Unicredit und Capitalia fusionieren: Profumo schmiedet Bankenriesen

- Unicredit-Chef Alessandro Profumo sorgt einmal mehr für Aufsehen. Nach dem Zusammenschluss mit der Münchner HypoVereinsbank (HVB) vor zwei Jahren, fusioniert der Finanzmanager sein Institut nun mit dem italienischen Wettbewerber Capitalia. Damit entsteht ein neuer Bankenriese in Europa.

München/Rom - Durch den Erwerb der HVB schaffte die Unicredit unter Profumos Führung bereits im Juni 2005 den Sprung in die Top-Ten der europäischen Kreditinstitute. Mit dem Einstieg bei der deutlich kleineren römischen Capitalia klettert der Konzern in der Rangliste nun noch weiter nach oben: Die neue Großbank aus Italien wird künftig mit einem Börsenwert von derzeit ca. 100 Milliarden Euro und 40 Millionen Kunden Platz zwei belegen - hinter der britischen HSBC, aber noch vor der Schweizer UBS und auch vor der im internationalen Vergleich kleinen Deutschen Bank (62 Mrd. Euro). Weltweit stehen Unicredit und Capitalia gemeinsam auf dem sechsten Platz.

Am Sonntag hatten sich die Vertreter der Verwaltungsräte von Unicredit und Capitalia in Mailand getroffen, um über die Modalitäten der Fusion zu entscheiden. Die Sitzung dauerte bis zum Abend an. In gut informierten Kreisen hieß es jedoch, dass an dem Handel kein Zweifel mehr besteht. So hatte die Capitalia zuvor bereits mitgeteilt, dass die Hauptanteilseigner dem Zusammenschluss bereits zugestimmt haben. Später meldete auch die Nachrichtenagentur "Ansa" Vollzug.

Schon in den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Spekulationen über eine Hochzeit der beiden Banken gegeben. Italienische Medien hatten bereits zum Wochenende berichtet, dass der Banken-Handel unter Dach und Fach ist. An diesem Tag waren auch die Aktien beider Institute vom Handel ausgesetzt worden. Zudem besuchte Profumo mit Capitalia-Chef Cesare Geronzi den Chef der Notenbank in Rom.

Wie bekannt wurde, soll der neu entstehende Finanzgiganten den Namen "Unicredit" weiterführen. Der bisherige Unicredit-Vorstandschef Allessandro Profumo wird seinen Posten behalten; er steigt damit zu einem der einflussreichsten Bankmanager der Welt auf. Offenbar wird auch der ehemalige HVB-Vorstandschef Dieter Rampl weiterhin Präsident der Unicredit bleiben. Dieses Amt entspricht in etwa dem des deutschen Aufsichtsratschefs. Dagegen muss sich der umstrittene Cesare Geronzi vermutlich mit einem Stellvertreter-Posten zufriedengeben, wie es hieß. Der Capitalia-Vorstand Matteo Arpe wird das Unternehmen verlassen.

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi begrüßte den Zusammenschluss: "Die Bankenfusionen und die Stärkung der italienischen Ins titutionen sind positiv für das Land."

Die Fusion soll durch einen Aktienaustausch realisiert werden. Nach Informationen der Agentur "Reuters" bietet Unicredit 1,12 eigene Aktien für einen Anteilsschein der Capitalia. Gemessen am aktuellen Aktienkurs würde Capitalia damit mit 20 Milliarden Euro bewertet. Der Börsenwert der Unicredit liegt bei 80 Milliarden Euro. Experten beziffern die Synergieeffekte durch die Übernahme auf 700 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro. Die Verschmelzung des operativen Geschäfts soll bis Oktober erfolgen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax schließt nach EZB-Entscheid mit Verlusten
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax ist am Donnerstag nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) mit leichten Verlusten aus dem Handel gegangen. Der deutsche …
Dax schließt nach EZB-Entscheid mit Verlusten
Airbus-Verwaltungsratschef für Wechsel in der Führungsetage
Korruptionsverdacht und Personalspekulationen: Seit Monaten rumort es beim europäischen Luftfahrtriesen Airbus. Nun wird auch ganz offen über mögliche Management-Wechsel …
Airbus-Verwaltungsratschef für Wechsel in der Führungsetage
IG Metall kündigt Warnstreiks auch im Südwesten an
Ludwigsburg (dpa) - Der Metall- und Elektroindustrie stehen in der laufenden Tarifrunde auch in Baden-Württemberg ab dem 8. Januar die ersten Warnstreiks bevor.
IG Metall kündigt Warnstreiks auch im Südwesten an
Ratiopharm-Mutterkonzern Teva streicht 14 000 Stellen
Das Unternehmen Teva war bisher Israels ganzer Stolz: Symbol für israelischen Erfinder- und Unternehmergeist. Doch jetzt kündigt die Ratiopharm-Mutter weltweite …
Ratiopharm-Mutterkonzern Teva streicht 14 000 Stellen

Kommentare