UniCredito will HypoVereinsbank schlucken

- München - Die italienische Großbank UniCredito will mit einer milliardenschweren Übernahme die deutsche HypoVereinsbank schlucken. Beide Banken seien "im Gespräch über eine mögliche Zusammenführung ihrer Unternehmen", teilte die HypoVereinsbank am Montag nach wochenlangen Spekulationen in München mit. Nach Angaben aus Branchenkreisen geht es dabei allein um eine Übernahme der HVB durch die Italiener.

Wenn die Verhandlungen nicht noch platzen, würde es sich um die bislang größte Bankenfusion in Kontinentaleuropa handeln. Die HVB ist die zweitgrößte börsennotierte Bank in Deutschland.<BR><BR>Die HVB betonte, bisher sei noch keine Vereinbarung mit UniCredito Italiano erzielt worden. Der Ausgang der Gespräche sei offen. "Die Parteien beabsichtigen nicht, weitere Stellungnahmen dazu abzugeben." Die Münchener Rück, mit gut 18 Prozent einziger echter HVB-Großaktionär, signalisierte grünes Licht. "Wir haben schon seit zwei, drei Jahren gesagt, wenn es vernünftige Konsolidierungsbestrebungen gibt, stehen wir denen nicht im Weg", sagte ein Sprecher. Diese Aussage gelte nach wie vor.<BR><BR>Arbeitnehmervertreter kündigten an, sich in Verhandlungen mit dem UniCredito-Management für einen Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen. "Uns wäre es lieber gewesen, die HypoVereinsbank bleibt eigenständig", sagte HVB-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft ver.di der dpa. UniCredito müsse sich bei einer Übernahme der HVB an niedrigere Margen in Deutschland gewöhnen. Im Inland seien in den vergangenen Jahren bereits tausende von Arbeitsplätzen gestrichen worden. Hier könne die Kostenschraube nicht einfach weiter gedreht werden. "Wir sind bereits am Anschlag."<BR><BR>Die EU-Kommission zeigte sich generell offen für eine Übernahme der HVB durch UniCredito. Die EU-Behörde habe mehrfach erklärt, es gebe noch ausreichend Raum für die Konsolidierung der Branche auf europäischem Niveau, hieß es in Brüssel. Eine wettbewerbsrechtliche Anmeldung des Vorhabens liege bisher nicht vor.<BR><BR>Die Börse reagierte am Montag mit einem Anstieg der HVB-Aktie um zwischenzeitlich ein Prozent auf 20,40 Euro auf die Übernahmeverhandlungen. Der Kurs war in den vergangenen Wochen bereits stark gestiegen. Auch der Commerzbank-Aktienkurs wurde von neuen Übernahmespekulationen beflügelt.<BR><BR>HVB-Chef Dieter Rampl hatte bereits vor einigen Wochen angedeutet, dass eine Allianz mit einer italienischen Bank strategisch sinnvoll sei und sich die HVB dabei wohl mit der Rolle des Juniorpartners begnügen würde. Die österreichische Zeitung "Presse" zitierte einen nicht genannten UniCredito-Spitzenmanager mit den Worten: "Wir wollen die Mehrheit." UniCredito wird an der Börse mit rund 26 Milliarden Euro bewertet, die HVB nur mit etwa 15 Milliarden Euro.<BR><BR>UniCredito war im vergangenen Jahr die profitabelste Bank Italiens. Der Gewinn stieg um neun Prozent auf 2,13 Milliarden Euro. Die HypoVereinsbank machte dagegen erneut einen Milliardenverlust. Allerdings hat die Bank nach eigener Einschätzung ihre Bilanz inzwischen von Altlasten wie zum Beispiel faulen Immobilienkrediten bereinigt. Damit ist sie deutlich attraktiver geworden für ausländische Interessenten.<BR><BR>Bei einer möglichen Übernahme der HypoVereinsbank dürfte die UniCredito vor allem auf das starke Osteuropageschäft der HypoVereinsbank schielen, das bei der Bank Austria gebündelt ist. Auch UniCredito ist in Osteuropa stark vertreten. Durch einen Zusammenschluss der Aktivitäten würde ein ausländischer Marktführer in Osteuropa entstehen.<BR><BR>Nach Ansicht des Bankenexperten Wolfgang Gerke könnte eine Fusion von HVB und UniCredito ein Signal für eine weitere Bereinigung der Bankenlandschaft in Deutschland sein. Der deutsche Markt sei für internationale Großbanken weiterhin attraktiv. Die HypoVereinsbank sei durch Managementfehler zum Aufkaufkandidaten geworden, sagte der Professor für Banken- und Börsenwesen an der Universität ErlangenNürnberg der dpa. Für die HVB-Beschäftigten könnte der Zusammenschluss sogar Vorteile bringen. "Da es keine Doppelbesetzungen gibt, wird zunächst wohl weniger Personal abgebaut, als es bei einer Fusion von zwei deutschen Großbanken der Fall wäre."

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