Versicherungen stellen um

Unisex-Tarife: Das müssen Sie wissen

Berlin - Ob Mann oder Frau - das macht bei Versicherungen einen großen Unterschied. Doch damit soll bald Schluss sein. Manche Prämien werden wohl steigen.

Die Rechnung klingt einfach: Frauen werden statistisch gesehen älter als Männer, beziehen daher auch länger Leistungen aus ihrer Versicherung. Für sie macht das manche Policen teurer. Auf der anderen Seite müssen Männer wegen ihres statistisch gesehen höheren Hangs zum Risiko etwa bei der Kfz-Versicherung bislang tiefer in die Tasche greifen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat dies im März 2011 als Diskriminierung eingestuft. Ab 21. Dezember dieses Jahres dürfen sich die Tarife nicht mehr nach dem Geschlecht richten. Die Versicherungsbranche ist nicht begeistert und prophezeit höhere Prämien. Verbraucherschützer warnen vor Aktionismus.

Hintergrund der Neuregelung ist der Richterspruch vom März 2011: Damals befand der EuGH, dass die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als „Risikofaktor“ für Versicherungsbeiträge diskriminierend und deswegen ungültig sei (Rechtssache C-236/09). Die Richter hatten der Branche eine Frist für die Umstellung bis zum 21. Dezember 2012 eingeräumt.

Dass die Branche nicht begeistert ist von dem Spruch aus Luxemburg, daraus macht Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), keinen Hehl. Er sagt: „Für die Kunden wird die EuGH-Entscheidung unterm Strich vor allem Nachteile bringen, vor allem in Form von höheren Tarifen. So müssen etwa Frauen bei der Risikolebensversicherung mit einem Plus von 30 bis 40 Prozent rechnen.“ Andererseits müssen sich Männer beispielsweise bei der privaten Rentenversicherung auf höhere Prämien einstellen.

Diese Prognosen gehen aus einer Studie des Beratungsunternehmens Oxera hervor, die von der Branche bereits vor einiger Zeit in Auftrag gegeben worden war. So warnte die Versicherungswirtschaft bereits unmittelbar nach dem Urteilsspruch vor negativen Folgen für alle Beteiligten - von den Kunden bis hin zur Branche selbst. „Es ist doch ungerecht, wenn Versicherte mit einem geringeren Risiko nun mehr bezahlen müssen. Mit der Neuregelung wird je nach Versicherungsprodukt zumeist ein Geschlecht benachteiligt.“

Der GDV begründet die zu erwartende Verteuerung damit, dass künftig das Geschlecht mit dem geringeren Risiko das mit dem höheren subventionieren müsse. Zwar werde es auch Beitragssenkungen geben. Aufgrund der neuen Risikoverteilung werden viele Unternehmen aber wohl einen Sicherheitszuschlag einkalkulieren. Außerdem werden die Versicherer laut GDV durch die Umstellung auf die neuen Tarife zusätzlich belastet.

Bei den Unisex-Tarifen sieht sich die Branche aber auf gutem Weg: „Einige Unternehmen bieten bereits jetzt schon Unisex-Tarife an. Andere werden bis zum Stichtag folgen. Besonders komplex waren die zu klärenden Fragen beispielsweise in der privaten Krankenversicherung“, sagt Schwark.

Auch der Bund der Versicherten erwartet, dass es in bestimmten Fällen zu Erhöhungen kommen werde, hält die Aufregung aber für übertrieben. „Der Aufschrei der Versicherungswirtschaft nach dem Urteil ist nicht nachvollziehbar“, sagt Vorstandsmitglied Thorsten Rudnik. „Kein Verbraucher sollte seine Entscheidung für eine wichtige Versicherung davon abhängig machen, ob sie möglicherweise ein paar Euro mehr kostet.“ Eine ganz ähnliche Diskussion habe es schon bei der Einführung von Unisex-Tarifen bei der Riesterrente gegeben.

dpa

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