Bericht des Weltwirtschaftsforums

„Zersplittert“: Experten sehen die Welt im Krisenmodus - ist ein Kollaps noch zu verhindern?

Die Grenze der Belastbarkeit für die Welt sei fast erreicht. Zu diesem Schluss kommt das Weltwirtschaftsforum in seinem diesjährigen Risikobericht. Wie kann der Kollaps noch verhindert werden?

London - Es ist ein gefährliches Bild, das der Risikobericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeichnet. Massive Umweltprobleme wie Wetterextreme und Artensterben sowie Cyberattacken, politische Krisen und wirtschaftliche Ungleichheit - die Welt heutzutage hat demnach an vielen Fronten zu kämpfen. „Wir haben zugelassen, dass Brüche entstehen, die Institutionen, Gesellschaften und die Umwelt schwächen - diese Brüche gilt es nun zu heilen“, betonte WEF-Gründer Klaus Schwab am Mittwoch in einer Mitteilung.

Doch Hoffnung bestehe, sagte Schwab und verwies auf das starke Wachstum der Weltwirtschaft. „Die umfassende wirtschaftliche Erholung bietet uns eine Chance, die wir nicht vergeuden dürfen.“ Er rief Staats- und Regierungschefs auf, entschlossen und gemeinsam gegen komplexe Probleme in allen Bereichen vorzugehen.

„Menschen haben Probleme mit dem immer schnelleren Wandel Schritt zu halten“

So kommt der „Global Risks Report“ zu dem Schluss, dass die Menschheit Probleme haben wird, „mit dem immer schnelleren Wandel Schritt zu halten“. In vielen Bereichen sei die Grenze der Belastbarkeit erreicht, etwa beim Verlust der Vielfalt von Tieren und Pflanzen, der mit einem Massensterben vergleichbar sei, oder der wachsenden Kriegsangst.

Denn klar ist auch: „Die geopolitische Landschaft verschlechtert sich“, wie das WEF festhält - etwa mit Blick auf die Krise um Nordkorea. Von den rund 1000 befragten Wirtschaftswissenschaftlern und Managern glaubt eine große Mehrheit (93 Prozent), dass sich politische und wirtschaftliche Auseinandersetzungen in diesem Jahr verschärfen werden. Spannungen gibt es genug, und oft stehen die USA unter Präsident Donald Trump als Akteur im Mittelpunkt, ob im Konflikt mit Nordkorea oder mit China, mit Russland oder beim Freihandel. Umso gespannter wird die Rede Trumps zum Abschluss der diesjährigen Tagung im schweizerischen Alpenort Davos erwartet.

Traditionell stellte das WEF den Weltrisikobericht rund eine Woche vor Beginn dieser Konferenz vor. Die Studie sei eine Art Anleitung, „was wirklich die zentralen Fragen 2018 sein werden“, sagte Schwab bei der Vorstellung des Konferenzprogramms am Dienstag.

„Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt“

In Davos diskutieren vom 23. bis 26. Januar mehr als 3000 Top-Politiker, Spitzenmanager sowie Vertreter internationaler Organisationen und der Zivilgesellschaft unter dem Motto „Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt“. „Die Herausforderung besteht vor allem darin, zusammen den Willen und die Dynamik aufzubringen, uns für eine gemeinsame Zukunft stark zu machen“, so WEF-Gründer Schwab.

Stark gemacht werden muss die Welt auch gegen die zunehmende Gefahr groß angelegter Cyberattacken, die der WEF-Bericht als zweitgrößtes Risiko einstuft. „Geopolitische Reibungen tragen dazu bei, dass Cyberangriffe sowohl häufiger als auch komplexer werden“, sagte John Drzik vom Industrieversicherungsmakler Marsh. Zudem nehme die digitale Angriffsfläche zu, da Konzerne - und auch Einzelpersonen - immer stärker von Technologie abhängig seien. Drzik forderte Unternehmen und Regierungen auf, „noch wesentlich mehr in Widerstandsfähigkeit“ zu investieren.

Mit zehn „Denkanstößen“ gegen den Krisenmodus

Möglicherweise helfen dabei auch die zehn „Denkanstöße“, die das WEF den etwa 70 Staats- und Regierungschefs, die nach Davos kommen, in der Form von „Was wäre, wenn“-Szenarien an die Hand gibt. Dabei geht es unter anderem um Cyberattacken als „Krieg ohne Regeln“, wodurch Konflikte in unvorhersehbarer Weise eskalieren könnten, aber auch um Populismuswellen als Gefahr für die Demokratie oder Handelskriege. „Es ist noch nicht zu spät, um ein belastbares Morgen zu gestalten, aber wir müssen mit einem stärkeren Gefühl der Dringlichkeit handeln, um einen möglichen Systemzusammenbruch zu verhindern“, sagte Alison Martin, Risikochefin des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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