Umweltschutz aus der Erfinderwerkstatt

Klimawandel: - Der Kampf gegen den Klimawandel könnte Deutschland hunderte Milliarden Euro kosten, schätzen Experten. Doch Klimaschutz ist nicht nur Herausforderung, sondern auch Chance für heimische Unternehmen. Sie bieten schon heute Technologien und Produkte, die dazu beitragen, das Klima von morgen zu schützen.

München ­- Umweltschutz ohne Verzicht ­ das ist die Idealvorstellung vieler Menschen. Und dieser Wunsch ist erfüllbar, glaubt etwa (Noch-)Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. "Klimaschutz und der Erhalt unseres Wohlstandes sind keine Gegensätze. Es geht nicht um Verzicht, sondern um technische Innovationen, mit denen sich dem Problem des Klimawandels begegnen lässt", lautet das Credo des Managers. "Innovationen von Ingenieuren sind das Lebenselixier der deutschen Industrie." Und sie können zum Rückgrat des Klimaschutzes werden ­ zum Beispiel in Irsching.

In dem Ort nahe Ingolstadt soll bald die stärkste Gasturbine der Welt zum Einsatz kommen. Groß wie ein Reisebus und um ein Drittel schwerer als das Riesen-Flugzeug A380 soll die Turbine eine Stadt der Größe Hamburgs mit Energie versorgen können. Im Inneren wird bis zu 1500 Grad heiße Luft die Hightech-Schaufelräder antreiben, die wie das Laufrädchen am Fahrraddynamo zur Stromgewinnung dienen. Der Wirkungsgrad soll bei rund 60 Prozent liegen ­ und damit beim Doppelten des weltweiten Durchschnitts von Kohlekraftwerken. Gegenüber einem deutschen Kohlekraftwerk spart die Anlage von Siemens und dem Energieriesen Eon in Irsching pro Jahr rund 2,8 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ein. Das entspricht dem Ausstoß von 9500 VW Golf, die je 20 000 Kilometer fahren.

Noch viel größer ist das Potenzial bei der Beleuchtung. Licht macht ein Fünftel des weltweiten Stromverbrauchs aus, hat der Münchner Osram-Konzern berechnet. Würden überall moderne Energiespar-Systeme statt konventioneller Leuchtstofflampen eingesetzt, würde das die globale CO2-Belastung so stark reduzieren, wie wenn in ganz Deutschland kein Auto mehr betrieben würde. Energiesparlampen und Leuchtdioden sparen schon jetzt gegenüber herkömmlichen Glühlampen 80 Prozent des Stroms und halten bis zu 20-mal länger.

Kleine Stromfresser, große Wirkung ­ dieser Zusammenhang beschäftigt auch die Entwickler des Münchner Halbleiterkonzerns Infineon. Er produziert Elektrochips, die immer weniger Energie benötigen und damit immer mehr Aufgaben übernehmen können. Zum Beispiel im Fernsehgerät. In Europa läuft rechnerisch ein Atomkraftwerk nur für den Strom, den Fernseher im Bereitschaftsbetrieb verbrauchen. "Chips von Infineon können diese Verschwendung schon heute auf ein Hundertstel reduzieren", erklärt Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Und das zahlt sich auch für die Nutzer aus. Allein in den USA könnten so bis zu vier Milliarden Dollar Stromkosten eingespart werden.

Voraussetzung ist, dass die Kunden beim Kauf eines Gerätes auf die eingesetzte Technik achten. Der Stromverbrauch eines Fernsehers im Stand-by-Betrieb etwa ist auf der Verpackung nachzulesen. Auch bei Waschmaschinen und Kühlschränken finden sich Angaben über die Energieeffizienz. Der Blick lohnt sich. Kühlschränke und Klimaanlagen mit intelligenten Steuerungs-Chips zum Beispiel verbrauchen laut Infineon bis zu 25 Prozent weniger Strom.

Getrübt wird die Öko-Bilanz mancher Technologie allerdings dadurch, dass bei ihrer Herstellung selbst viel Energie verbraucht wird. Hier setzt die Zukunft Sonne GmbH aus Kienberg (Kreis Traunstein) an. Das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern bietet Solar- und Heizungsanlagen für Häuser. Unter anderem hat Zukunft Sonne einen besonderen Hochleistungsflächenkollektor entwickelt.

Wie herkömmliche Geräte nützt dieser Sonneneinstrahlung für Warmwasserversorgung und Beheizung eines Hauses. Doch im Gegensatz zu konventionellen Produkten wird bei der Herstellung "weitgehend auf Material verzichtet, das einen hohen Energieeinsatz erfordert", erklärt ein Firmensprecher. Da das Gerät in das Dach integriert und damit weniger der Witterung ausgesetzt wird, ersetzt etwa Holz überwiegend sonst übliches Aluminium. Gegenüber klassichen Kollektoren werde bei der Herstellung bis zu 50 Prozent weniger Energie verbraucht. Das schlägt sich im Preis nieder, der laut dem Sprecher bis zu 20 Prozent unter dem Marktdurchschnitt liegt. Und es sorgt für eine gute Öko-Bilanz. "Normalerweise produziert ein Kollektor etwa in neun Monaten Betrieb so viel Energie wie zu seiner Herstellung nötig war. Wir schaffen es etwa in der Hälfte der Zeit."

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