Ungebremste Kritik an Deutscher Bank

- Frankfurt - Die Welle der Empörung über den geplanten Stellenabbau trotz Milliardengewinns bei der Deutschen Bank ebbt nicht ab. Nach Politikern und Gewerkschaften äußerten am Wochenende selbst Wirtschaftsvertreter Kritik. So forderte Industrie-Präsident Jürgen Thumann mehr soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Der DGB sprach von einem verheerenden Signal. Die IG Metall nannte die Pläne "unerträglich und verantwortungslos", die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis bezeichnete sie als "unfassbar".

<P>Thumann, neuer Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), sagte dem "Handelsblatt": "Wir können als Unternehmen nicht immer nur über maximale Eigenkapitalverzinsung reden und uns am Ende noch mit Extra-Boni belohnen lassen, wenn wir möglichst viele Menschen entlassen." Der Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs, Thomas Straubhaar, kritisierte in der "Augsburger Allgemeinen" und der "Berliner Zeitung": "Eine solche Strategie der kurzfristigen Gewinnmaximierung ist auf Dauer gesehen weit weniger erfolgreich als eine langfristig angelegte Strategie, die auf stetiges Gewinnwachstum setzt und die Mitarbeiter am Erfolg teilhaben lässt."<BR><BR>Auch Aktionärsschützer zeigten sich empört. "Es ist eine außerordentlich unbefriedigende Situation, dass dem Management nichts Weiteres einfällt, als auf die Kostenbremse zu treten", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.<BR><BR>Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Rainer Wend, betonte, er sehe zwar sehr wohl, dass die Deutsche Bank sich in einem internationalen Wettbewerb befinde. "Irgendwann muss aber auch in unserer Gesellschaft die Frage erlaubt sein, ob jegliche soziale Verantwortung hinter einer kurzfristigen Gewinnmaximierung zurückstehen muss", sagte er der "Netzeitung".<BR><BR>Dagegen verteidigte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, das Verhalten der Deutschen Bank: "Die Firmen müssen ihren Gewinn maximieren, wenn sie die Beschäftigung am Heimat-Standort halten wollen." Sonst wanderten noch mehr Jobs ins Ausland ab.</P>

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