+
Eine finanzielle Stütze kann im Ernstfall eine Unfallversicherung sein, die für diejenigen eine Alternative ist, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen.

Unfallversicherung mit vielen Tücken

München - Wer sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls in der Freizeit schützen möchte, kann sich absichern. Doch die meisten Unfallversicherungen sind nicht ausreichend, kritisiert Finanztest. Zudem verwirren die unzähligen Tarife.

Rund 28 Millionen Unfallversicherungsverträge sind in Deutschland im Umlauf. „Doch die meisten Verträge bieten vermutlich nur lückenhaften Schutz“, schreibt Finanztest. Die Zeitschrift hat in ihrer aktuellen Ausgabe mehrere hundert Tarifangebote für eine private Unfallversicherung geprüft und nur drei Mal das Qualitätsurteil sehr gut vergeben. Ffür die Angebote P 350 Primus Plus Premium und P 500 Primus Plus Premium der Swiss-Life sowie P-Plus 500 XXL (B18) Maxi-Taxe der Interrisk.

Kein Ersatz für BU-Versicherung

Grundsätzlich können sich Verbraucher mit einer Unfallversicherung vor den finanziellen Folgen unfallbedingter Gesundheitsschäden schützen. Da die Police nicht bei Krankheiten zahlt, kann sie jedoch keine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ersetzen, mahnt Finanztest. Nur zwei Prozent der über sieben Millionen Schwerbehinderten-Fälle in Deutschland sind auf einen Unfall zurückzuführen - 82 Prozent jedoch auf eine Krankheit. Eine Unfallpolice kann also nur eine Ergänzung oder Notlösung sein, falls eine BU-Police nicht möglich ist.

Auf hohe Summen für Ernstfall achten

Je nach Schwere der dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigung erhält der Versicherte einen unterschiedlich hohen Geldbetrag. Ein guter Vertrag zeichnet sich Finanztest zufolge dadurch aus, dass der Kunde nicht nur bei 100 Prozent Invalidität eine hohe Summe erhält. Auch bei niedrigeren Invaliditätsgraden muss die Leistung stimmen. Aus den Angeboten im Test erhalten Versicherte zum Beispiel bei 50 Prozent Invalidität mindestens 100 000 Euro.

Finanztest empfiehlt außerdem Tarife mit „Progression“, bei denen der Versicherte bei 100 Prozent Invalidität ein Vielfaches der vereinbarten Versicherungs-Grundsumme erhält. Aus einem P 500-Tarif mit einer Versicherungssumme von 100 000 Euro gibt es dann beispielsweise 500 000 Euro.

Bei Vollinvalidität sollten die Versicherer generell mindestens 500 000 Euro leisten. „Davon lässt sich ein Haus umbauen, eine Haushaltshilfe bezahlen und vieles mehr“, argumentieren die Tester. Der Betrag klinge zwar hoch. Doch er sei nötig, wenn jemand aus seinem Leben als Gesunder gerissen wird und für immer damit zurechtkommen muss, dass er zum Beispiel blind ist oder beide Beine verloren hat.

Frauen zahlen weniger - noch

Männer in ungefährlichen Berufen zahlen für sehr gute Angebote zwischen 236 und 333 Euro im Jahr, Frauen zwischen 221 und 306 Euro. Männer in gefährlicheren Berufen, vor allem mit körperlicher oder handwerklicher Tätigkeit, müssen zwischen 363 und 515 Euro im Jahr auf den Tisch legen. Frauen zahlen bei einigen Versicherern deutlich weniger als Männer. Das könnte sich ab Ende 2012 ändern. Dann müssen die Versicherer Unisextarife anbieten, die voraussichtlich für Frauen teurer werden. Für sie könnte es also sinnvoll sein, noch zu den aktuellen Konditionen einen Vertrag abzuschließen.

Bei Kindern ist auch Krankheit abgedeckt

Oft geben Versicherer Mengenrabatt, wenn Kunden gleich die ganze Familie versichern. Je nach Personenzahl sind 20 bis 30 Prozent Beitragsnachlass möglich. Dennoch ist eine Unfallversicherung für Kinder und Jugendliche nicht die erste Wahl, schreibt Finanztest. Behinderungen sind bei ihnen noch seltener als bei Erwachsenen auf einen Unfall zurückzuführen. Für sie ist eine Kinderinvaliditätsversicherung besser geeignet, weil sie sowohl bei Krankheiten als auch nach Unfällen greift.

Beim Abschluss die Wahrheit sagen

Wichtig für den Kunden ist zudem eine faire Chance, im Ernstfall überhaupt an die vereinbarten Leistungen zu kommen. Ob und in welcher Höhe er diese bekommt, hängt vor allem von der Verbraucherfreundlichkeit der Versicherungsbedingungen ab (siehe Kasten). Ist jemand bereits schwerbehindert oder pflegebedürftig, kann er keine Unfallversicherung mehr abschließen. Kleinere Vorerkrankungen sind normalerweise aber kein Problem. Es kann aber passieren, dass ein Versicherer einen Kunden ablehnt, zum Beispiel weil dieser bereits einen Bandscheibenschaden hatte.

Doch es hat keinen Sinn, so etwas zu verschweigen, warnt Finanztest. Lässt jemand bei den Fragen nach dem Gesundheitszustand oder nach Verletzungen oder Erkrankungen in der Vergangenheit etwas weg, kann der Versicherer später unter Umständen vom Vertrag zurücktreten. Dann gibt es im Falle einer Invalidität kein Geld, und die bis dahin gezahlten Beiträge sind auch weg.

Wer seine Versicherung wechseln möchte, kann mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahrs kündigen. Wann das ist, steht im Vertrag.

mm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bericht: Catering-Tochter der Lufthansa streicht rund 2000 Jobs
Frankfurt/Main - Bei der Catering-Tochter der Lufthansa fallen einem Zeitungsbericht zufolge in den kommenden Jahren rund 2000 Jobs weg.
Bericht: Catering-Tochter der Lufthansa streicht rund 2000 Jobs
Schwache Autowerte und Brexit-Sorgen belasten Dax
Frankfurt/Main (dpa) - Brexit-Sorgen und Strafzoll-Drohungen von Donald Trump gegen deutsche Autobauer haben am Montag die Dax-Anleger verunsichert. An den Verlusten …
Schwache Autowerte und Brexit-Sorgen belasten Dax
Was Trumps Warnung für deutsche Autobauer bedeutet
Berlin/München - Kurz vor seinem Amtsantritt hat Donald Trump die deutschen Autobauer abgewatscht, namentlich BMW. Doch was bedeutet das für die Hersteller konkret?
Was Trumps Warnung für deutsche Autobauer bedeutet
Stillstand bei Tarifrunde für Geldboten
Hannover (dpa) - Bei den Tarifverhandlungen für die rund 11 000 Beschäftigten der Geld- und Werttransportbranche sind sich beide Seiten noch nicht näher gekommen.
Stillstand bei Tarifrunde für Geldboten

Kommentare