler Eltern in Richtung moderne - straffreie - Kindererziehung geht. Im Gespräch mit Merkur-Online schlägt sie Alternativen zum Time Out vor.

Merkur: Was halten sie von der Erziehungsmethode Auszeit, bzw. Time-Out?

Nora Imlau: Ich halte es für keine beziehungsfördernde Maßnahme. Langfristig ist die Methode auch nicht besonders hilfreich. Oft will einem das Kind mit seinem auffälligen Verhalten auch etwas mitteilen. Etwa dass es wütend oder traurig ist. Wenn ich es dann auf einen Stuhl sitze und nicht mehr mit ihm rede - es also isoliere - teile ich ihm mit, dass es seine Gefühle nicht ausdrücken darf. Oder es nicht mehr geliebt wird, wenn es sich nicht so verhält, wie die Eltern es von ihm erwarten.

Merkur: Was für Auswirkungen kann dies auf das Kind haben?

Nora Imlau: Es kann längerfristig zu Schwierigkeiten mit den Eltern kommen, weil sich das Kind nicht so angenommen fühlt, wie es ist. Das schlägt auch aufs Selbstwertgefühl. Das Kind fühlt sich nicht geliebt, wenn es nicht so reagiert, wie die Eltern es erwarten. Das sollte man seinem Kind nicht mitgeben. Man würde ja auch keinen Erwachsenen bei Konfliktsituationen auf einen Stuhl setzen und mit ihm nicht mehr reden.

Merkur: Wie sollen sich Eltern stattdessen verhalten?

Nora Imlau: Statt einem Time Out plädiere ich für ein „Time In“. Dabei nimmt man sich und das Kind aus der Situation raus, atmet einmal tief durch um die Dynamik und die Spannung rauszunehmen. Dann kann man dem Kind nochmal erklären, warum bestimmte Grenzen gelten. Das Kind hat dabei auch die Möglichkeit, sich und seine Gefühle zu erklären und fühlt sich nicht von den Eltern ignoriert oder missachtet. Man muss mit seinem Kind sprechen - und zwar respekt- und liebevoll.

maw

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