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"Union hat Riesenbock geschossen"

- In der Wahlnacht sprach Reinhard Dörfler noch von einem "Fiasko". Mittlerweile sieht der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern den Ausgang der Bundestagswahl gelassener. Unsere Zeitung sprach mit ihm über die Stimmung in der Wirtschaft, Wahlkampfpannen und die Lehrstellenlücke.

Herr Dörfler, das Ausbildungsjahr hat gerade begonnen. Die Bundesagentur für Arbeit warnte in den letzten Monaten jedoch vor einer riesigen Lehrstellenlücke. Stehen jetzt viele Jugendliche auf der Straße?

Reinhard Dörfler: Die Horrorzahlen von der BA stimmen nicht. Immer mehr Firmen - derzeit etwa 30 Prozent - melden ihre Ausbildungsstellen gar nicht. Diese Plätze erscheinen also nicht in der Statistik. Gleichzeitig tragen sich viele junge Menschen bei den Arbeitsagenturen als suchend ein und geben dann nicht Bescheid, wenn sie einen Betrieb gefunden haben.

Es gibt also keine Lücke und der Ausbildungspakt zwischen Wirtschaft und Bundesregierung wirkt?

Reinhard Dörfler: Der hat sich bewährt. Wir haben letztes Jahr unsere Verpflichtung, 30 000 zusätzliche Lehrstellen anzubieten, sogar überschritten. Das werden wir auch dieses Jahr schaffen. Sogar in Bayern, wo derzeit die Schülerzahlen noch wachsen. Ausnahme ist leider der Nordosten des Freistaats, wo einfach die Betriebe fehlen. Die Jugendlichen dort dürfen sich nicht auf ihren Wunschberuf versteifen oder sie müssen umziehen.

Was wird aus den über 300 000 Jugendlichen, die in berufsvorbereitenden Maßnahmen wie Praktika herumwerkeln, weil sie keine Lehrstelle gefunden haben?

Reinhard Dörfler: Das ist ein Problem. Denn von ihnen gehören viele zu den zwanzig Prozent der jungen Leute, die nicht ausbildungsfähig sind. Sie sind nicht sehr leistungswillig und haben eklatante Schwächen in den Grundrechenarten. Diese Mängel müssen wir beheben, denn fast die Hälfte der heutigen Langzeitarbeitslosen hat keine Ausbildung.

Was tun Sie?

Reinhard Dörfler: Wir versuchen etwa die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben zu verbessern. Aber auch die Eltern sind gefordert, denn Bildung und Erziehung beginnen daheim. Es gibt allerdings viele Eltern, die diese Aufgaben auf Staat und Unternehmen abwälzen.

In einigen Tagen veröffentlicht die IHK Ergebnisse einer Konjunkturumfrage. Wie ist die Stimmung?

Reinhard Dörfler: Die Unternehmen schätzen ihre Situation etwas besser ein. Die Geschäftserwartungen sind jedoch zum Teil deutlich nach unten gegangen. Offenbar rechnen die Firmen nicht damit, dass es in Deutschland nach der Wahl einen klaren Reformkurs geben wird.

Sie selbst sagten unserer Zeitung, das Wahlergebnis sei "ein Fiasko für die Wirtschaft".

Reinhard Dörfler: Meine ersten Kommentare waren Kinder der Stunde, in der sie geboren worden sind. Damals war ja auch noch eine Zusammenarbeit der SPD mit der Linkspartei im Spiel. Aber ich bin nach wie vor skeptisch. Eine Große Koalition, die sich jetzt abzeichnet, ist eine Ehe auf Zeit. Union und SPD müssen von Anfang an darauf achten, dass sie ihr Klientel nicht verschrecken, damit sie nach vier Jahren wieder gewählt werden. Ob sich da was bewegt, ist deshalb fraglich.

Sie haben den Wahlkampf von CDU und CSU kritisiert. Stichwort: Professor aus Heidelberg.

Reinhard Dörfler: Da hat die Union einen Riesenbock geschossen. Erst hat man Kirchhof präsentiert, Angela Merkel hat ihren Coup öffentlich gefeiert. Dann hat sich die SPD gesammelt und sein Steuerkonzept attackiert. Gleichzeitig sind ihm die CDU-Ministerpräsidenten in den Rücken gefallen. Dass man Kirchhofs Idee nicht besser kommunikativ begleitet hat, ist ein ganz dummer Fehler gewesen.

Auch Ludwig Georg Braun, der Präsident Ihres Dachverbandes DIHK, hatte die Bürger vor der Wahl erschreckt, als er die Lohnfortzahlung bei Krankheit in Frage stellte.

Reinhard Dörfler: Dieser Vorstoß war außerordentlich unglücklich. Man darf die Menschen nicht überfordern. Das Programm der Union war hinsichtlich der Einschränkungen beim Arbeitsrecht schon ambitioniert. Da macht es keinen Sinn, immer neue Forderungen draufzusatteln.

Zusammengefasst von Florian Ernst.

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