Unicredit will in Deutschland wachsen

- München - Nach der Übernahme der Münchner HypoVereinsbank (HVB) will die italienische Großbank Unicredit ihre Deutschland-Position auch im Firmenkundengeschäft weiter ausbauen. Im laufenden Jahr sollen hierzulande allein 28 000 mittelständische Unternehmen als Neukunden gewonnen werden, wie die HVB mitteilte. Der Vorstand der Firmensparte, Johann Berger, sagte unserer Zeitung: "Die Gruppe wird am Markt selbstbewusst auf Wachstum schalten."

Die Tochter HVB soll vor allem in Regionen Unternehmen ansprechen, in denen sie bislang kaum vertreten ist. Nach Worten von Vorstandsmitglied Berger stehen "mit dem Rückenwind der Italiener" vor allem Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen im Visier. "Hier gibt es enorme Potentiale für uns", sagte der 46-Jährige. Dabei will die Bank durch guten Service und kompetente Berater anderen Instituten Kunden abnehmen. Bislang sitzen die 400 000 HVB-Firmenkunden vor allem in Bayern und Norddeutschland.

Mit dem geplanten Wachstum will die HVB 2006 auch die Erträge in der Geschäfts- und Firmenkundensparte steigern. "Wir haben sehr ambitionierte Ziele", sagte Johann Berger, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Die Einnahmen will er unter anderem steigern, indem er den Firmen mehr Mezzanine-Kapital zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich um eine Zwischenform aus Eigen- und Fremdkapital-Finanzierung, die zuletzt massiv an Bedeutung gewonnen hat.

Mehr Gewinn soll auch der Handel mit Derivaten bringen. Mit solchen Termingeschäften können sich die Unternehmen gegen steigende Rohstoffpreise, Zins- oder Währungsrisiken absichern. Nach einem deutlichen Ertragsplus im letzten Jahr rechnet die HVB auch heuer in diesem Bereich mit einer deutlich steigenden Nachfrage. "Die Märkte sind weiter in Bewegung", sagte Johann Berger auf Nachfrage.

Die Absicht von Unicredit, im Firmenkundengeschäft zu wachsen, gilt als Bekenntnis der Banken-Gruppe zum Standort Deutschland. Zuletzt hatten führende Manager des Finanzkonzerns bereits angekündigt, dass auch der Privatkunden-Bereich der Tochter HVB durch eventuelle Zukäufe gestärkt werden könnte. So hat Unicredit kürzlich ein Kaufangebot für die Berliner Bank abgegeben.

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