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Wenn es gekracht hat: Nicht zu jedem Unfall muss die Polizei kommen. Wer selbst dokumentiert, sollte unbedingt Fotos von der Unfallstelle machen. foto: robert schlesinger

Verkehrsunfälle

Richtig handeln bei Blechschäden

München - Kleinere Unfälle mit Blechschaden sind im Berufsverkehr schnell passiert. Nicht immer muss die Polizei kommen. Wer sorgfältig dokumentiert, kommt trotzdem an sein Geld.

Morgens, neun Uhr in München. Tausende Autos schlängeln sich, oft im Schritttempo, durch die Straßen. Einmal nicht rechtzeitig gebremst oder beim Ausweichen nicht richtig geschaut – schon ist es passiert. Zwar wird bei solchen Remplern meist niemand verletzt, aber eine Delle in der Stoßstange kann schnell über 1000 Euro kosten. Nicht immer ist es nötig, die Polizei zu rufen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten, damit es bei der Schadensregulierung keine bösen Überraschungen gibt.

Was sollte man nach einem Unfall als Erstes tun?

Zuallererst muss die Unfallstelle abgesichert werden. Das bedeutet Warnblinker anschalten und Warndreieck aufstellen, damit andere Autofahrer gewarnt sind. Im Stadtverkehr muss das Warndreieck rund 50 Meter vor der Unfallstelle aufgestellt werden, auf Landstraßen oder Autobahnen zwischen 100 und 200 Meter davor. „Die Zeit, um die Schäden zu fotografieren, sollte man sich immer nehmen“, rät Katharina Bauer vom ADAC. „Danach sollte die Unfallstelle aber so schnell wie möglich geräumt werden. Personalien tauschen geht auch auf dem nächsten Parkplatz.“ Wer ein Fotohandy dabeihat, sollte die Unfallstelle und den Schaden an allen Fahrzeugen aus verschiedenen Winkeln fotografieren. Nie verkehrt ist außerdem eine Unfallskizze.

Welche Informationen müssen ausgetauscht werden?

Beide Fahrer sollten sich das amtliche Kennzeichen des Unfallgegners notieren, außerdem Namen und Adressen laut Ausweispapieren. Vom Versicherungsschein lassen sich Name und Versicherungsnummer ablesen. Aufschreiben sollten sich die Fahrer zudem Ort und Zeit des Unfalls und gegebenenfalls Namen und Adressen von Zeugen. Im Ausland hilft die europäische Versicherungskarte für Kraftfahrzeuge, auch Grüne Karte genannt. Sie enthält alle für die gegnerische Versicherung wichtigen Daten und ist umsonst bei jedem Versicherer erhältlich.

Was sind die häufigsten Fehler nach einem Unfall?

„Die Harmonie am Unfallort kann oft trügerisch sein“, warnt Volker Lempp, Justiziar beim europäischen Automobilclub ACE. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Dokumentation. Viele Fahrer vergessen in der Hektik der Situation, Fotos von der Unfallstelle zu machen. Auf jeden Fall sollte man nicht nur die eigene Delle, sondern auch Schäden am gegnerischen Fahrzeug ablichten. So schnell wie möglich sollte dann die Versicherung informiert werden. Viele Fahrer lassen sich zudem nach einem Unfall überrumpeln und geben voreilig ein Schuldanerkenntnis ab, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das sollte man aber tunlichst vermeiden, um gegebenenfalls Schadenersatzansprüche nicht zu gefährden. „Generell gilt nach einem Unfall: nicht auf andere hoffen, sondern so viel wie möglich selbst dokumentieren“, sagt ACE-Jurist Lempp.

Verlangen die Kfz-Versicherer eine polizeiliche Unfallaufnahme?

„Solange keine Personen verletzt wurden, ist ein polizeiliches Unfallprotokoll nicht notwendig, um den Schaden zu regulieren“, erklärt Katrin Rüter vom GDV. Der Versichererverband empfiehlt für die eigene Dokumentation den „Europäischen Unfallbericht“, ein Dokument, das Autofahrer bei ihrem Kraftfahrtversicherer erhalten.

Zahlt die gegnerische Versicherung auch einen Gutachter?

Grundsätzlich zahlt die Kfz-Versicherung bei einem nicht-verschuldeten Unfall auch einen Gutachter – allerdings nicht bei sogenannten Bagatellschäden unter 700 Euro. Das hat die Rechtsprechung der vergangenen Jahre ergeben. Sofern keine eigene Rechtschutzversicherung besteht, übernimmt die gegnerische Versicherung auch die Kosten für einen Anwalt. Auch hier gilt aber die Bagatellgrenze von rund 700 Euro.

Wann kommt die Polizei denn noch zu einem Unfall?

„Grundsätzlich ist die Polizei nicht verpflichtet, zu einem Blechschaden zu kommen“, so Jurist Lempp. „Ich informiere ja nur, die Beamten entscheiden dann selbst, ob sie vor Ort gebraucht werden.“ Im Normalfall wird sich die Polizei aber nicht weigern, zu einem Unfall zu kommen. Verpflichtet sind die Beamten allerdings nur, dem Verdacht auf Straftaten nachzugehen. „Die Polizei ist ja nicht dazu da, mir bei der Durchsetzung meiner Schadenersatzansprüche behilflich zu sein“, so Lempp. „Die Polizei vor Ort bringt außerdem meist keinen entscheidenden Vorteil. Sie war ja bei dem Unfall nicht dabei.“ Oft nehmen die Beamten nur die Personalien auf, Unfallspuren sichern sie meist nur, wenn Verdacht auf eine Straftat besteht.

Wann bin ich denn verpflichtet, die Polizei zu rufen?

Wurden beim Unfall Personen verletzt, muss in jedem Fall die Polizei her. Wer den Verdacht hat, dass Alkohol oder Drogen im Spiel sein könnten oder sich genötigt fühlt, sollte ebenfalls lieber die Polizei informieren – hier könnte nämlich eine Straftat vorliegen. Bei Mietwägen ist eine polizeiliche Unfallaufnahme meist vertraglich vorgeschrieben. Auch bei einem Parkrempler muss, wenn der Halter des beschädigten Autos nicht aufzufinden ist, die Polizei informiert werden. Sonst ist das Fahrerflucht.

Was mache ich, wenn der andere Fahrerflucht begeht?

„Wer sich das Kennzeichen des Unfallgegners gemerkt hat, hat Glück gehabt“, so Rüter. „Über einen Anruf beim Zentralruf der Versicherer unter 0800 25 026 00 kann die gegnerische Kfz-Versicherung ermittelt werden.“ Die Versicherer nehmen dann untereinander Kontakt auf und regulieren den Schaden, außerdem muss sich der fremde Fahrer wegen Fahrerflucht verantworten. Hat man aber kein Kennzeichen notiert, sieht es schlecht aus. Auf Blechschäden bleibt man dann sitzen. Wurden Personen bei dem Unfall verletzt, kann sich der Geschädigte an die Verkehrsopferhilfe wenden.

von Daniela Beer

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