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Bekannte deutsche Wirtschaftsexperten: Hans-Werner Sinn (links) und Klaus Zimmermann.

Unfehlbare Wirtschaftsexperten? Denkste!

Hamburg - Auch sogenannte „Wirtschaftsexperten“ liegen mit ihren Prognosen desöfteren daneben. Ein Buch zeigt, wie sich die bekanntesten deutschen Ökonomen bei der Finanzkrise geirrt haben.

Wenn Experten wie Hans-Werner Sinn das Wort ergreifen, kann er sich einer breiten Aufmerksamkeit sicher sein. “Vielen Firmen wird im kommenden Jahr die Luft ausgehen, sie werden Personal abbauen müssen“, prophezeite der Präsident des Münchner ifo Instituts kürzlich und sagte 4,1 Millionen Arbeitslose im Durchschnitt voraus. Besonders zum Jahreswechsel haben sorgen- oder auch hoffnungsvolle Blicke in die Glaskugel der Ökonomen wieder Hochkonjunktur.

Weder Sinn noch der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup, noch Bundesbankpräsident Axel Weber hätten die Finanzkrise vorausgesehen, lästert Lisa Nienhaus in ihrem kürzlich erschienenen Buch “Die Blindgänger - Warum die Ökonomen auch künftige Krisen nicht erkennen werden“.

Die Wirtschaftsjournalistin erhebt die Frage, ob es sich ohne die Ansagen der Star-Ökonomen nicht unbeschwerter lebte. “Ihre Prognosen scheinen eher kurzfristige Zustandsbeschreibungen zu sein als verlässliche Zukunftsszenarien. Als wüssten sie selbst nicht mehr, was sie da vorhersehen.“

Der Chef vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hatte sogar einmal vorgeschlagen, eine Zeitlang auf Prognosen zu verzichten.

Anschaulich stellt Nienhaus bisherige Prognosen der tatsächlichen Entwicklung gegenüber und erkennt sechs Verhaltenstypen von Ökonomen: den Astrologen (Bankenvolkswirte, auch teilweise der Sachverständigenrat), den Historiker (zieht seine Erkenntnisse vor allem aus der Geschichte), den Philosophen (wendet sich eher grundlegenden Fragen zu), den Psychologen (untersucht vor allem menschliche Verhaltensweisen) und den Physiker (sucht nach Naturgesetzen in der Wirtschaft und erstellt mathematische Modelle). Derzeit gefragt sei vor allem der Arzt unter den Experten, da er Rezepte gegen die Krise anbietet.

Auch zum Ende des Jahres werden die Experten die Auskunft kaum verweigern. Ob die Konjunkturforscher aus ihrer ganz persönlichen Krise der Fehleinschätzungen gelernt haben? Nienhaus spottet: “Prognosen sind halt schwierig. Besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

(Campus Verlag, Frankfurt/Main, 158 S., Euro 18,90, ISBN 978-3-593- 39079-6)

Karolin Köcher

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