Unicredit: HVB-Aktionäre fremdeln noch

- München - Die HypoVereinsbank gibt sich mit neuer Mutter im Rücken angriffslustig. Auf der ersten Hauptversammlung nach der Übernahme durch die Unicredit kündigte HVB-Chef Wolfgang Sprißler an, künftig auch durch Zukäufe wachsen zu wollen. Die verbliebenen Kleinaktionäre haben sich derweil noch nicht an die italienische Vormacht gewöhnt.

Exakt 93,93 Prozent: So groß ist der Anteil, den die Unicredit mittlerweile an der HVB hält. Die restlichen Aktien verteilen sich auf Kleinanleger, die ihre Papiere nicht umgetauscht haben. Etwa 500 von ihnen folgten am Dienstag der Einladung zum Aktionärstreffen bei der Münchner Messe - und zeigten sich von den Hausherren aus Südeuropa mitunter befremdet: "Dass denn gleich der ganze Aufsichtsrat mit Italienern besetzt werden muss", monierte ein grauhaariger Herr.

Die acht neuen Mitglieder des Kontrollgremiums verfolgten die Versammlung vorne auf der Bühne mit Kopfhörern für den Dolmetscher. Ihre deutschen Vorgänger - darunter auch Ex-Vorstand Albrecht Schmidt - hatten Ende vergangenen Jahres ihren Hut nehmen müssen.

Anteilseigner, die sich gegen das Zusammengehen von HVB und Unicredit zur fünfgrößten europäischen Bank aussprachen, meldeten sich bei der Hauptsversammlung dennoch kaum zu Wort. "Diese Fusion macht Sinn", sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Zumal auch die Geschäftszahlen gut seien (siehe Kasten). Kritisiert wurden allerdings die Querelen im Zuge der Verschmelzung der beiden Banken. So stellte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fest: "Die HVB hat sich zuletzt mehr mit sich selber beschäftigt als mit den Kunden." Damit spielte er unter anderem auf den Exodus von Topmanagern an; vier von sieben Vorständen hatten die Bank im Zuge der Fusion verlassen.

HVB-Chef Wolfgang Sprißler räumte ein, dass bei der Integration der beiden Unternehmen nicht alles glatt gelaufen ist. "Wir sind dabei, zwei europaweit agierende Konzerne zu verzahnen", betonte der Nachfolger von Dieter Rampl. Dabei müssten auch kulturelle Unterschiede hinsichtlich Mentalität, Führungskultur und dem generellen Herangehen an Dinge überwunden werden. Sprißler: "Wir kommen uns aber jeden Tag näher."

Er unterstrich, dass die HVB im neuen Bankenriesen nicht nur den Juniorpartner spielt. "Das Geschäft wird nicht aus Italien geführt", sagte der HVB-Chef. Ähnlich äußerte sich der Unicredit-Vorstandsvorsitzende Alessandro Profumo, der sich zu Beginn der Hauptversammlung in einer Ansprache auf Deutsch an die Aktionäre wandte. "Deutschland ist einer unserer Kernmärkte", erklärte der Konzernchef.

Um dort weitere Anteile zu gewinnen, will Sprißler weiter wachsen und schließt dabei auch Zukäufe nicht aus. "Neben dem Fokus auf organisches Wachstum setzen wir auch - wo sich entsprechende Möglichkeiten ergeben - auf Übernahmen", sagte er. Im Bieterkampf um die Berliner Bank ist die HVB aber offensichtlich ausgeschieden, wie am Rande der Hauptversammlung bekannt wurde. Gerüchten zufolge gibt es aber an einem Rückkauf der Norisbank Interesse.

Unklar ist noch, ob es jemals wieder eine Hauptversammlung der HVB geben wird. Sollte Unicredit seinen Anteil auf über 95 Prozent erhöhen, könnten die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen gedrängt werden. Derzeit gebe es aber keine entsprechenden Pläne, hieß es. Alessandro Profumo bat die Aktionäre vielmehr um Geduld: "Ich werde weiter Deutsch lernen."

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