Unterhaltungselektronik: Hersteller trotzen dem Siegeszug des PC

- München - Der Krieg ums Wohnzimmer hat schon begonnen. Spätestens seit Musik, Video und Fernsehbild in digitaler Form über Breitband-Netzwerke ins Haus kommen können, war der Angriff der Computerindustrie auf die Unterhaltungselektronik programmiert. Doch derzeit haben die Angegriffenen die Nase vorn.

<P>Mit dem Zusammenwachsen der Geräte etwa vom PC zum Fernseher kommen die zuvor sehr unterschiedlichen Branchen einander immer mehr ins Gehege. Der Personal Computer werde als Schaltzentrale für multimediale Unterhaltung das Wohnzimmer erobern, zeigt sich Microsoft-Chef Bill Gates sicher. "Ich glaube weiterhin fest daran, dass der PC das Zentrum des Unterhaltungs-Universums wird", bekräftigte auch Dell-Chef Michael Dell im Januar auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.<BR><BR>Microsoft will mit Multimedia-PCs in den Bereich der traditionellen Unterhaltungsbranche vorpreschen. Rechner von Medion und Fujitsu-Siemens sollen in neuem, wohnzimmertauglichem Design die deutschen Heime im Sturm erobern. Die Nutzer sollen damit per Fernbedienung vom Sofa aus Musik hören, am Fernseher DVDs abspielen, digitale Fotos anschauen oder Fernsehsendungen aufnehmen können.<BR><BR>Dass es anders geht, will eine Reihe von traditionellen Herstellern unter Beweis stellen und beruft sich auf ihre langjährigen Erfahrungen mit dem "normalen Konsumenten". "Die Dells, die HPs und die Microsofts dieser Welt wollen in unsere Domäne eindringen", bestätigt Klaus Petri von Philips. Die CE-Branche (für Consumer Electronic) sei aber gut gerüstet. "Im Wohnzimmer sind wir einfach besser aufgestellt."<BR><BR>Eine unerwartete Entwicklung: Die Wohnzimmer-Elektronik dringt ins Arbeitszimmer vor. Entwicklungen wie Plasma- und LCD-Bildschirme haben es aus der Unterhaltungselektronik in die PC-Branche geschafft.<BR><BR>Vor allem in Sachen Komfort und Bedienerfreundlichkeit sieht auch Hansen die CE-Branche derzeit im Vorteil. "So manchem Normalkonsumenten wäre heute schon eine Technologie wie Wireless LAN zu viel."<BR><BR>Doch letztlich steckt in den Konsumgeräten heute Elektronik aus dem Computer. Die Festplatte ist das Herz künftiger Videorekorder, aufgenommen wird auf digitale Medien wie CD oder DVD. Videosignale werden auf digitalen Breitbandnetzen übertragen. Die Unterschiede liegen im Design. Diesen Punkt haben die Computerhersteller im vergangenen Jahr zwar aufgenommen. Doch bisher sieht ein Computer aus wie ein Computer - und das hemmt die Ausbreitung im Wohnzimmer. </P><P>Am Ende des Konkurrenzkampfes könnte eine friedliche Koexistenz stehen: Philips bringt zur Cebit neue Produkte mit, die Audio- und Videodaten über Breitbandanschluss direkt aus dem Internet auf den Fernseher und ins Radio holen oder vom PC aus drahtlos ins Wohnzimmer schicken. Am Bildschirm soll der Nutzer auf eine elektronische TV-Zeitschrift sowie auf ein umfangreiches Video-Angebot zugreifen können. Filme, die der Nutzer abrufen oder aufnehmen will, werden auf einer integrierten Festplatte gespeichert.<BR><BR>Ob die Computerindustrie oder die Unterhaltungselektronik-Branche im Kampf um die weltweiten Wohnzimmer die größten Erfolge verbuchen wird - nach Einschätzung von Hansen ist der Verbraucher jetzt schon der Gewinner. Das "Zusammenwachsen" habe für eine Flexibilität gesorgt, die man sich noch vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können. "Für die Konsumenten ist das ein Riesensegen."<BR></P>

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