"Ungerechtfertigte Erhöhung": Proteste gegen Stromkonzerne

- München/Hamburg/Düsseldorf - Ein Blick auf die Energiekosten bereitet den Konsumenten in Deutschland derzeit Magenschmerzen: Die Benzinpreise auf Rekordniveau, die Gaspreise stiegen in 14 Monaten um 20 Prozent - jetzt droht die nächste Strompreiswelle. Weil die Energielieferanten Milliardengewinne einfahren, regt sich Widerstand

Vier Großkonzerne liefern etwa 80 Prozent des Stroms in Deutschland an Endverbraucher und überregionale Versorger wie Stadtwerke. Während die beiden kleineren, Vattenfall und EnBW, ihre Entgelte vorerst belassen wollen, haben die Marktführer Eon und RWE zum 1. Januar 2006 bei den zuständigen Landesministerien höhere Tarife beantragt. Um bis sechs Prozent sollen die Preise steigen, was unter anderem mit der steigenden Energienachfrage in Indien und China, Belastungen durch eingespeisten Ökostrom oder gestiegenen Bezugspreisen begründet wird.

Verbraucherschützer weisen diese Argumente allerdings zurück. "Ich habe den Eindruck, dass die Energiekonzerne das gegenwärtige politische Vakuum ausnutzen", sagte der Sprecher der Verbraucherzentrale Bundesverband, Karel Mohn. Deshalb sollten die Verhandlungspartner der Koalitionsgespräche die Energiepreise schon jetzt zum Thema machen. Mohn weiter: "Es gibt keine andere Branche, die so überdurchschnittliche Gewinne so kontinuierlich einfährt." RWE erwirtschaftete 2004 ein Plus von über zwei Milliarden Euro; Eon erzielte im selben Zeitraum sogar einen Überschuss von mehr als vier Milliarden Euro. Dabei deutete sich nach den ersten sechs Monaten dieses Jahres an, dass die Konzerne ihre Gewinne noch einmal steigern werden.

Der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BBE), Milan Nitzschke, äußerte sich deswegen ähnlich wie Mohn: "Die Konzerne wollen offensichtlich von ihren satten Unternehmensgewinnen ablenken", sagte er. "Derartige Tariferhöhungen dürfen nicht genehmigt werden." Bereits 2003 und 2004 hätten die Stromversorger von den Verbrauchern zu viel für den Stromanteil aus erneuerbaren Energien kassiert. "Diese ungerechtfertigten Erträge in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro gehören den Verbrauchern, sind aber bisher nicht zurückbezahlt oder verrechnet worden", sagte Nitzschke. Erneuerbare Energien seien nicht verantwortlich für steigende Energiepreise.

Auch die gestiegenen Preise an der Leipziger Strombörse, wie von den Konzernen angegeben, sind es nicht - behauptet zumindest der Bund der Energieverbraucher. Der Vorsitzende der Organisation, Aribert Peters, sagte, dies werde nicht als Begründung akzeptiert. Die Konzerne kauften an dieser Börse keinen Strom, sondern verkauften ihn. Schon die vergangenen Preiserhöhungen seien vor dem Hintergrund der Gewinne der Konzerne nicht gerechtfertigt gewesen, so Peters. In einem offenen Brief forderte er RWE und Eon auf, die geplante Anhebung der Tarife zu begründen. "Dies werden sich die Verbraucher sonst nicht länger gefallen lassen."

In Bayern sind von den geplanten Preiserhöhungen hunderttausende Menschen betroffen. Die meisten sind Kunden von Eon, das vor allem in ländlichen Regionen stark vertreten ist. Rund 1,7 Millionen Haushalte beziehen Strom nach dem so genannten allgemeinen Tarif, wie ein Sprecher sagte. RWE ist in Bayern hingegen kaum vertreten. Lediglich die Kunden der Tochterfirma Lechwerke in Augsburg sind betroffen.

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