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Ungelernte: 25 Jahre ohne realen Gehaltszuwachs

München - Die Reallöhne von gering Qualifizierten gehen seit über 20 Jahren zurück. Das ergaben Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Doch auch eine Lehre schützt nicht vor sozialem Abstieg.

Treffender kann man Perspektivlosigkeit kaum ausdrücken: An Arbeitnehmern, die weder eine höhere Schulbildung noch eine duale Ausbildung vorweisen können, ist das Wirtschaftswachstum des vergangenen Vierteljahrhunderts völlig vorbeigegangen. Das Einkommen dieser Gruppe ist zwischen 1984 und 2008 zwar nominal angestiegen, doch den kompletten Zuwachs hat allein die Inflation aufgezehrt. Das ergaben Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Noch dramatischer sieht es aus, wenn man nur den Zeitraum seit dem Fall des Eisernen Vorhangs betrachtet. Denn bis 1990 waren die Real-Einkommen gering Qualifizierter noch um ein Achtel angestiegen. Bis heute ging der gesamte Zuwachs wieder verloren.

Wer nun hofft, mit einer Ausbildung dem sozialen Abstieg entgehen zu können, wird am Ende wohl auch enttäuscht. Das Wachstum bis 1990 verlief bei den Gelernten sogar langsamer als bei den Ungelernten. Dann folgte eine Phase mit geringen Rückgängen bis etwas 2002. Seither ging es auch für Facharbeiter und Gesellen spürbar abwärts. Ihnen geht es heute gerade so gut wie 1986. Deutlich besser hat es, wer den Berufsbildungsabschluss noch mit etwa einem Meisterbrief krönte. Er hat heute 18 Prozent mehr zur Verfügung als vor einem Vierteljahrhundert. Doch auch in dieser Gruppe gingen die Reallöhne seit 2002 bereits wieder um rund vier Prozent zurück.

Deutlich weniger sackten dagegen die Arbeitnehmer ab, die auf das Abitur eine klassische Berufsausbildung folgen ließen. Sie haben auch seit 2003 lediglich um rund drei Prozent Federn lassen müssen. Seit 1984 hat ihr Gehalt real um rund 17 Prozent zugenommen.

Besser noch ging es lediglich den Beschäftigten, die nach dem Abitur ohne weitere Ausbildung in den Beruf wechselten oder sich nach einem abgebrochenen Studium auf Jobsuche machten. Sie legten um 126 Prozent zu und zogen beim absoluten Gehalt in den letzten 25 Jahren fast mit Kollegen gleich, die aufs Abi eine Lehre folgen ließen.

Ein Hochschulstudiumsorgt immer noch am ehesten für einen hohen Lebensstandard. Ein Universitätsabschluss sorgt – statistisch betrachtet – für ein Monatsgehalt von knapp unter 7000 Euro, ein Fachhochschuldiplom für knapp unter 6000 Euro. Das ist in beiden Fällen nominal ungefähr das Doppelte des Einkommens von 1984. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen hat aber sogar noch leicht zugenommen. Genau betrachtet ist auch ihre Lage nicht immer nur besser geworden. Auf einen steilen Anstieg ihrer Gehälter zwischen 1996 und 2002 folgte eine Phase der Stagnation.

Die günstigste Entwicklung aller Gruppen verzeichneten Abiturienten ohne weitere Ausbildung. Ihr Durchschnittsgehalt stieg seit 1984 um 26 Prozent. Doch selbst das blieb deutlich hinter der Entwicklung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts pro Kopf zurück, das im gleichen Zeitraum immerhin um mehr als 60 Prozent zulegte.

„Deutschland gilt heute als eines der OECD-Länder mit dem höchsten Anstieg der Lohnungleichheit“, stellt IAB-Direktor Joachim Müller in der Zeitschrift IAB-Forum fest. Dabei hat die Studie lediglich die Verdienste 40-jähriger vollzeitbeschäftigter Männer in Westdeutschland verglichen, weil die Gehälter anderer Gruppen laut IAB schwerer vergleichbar sind oder ältere Daten nicht vorliegen. Gesamtdeutsche Daten ergänzt um Teilzeitbeschäftigte und Frauen dürften das Auseinanderdriften wohl noch deutlicher dokumentieren.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa

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