Unternehmen: Deutschland als Standort in Europa auf Platz eins

- München - Schluss mit Schlusslicht: International tätige Unternehmen beurteilen nach einer Umfrage von Ernst & Young den Standort Deutschland derzeit weit positiver als ein Jahr zuvor. 18 Prozent der Unternehmen bezeichneten Deutschland in der Befragung als einen der drei attraktivsten Standorte weltweit, heißt es in einer Mitteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Im Vorjahr seien es 16,5 Prozent gewesen.

Doch die eineinhalb Prozentpunkte Unterschied haben es in sich: Damit ist Deutschland aus der Sicht international tätiger Unternehmen der attraktivste Standort in Europa. Im weltweiten Ranking belegt er Platz drei hinter den USA und China. An der Umfrage der Ernst & Young AG beteiligten sich 1019 weltweit tätige Unternehmen.

Weltweit gelten nach der Umfrage die Vereinigten Staaten und China mit jeweils 41 Prozent als attraktivste Standorte. Hinter Deutschland folgen Indien (18 Prozent) und Polen (15 Prozent) auf dem vierten bzw. fünften Platz. Damit hat der Standort Deutschland die Wettbewerber Polen und Indien überholt, die im Vorjahr auf den Plätzen drei und vier standen.

Bei Forschung und Entwicklung erste Wahl

Bei der guten Platzierung spielen bekannte deutsche Tugenden eine entscheidende Rolle: Besonders geschätzt wird Deutschland für seine Infrastruktur, die Qualität von Forschung und Entwicklung, die gute Ausbildung der Arbeitskräfte und die Attraktivität des Binnenmarktes. "Deutschland hat in der Gunst internationaler Investoren deutlich zugelegt", kommentiert Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young.

Dies sei einerseits auf eine tatsächliche Verbesserung bei den Rahmenbedingungen in Deutschland zurückzuführen. Andererseits spiele auch die deutlich verbesserte Stimmung in der deutschen Wirtschaft eine Rolle: "Internationale Investoren schätzen die neue Dynamik und den wieder erwachten Optimismus in Deutschland", sagte Englisch. Wenn es um die Einrichtung von Verwaltungen, Logistikzentren, Grafik-/Design-Werkstätten sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen geht, ist Deutschland aus Sicht internationaler Unternehmen weltweit die erste Wahl.

Besonders deutlich konnte sich Deutschland in den Kategorien Unternehmenszentralen (von elf auf 16 Prozent) und Produktion (von sechs auf elf Prozent) verbessern. In beiden Kategorien belegt Deutschland weltweit den zweiten Platz.

Doch es gibt auch Schattenseiten: "Deutschland hat nach wie vor bei den Arbeitskosten international einen Wettbewerbsnachteil", urteilt Englisch. Doch diese werden durch positive Effekte relativiert: Investoren sehen, "dass die Produktivität in Deutschland überdurchschnittlich steigt und die Lohnstückkosten anders als in vielen anderen europäischen Ländern stabil sind".

Für Unternehmen, bei denen die Arbeitskosten einen großen Anteil an der Wertschöpfung hätten, seien nach wie vor die osteuropäischen Länder oder auch Länder wie China oder Indien erste Wahl. Immerhin halten sich die Konzerne mit Produktionsverlagerungen von Deutschland in Niedriglohnregionen wie Osteuropa oder auch Südostasien stark zurück. Plante 2005 noch ein Drittel der befragten Unternehmen eine Verlagerung, sind es aktuell lediglich 13 Prozent.

Doch beziehen die Unternehmen beim Vergleich zunehmend andere Faktoren in ihr Kalkül ein. Englisch betont: "Niedrige Löhne sind nicht allein ausschlaggebend bei der Standortwahl. Billig ist nicht automatisch gut." Auch Faktoren wie die Größe und Attraktivität des Absatzmarkts, die Qualität der Verkehrsnetze, rechtliche und politische Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Unternehmen, die Wert auf motivierte, hoch qualifizierte und loyale Arbeitskräfte legen, ziehen bei der Standortentscheidung Deutschland in die engere Wahl, so Englisch.

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