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Seien Sie skeptisch, wenn hohe Renditen ohne Risiko geboten werden: Das gibt es nicht. Selbsternannte Finanzberater versprechen Anlegern, was sie hören wollen. Denn eine Unterschrift bringt Provision.

Wie man unseriöse Finanz-Angebote erkennen kann

München - Der Graue Kapitalmarkt wird bislang nicht durch Rechtsvorschriften kontrolliert. Hier tummeln sich Investoren aller Art, die versuchen, Geld einzusammeln. Hier lesen Sie eine Checkliste, die hilft, unseriöse Angebote zu enttarnen.

Damit Anleger ihr Erspartes investieren, wird häufig mit hohen Renditen geworben. Die Verbraucherzentrale Berlin hat eine Checkliste zusammengestellt, die Anleger für unseriöse Finanzprodukte sensibilisieren soll.

Das Angebot

Gern sprechen Finanzwerber von „Sparverträgen“, um Anleger in Sicherheit zu wiegen. Dabei handelt es sich bei den Produkten meist um Unternehmensbeteiligungen mit allen Risiken. Interessierte sollen sich als „atypisch stille Gesellschafter“ oder als „Kommanditisten“ an einer Gesellschaft beteiligen. Das heißt immer: Man wird Miteigentümer. Als solcher kann man das ganze eingesetzte Geld auch verlieren – was der Finanzberater nicht so gerne sagt.

Tipp: Lassen Sie sich erklären, was der Inhalt des Produktes ist, das Ihnen angeboten wird und wofür das Geld konkret verwendet werden soll. Holen Sie sich auch an anderer Stelle Informationen, zum Beispiel über das Internet (www.anlegerschutzarchiv.de), über die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest oder über die Verbraucherzentralen. Fragen Sie ruhig auch bei Ihrer Hausbank, was sie von dem Angebot hält. Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht 100-prozentig verstanden haben.

Die Investition

Viele Anlageunternehmen lassen ihre Investoren im Unklaren darüber, worin investiert wird. Sind die Investitionsobjekte nicht genannt, vertrauen Sie Ihr Geld blind der Geschäftsführung an. Prüfen Sie auch die Laufzeit, wenn in Raten bezahlt wird. Manche Anlagen laufen 20 Jahre und länger – ein Zeitraum, der kaum zu überblicken ist. Ganz gefährlich wird es, wenn die Investition auf Kredit getätigt wird, auch das kommt nicht selten vor. Geworben wird dann gern mit Slogans wie „Geld verdienen ohne eigenen Kapitaleinsatz“. Geht die Beteiligung schief, ist man gegenüber der Bank dennoch zur Rückzahlung verpflichtet.

Tipp: Prüfen Sie, ob Sie auf das Geld notfalls verzichten könnten. Legen Sie nur Kapital an, das Sie tatsächlich haben.

Die Steuern

Ein Lieblingsargument unseriöser Finanzberater sind die Steuern. In größerem Umfang sparen kann aber nur, wer auch viel verdient und deshalb hohe Abzüge hat. Bei vielen Anlegern am Grauen Kapitalmarkt ist das aber nicht der Fall.

Tipp: Fragen Sie Ihren Steuerberater vor der Unterschrift, was er davon hält. Diese Kosten sollten Sie nicht scheuen.

Der Prospekt

Ein ordentlicher Anlageprospekt ist kein Bilderbuch, sondern häufig eine ernst zu nehmende Broschüre, die umfassend über das Investment, seine Konzeption, die Chancen und Risiken informiert. Ein Umfang von 100 Seiten ist keine Seltenheit. Es sollte verständlich und gut gegliedert sein. Zudem sollte ersichtlich sein, wie viel vom Anlageprodukt an Nebenkosten anfällt, also was Treuhänder, Berater, Verkäufer verdienen.

Tipp: Lassen Sie sich nicht zur Eile drängen, nehmen Sie sich Zeit, den Prospekt zu studieren. Lassen Sie sich nicht durch übliche Verkäufersprüche wie „Das liest sowieso niemand“ irritieren.

Die Rendite

Zaubern kann niemand. Je höher die versprochene Rendite, desto misstrauischer sollten Anleger sein. Werden mehr als jährlich fünf Prozent auf Dauer und ohne Risiko avisiert, sind ernste Zweifel angebracht.

Die Unterschrift

Windige Verkäufer versuchen oft, Anlegern Quittungen für Unterlagen unterzuschieben, die diese gar nicht bekommen haben. Teilweise werden Formblätter zur Unterschrift vorgelegt, die eine umfassende Beratung bestätigen, die gar nicht stattgefunden hat.

Tipp: Lesen Sie, was Sie unterschreiben sollen. Unterschreiben Sie nichts, was nicht der Wahrheit entspricht. Lassen Sie sich Zeit, der Verkäufer will etwas von Ihnen, nicht umgekehrt. Ihre Unterschrift ist seine Provision! Ein Verkäufer, der Druck macht, hat etwas zu verbergen, denn zeitlich befristete Schnäppchen gibt es auf diesem Markt nicht. Quittieren Sie auf keinen Fall eine „ordnungsgemäße Beratung“. Ob eine Beratung „ordnungsgemäß“ war, kann im Streitfall nur ein Gericht bewerten.  

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