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Harald Strötgen sitzt dem Vorstand der Stadtsparkasse München vor. Die größte Sparkasse Bayerns hat etwa 830 000 Kunden und beschäftigt gut 2400 Mitarbeiter. Seit Anfang Oktober hat das Institut über 170 Millionen Euro an neuen Einlagen gewonnen.

Interview mit Harald Strötgen

„Unser Haus bereitet sich vor“

München – Der Chef der größten Sparkasse im Freistaat über mögliche Kapitalmaßnahmen bei der BayernLB und deren Zukunft.

Für die BayernLB brechen ereignisreiche Monate an. In Kürze wird die EU-Kommission über den Risikoschirm befinden, den die Eigentümer Freistaat und Sparkassen aufspannen müssen, um die Landesbank zu entlasten. Steht das Schutzschild nicht bis Jahresende und kommen Gespräche über eine Fusion oder über den Einstieg eines Privatinvestors zu keinem Ergebnis, benötigt die Landesbank mindestens eine Milliarde Euro frisches Kapital. Unsere Zeitung befragte dazu Harald Strötgen, den Vorstandschef der Stadtsparkasse München, die gut vier Prozent der Landesbank hält.

-Herr Strötgen, die BayernLB braucht eine Milliarde oder mehr, wenn Brüssel bis zum Jahresende nicht den Schirm durchwinkt, die Fusionspläne scheitern und kein Investor einsteigt. Zuletzt gab es Gerüchte, die Sparkassen würden sich bereits auf eine Kapitalerhöhung vorbereiten. Trifft das zu?

Unser Haus bereitet sich vor und dies dürfte auch auf andere Sparkassen zutreffen. Richtig ist dabei, dass eine Entscheidung ansteht. Der Sparkassenverband hat deshalb für den 6. November zu einer Gremiensitzung eingeladen. Es ist nicht auszuschließen, dass an diesem Tag bereits Weichen gestellt werden sollen.

-Die Stadtsparkasse hält 4,3 Prozent an der Landesbank und ist damit zweitgrößter Anteilseigner nach dem Freistaat. Sie müssten einen Löwenanteil der Last tragen. Würden Sie einer Kapitalerhöhung dennoch zustimmen?

Diese Entscheidung trifft der Eigentümer der Stadtsparkasse, also die Landeshauptstadt München. Es wäre schlechter Stil, der Entscheidung vorzugreifen. An den bisherigen Kapitalerhöhungen haben wir uns immer beteiligt.

-Bis Ende Oktober soll sich herausstellen, ob Brüssel das Schirm-Konzept beanstandet. Gebe die Kommission grünes Licht, wäre eine Kapitalerhöhung überflüssig. Was erwarten Sie?

Ich weiß nicht, wann und wie Brüssel entscheidet. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Beschluss nach all den jüngst angekündigten staatlichen Rettungsaktionen in Europa für Banken nicht so ausfallen wird, wie man das vielleicht vor ein paar Monaten erwartet hätte. Damals haben sich viele darauf eingerichtet, dass ein eventueller Risikoschirm der Sparkassen und des Freistaats zugunsten der Landesbank als unerlaubte Beihilfe verstanden wird. Doch jetzt führen alle Länder ähnliche Maßnahmen durch. Die Situation hat sich gewandelt.

-Die Bundesregierung hat ein Rettungspaket für die Banken beschlossen. Gleichzeitig sollen die Bilanzierungsregeln geändert werden, sodass derzeit unverkäufliche Wertpapiere nicht mehr so stark das Eigenkapital aufzehren. Profitiert die Landesbank von dieser Situation?

Es ist viel passiert, das ist richtig. Was das für die Landesbank bedeutet, lässt sich aber noch nicht abschließend beurteilen. Es ist aber zu vermuten, dass die neuen Bilanzierungsregeln Freiräume bieten. Ohne sie wäre der Handlungsbedarf mit Sicherheit größer. Wie und ob sich der Rettungsschirm der Bundesregierung auf die BayernLB auswirkt, kann ich zurzeit noch nicht einschätzen.

-Über die Zukunft der Landesbank wird seit Monaten diskutiert und vor allem spekuliert. Derzeit laufen Gespräche über eine Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg und über den Einstieg eines privaten Investors. Welche Variante bevorzugen Sie?

In der jetzigen Situation freuen wir uns, wenn das Thema möglichst schnell geregelt wird, ohne dass große Belastungen auf die Stadtsparkasse München zukommen. Die Lösung mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist uns genauso recht wie der Einstieg eines privaten Investors bei der BayernLB. Zumal wir vermuten, dass Brüssel – zumindest vor Beginn der Finanzkrise – den Einstieg eines Privaten ohnehin zur Auflage gemacht hätte. An der bisherigen Überzeugung festzuhalten, auf keinen Fall einen privaten Eigner zuzulassen, halte ich für hinfällig.

-Ist das Konsens im Sparkassenlager, das lange Zeit ausschließlich auf eine Fusion mit der LBBW gedrungen hatte?

Das ist die Einstellung der Stadtsparkasse München. Ich weiß aber, dass nicht nur wir so denken.

-Glauben Sie, dass vor Weihnachten noch etwas in Richtung Fusion oder privater Investor passiert?

Wenn die Bilanzierungsregeln so viel Freiraum geben, dass sich das Thema dadurch erledigt, wird vor Weihnachten vielleicht gar keine Entscheidung nötig sein. Das wäre wünschenswert.

Interview: Florian Ernst

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