Unicredit nimmt selbstgesteckte Hürde bei der HVB locker

- München - Der Hüne Alessandro Profumo hat die Hürde locker übersprungen: Über 80 Prozent des Grundkapitals sowie der Stimmrechte der HypoVereinsbank (HVB) sind jetzt in Händen der Mailänder Großbank Unicredit, deren Chef Profumo ist. Das geht aus einer Finanzanzeige hervor. "Wir freuen uns, dass es so ist, ein schöner Erfolg. Das zeigt, dass die Übernahmegeschichte gut angekommen ist bei den Eigentümern", erklärte HVB-Sprecher Martin Roth.

Schon 65 Prozent hätten Unicredit für die mit einem Volumen von über 16 Milliarden Euro bislang größte europäische Bankenfusion gereicht. Die Übernahmeofferte lief gestern um Mitternacht ab. In Finanzkreisen wird erwartet, dass das genaue Ergebnis, das frühestens morgen vorliegen soll, in Richtung 85 Prozent strebt. Die diversen Störmanöver aus Kreisen des Aufsichtsrates der HypoVereinsbank haben die Aktionäre offenbar nicht vom Tausch abhalten können. Allen voran der Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt hatte Stimmung gegen die Übernahme gemacht.

Der Gesamtbetriebsrat der Bank hatte gegen die Aktionen aus dem Aufsichtsrat protestiert. Betriebsratschef Peter König zeigte sich denn auch erleichtert darüber, dass die "Gräuelmärchen um eine Zerschlagung der Bank" nicht gefruchtet hätten. Dass es freilich eine so satte Quote für die Italiener ist, freut König eher mäßig. "Wir wollten ja, dass die 65 Prozent erreicht werden", sagte er, "aber die hätten auch gereicht." Andererseits sei aber von Anfang an klar gewesen, dass die Italiener das Sagen haben würden. Im Vorfeld waren aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter Befürchtungen laut geworden, die Unicredit könnte zu viel Macht über die Bayern gewinnen.

König betonte jedoch erneut, die italienische Variante sei von allen zur Verfügung stehenden "die günstigste, das heißt, die am wenigsten schädliche". Bei der Fusion mit einem einheimischen Konkurrenten hätten wohl weit mehr Stellen geopfert werden müssen als die 1800, die jetzt übernahmebedingt wegfallen. Das sah man beispielsweise im bayerischen Wirtschaftsministerium durchaus anders. Minister Otto Wiesheu hatte sich im Vorfeld - in Sorge um den Finanzplatz München - für eine bayerische Lösung für die HypoVereinsbank eingesetzt, wobei deren mögliche Umsetzung jedoch unklar blieb. Gestern forderte die bayerische Staatsregierung, die HVB müsse als eigenständige AG auf Dauer gesichert bleiben. Unicredit hatte für das Deutschlandgeschäft eine Bestandsgarantie von fünf Jahren gegeben.

Klar ist, dass von München aus nicht nur das Deutschlandgeschäft gelenkt wird, sondern hier auch das Konzern-Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking angesiedelt sein werden. Unklar sind indes wichtige Personalien. So zum Beispiel, wer die Nachfolge von Dieter Rampl als HVB-Chef antritt, wenn dieser in den Verwaltungsrat der Unicredit wechselt. Laut Rampl sollen voraussichtlich bis Mitte Dezember der neue Vorstand der HVB-AG und der - dann von den italienischen Eignern dominierte - Aufsichtsrat feststehen. Albrecht Schmidt, so viel steht fest, wird diesem Gremium nicht mehr angehören.

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