Ehemalige Bergleute gehen zum Kohlekraftwerk in Datteln und demonstrieren gegen die Inbetriebnahme. Foto: Guido Kirchner/dpa
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Ehemalige Bergleute gehen zum Kohlekraftwerk in Datteln und demonstrieren gegen die Inbetriebnahme. Foto: Guido Kirchner/dpa

"Werden Kraftwerk verhindern"

Datteln 4 geht ans Netz - Umweltschützer protestieren

Deutschland will aus der Kohle aussteigen. Trotzdem ging am Samstag ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz. Dagegen protestierten verschiedene Umweltorganisationen - auch ehemalige Bergleute waren unter den Demonstranten.

Datteln (dpa) - Umweltaktivisten haben im nördlichen Ruhrgebiet weitgehend friedlich gegen das gerade in Betrieb genommene Kraftwerk Datteln 4 protestiert.

"Es ist ein postfaktisches Kraftwerk, alle Fakten sprechen dagegen", sagt Luisa Neubauer von Fridays for Future. Es sei eine Provokation, den Kohleausstieg mit einem neuen Kohlekraftwerk einzuleiten. Datteln 4 müsse wieder vom Netz gehen und das deutlich vor 2037.

Gegen den Beginn des kommerziellen Betriebs protestierten neben Fridays for Future auch zahlreiche Anhänger von Greenpeace, Ende Gelände und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Bereits in der Nacht hatten Aktivisten das Kraftwerk mit Schriftzügen wie "Klimakrise made in Germany" angestrahlt.

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"Wir richten beste Grüße an die offensichtlich inkompetente Regierung", sagte die Klimaaktivistin Neubauer. "Wir werden dieses Kraftwerk verhindern, wir werden es zum Stillstand bringen, wir werden diesen Konflikt gewinnen."

Unter den Protestierenden waren auch ehemalige Bergleute. "Wir kritisieren, dass der Steinkohlebergbau in Deutschland eingestellt und den Arbeitern gekündigt wurde, nun aber Kohle aus dem Ausland importiert wird, um Datteln 4 zu betreiben", sagte Sebastian Suszka, selbst ehemaliges Betriebsratsmitglied.

Nach Angaben der Polizei Recklinghausen waren zehn Versammlungen am Kraftwerksgelände angemeldet worden. Die Mahnwachen und Aktionen sollten den ganzen Tag andauern. So sprangen am Mittag rund 20 Anhänger von Ende Gelände in den Kanal, um diesen zu blockieren. Wenig später wurden sie von einer Kanuflotte abgelöst. Nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Samstagnachmittag verliefen die Proteste weitgehend friedlich.

Es seien jedoch drei Anzeigen wegen Vermummung geschrieben worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Personen hätten sich komplett vermummt, weit mehr als mit einem Corona-Mundschutz. Zwei weitere Personen hätten versucht, Maßnahmen der Beamten zu stören. Die Beamten nahmen ihre Personalien auf. "Alle wurden vor Ort wieder entlassen", so die Polizei via Twitter. Nach Angaben des Linken-Klimapolitikers und Bundestagsabgeordneten Lorenz Gösta Beutin ging die Polizei ohne Warnung und "sehr brutal" vor.

Auch Klimaaktivistin Greta Thunberg meldete sich via Twitter zu Wort. "Heute ist ein beschämender Tag für Europa, da wir ein brandneues Kohlekraftwerk eröffnen. Wir haben uns verpflichtet, den Weg zu ebnen, um eine Klimakatastrophe zu vermeiden - und doch ist dies das Signal, das wir an den Rest der Welt senden? (...)", schrieb die Schwedin.

Das von Uniper betriebene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 im nördlichen Ruhrgebiet ist zum Symbol der Auseinandersetzung um die Energie- und Umweltpolitik in Deutschland geworden. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte empfohlen, für bereits gebaute aber noch nicht im Betrieb befindliche Kraftwerke eine Verhandlungslösung zu suchen, um sie nicht in Betrieb zu nehmen. Die Umweltverbände sehen deshalb im Ja der Bundesregierung zu Datteln 4 einen Verstoß gegen die Beschlüsse der Kommission.

Bundesregierung und NRW-Landesregierung betonen, dass im Gegenzug für Datteln 4 ältere Steinkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Dadurch würden die zusätzlichen Kohlendioxid-Emissionen von Datteln 4 kompensiert.

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