Unerwarteter Erfolg: BMW baut das Mini-Werk in Oxford aus

- Oxford - "Wir waren überrascht von den steigenden Verkaufszahlen." Norbert Reithofer, Produktionsvorstand im BMW-Konzern, hat für die nächsten Jahre ein Problem. Denn die Kapazität der Konzerntochter Mini in Oxford ist, wie er sagt, "am Anschlag". Das Werk war auf 100 000 Autos im Jahr ausgelegt. 2004 wurden 189 492 gebaut.

<P>Immer wieder wurden Engpässe im Produktionsprozess beseitigt - um der steigenden Nachfrage nachzukommen. Doch jetzt geht ohne größere Maßnahmen nicht mehr viel. 100 Millionen Pfund investiert der Konzern bei seiner britischen Tochter in die Erweiterung einer Produktionshalle. 2007 soll diese fertig sein. Rund 20 % Produktionssteigerung erwartet Reithofer. Dann könnte die Produktion auf über 230 000 steigen. Einstweilen ist "Feinstoptimierung" gefragt. "Ein paar Einheiten zusätzlich" seien so noch drin, wie Werkleiter Anton Heiss sagt. Mit Zahlen hält sich BMW ebenso zurück wie bei künftigen Modellen. <BR><BR>Immerhin verdichten sich die Anzeichen, dass es weitere Varianten der Mini-Familie geben wird. "Wir denken über weitere Derivate nach", sagt Reithofer.<BR>Dabei ist BMW mit der Fabrik in Oxford schon heute der viertgrößte britische Auto-Hersteller und bei den Exporteuren bereits die Nr. 3. Nissan mit rund 320 000 im Vereinigten Königreich gebauten Autos ist unbestritten die Nr. 1. Toyota mit 240 000 die Nummer zwei. Doch Honda, mit 193 000 Fahrzeugen auf dem dritten Platz, könnte von Mini vom Treppchen gestoßen werden. Und nach dem Ausbau des Werks dürfte Mini auch Toyota auf den Fersen sein.<BR><BR>Doch gibt es ein Problem: Geeignete Arbeitskräfte sind im Boomland England kaum zu bekommen, sagt Frank Ludwig, einer der Leiter der Rohbauproduktion, die auch in England nahezu vollautomatisch abläuft: Rund 300 Roboter sind dort im Einsatz. Weit weniger Arbeiter säumen in diesem Betriebsteil die Produktionsstraße. Doch der gute Name von Mini und BMW erleichtert es, so Ludwig, doch immer wieder Bewerber zu finden. Wer kommt, muss erst auf deutsches Facharbeiter-Niveau gebracht werden. Eine Duale Ausbildung wie in Deutschland gibt es in Großbritannien nicht, wie Heiss einräumt. BMW hat aber ein entsprechendes Trainingsprogramm für Lehrlinge eingerichtet.<BR><BR>Die Arbeitszeiten sind für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich: Elfeinhalb Stunden dauern die Schichten, am Wochenende legen die Arbeiter noch eine Stunde drauf. Doch kommen auch sie nur auf 37 Stunden in der Woche. Abwechselnd drei oder vier Tage hat ihre Arbeitswoche. Alle fünf bis sechs Wochen haben die Mini-Mitarbeiter sechs freie Tage am Stück. Kaum eine Fabrik weltweit kommt auf solche Betriebszeiten: 134 Stunden in der Woche. Nur eine Stunde bleibt an normalen Werktagen für die Wartung.<BR><BR>Qualitätsprobleme wegen der langen Arbeitstage sieht Heiss nicht. Er zieht einen Vergleich mit Dauerläufern, die zum Schluss auch noch einmal zulegen können. Auch die Gewerkschaften ziehen, so Heiss, mit.<BR><BR>Dabei erlaubt es das Arbeitszeitmodell nicht so gut, auf Produktionsschwankungen zu reagieren, wie etwa in Regensburg. Um eine ähnliche Flexibilität zu erreichen, greift Mini auf bis zu ein Drittel Leiharbeiter zurück.<BR><BR>Was ist nun eigentlich das deutsch-britische Erfolgsrezept? Rohbau-Manager Frank Ludwig, der vor drei Jahren von Porsche in Zuffenhausen zu Mini in Oxford wechselte, zögert keinen Augenblick: "Wenn man englische Kreativität mit deutschem Perfektionismus zusammenbringt, hat man eine gute Struktur."<BR></P>

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