Für 40 000 Unternehmen kommt der Aufschwung zu spät

- München - Kleine mittelständische Unternehmen schöpfen Hoffnung, dass der ersehnte Aufschwung bald in Gang kommt. Dennoch wird es in diesem Jahr wieder einen Pleitenrekord in Deutschland geben. Für 40 000 Unternehmen kommt der Aufschwung zu spät, schätzt der Verband der Vereine Creditreform. Auch helle der Optimismus die trübe Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht auf, ergab die Herbst-Umfrage der Wirtschaftsauskunftei.

<P>Die Unternehmensinsolvenzen werden gegenüber dem vergangenen Jahr um 6,3 Prozent steigen, so die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung. Trotz der 40 000 Pleiten und 680 000 Löschungen aus dem Handelsregister sei der Saldo bei 750 000 Neugründungen positiv, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl.</P><P>Bayern liegt bei den Pleiten unter dem deutschen Durchschnitt. Hier erwartet Creditreform heuer 4800 Zusammenbrüche, im Jahr 2002 mussten 4687 Firmen ihre Zahlungsunfähigkeit anmelden. Das ergibt einen Zuwachs von 2,4 Prozent. Noch mehr hat sich die negative Entwicklung in München abgeschwächt. In Bayerns Landeshauptstadt werden bis Jahresende etwa 790 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben, das sind nur 0,4 Prozent mehr als 2002. Weit kräftiger als der Anstieg der Firmeninsolvenzen ist die Zahl der Pleiten von Privatpersonen gestiegen.</P><P>"Die Geschäftslage des deutschen Mittelstandes hat offensichtlich die Talsohle durchschritten", sagte Rödl. Die Erwartungen richten sich auf einen "zumindest moderaten" Aufschwung, den der wiedererstarkende Aktienmarkt, eine immer noch robuste US-Wirtschaft und ein allmählich zurückkehrendes Verbrauchervertrauen trage.</P><P>Allerdings bleibe die Neigung, mehr Mitarbeiter einzustellen und mehr zu investieren, verhalten. Von April bis Juni wurden laut Creditreform 646 000 Arbeitsplätze gestrichen. Die kleinen und mittleren Betriebe beteiligten sich an dem Stellenstreichen jedoch moderater als Großunternehmen.</P><P>Immer noch halte der überwiegende Teil der Mittelständler an seinem Mitarbeiterstamm fest. 56,2 Prozent hatten ihn unverändert gelassen, im Vorjahr waren es 50,8 Prozent. Der Anteil derer, die neue Mitarbeiter eingestellt haben, stieg leicht auf 17,1 Prozent. Weniger Mittelständler (26,3 %) als im Herbst 2002 (32,4 %) gaben an, Arbeitskräfte zu entlassen. Doch immer noch werde mehr entlassen als eingestellt. "Auch hier fehlt es an durchgreifenden Reformen", meinte Rödl. Eine Lockerung des Kündigungsschutzes für kleine Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern sei ein Tropfen auf den heißen Stein. "Die Risiken neuer Investitionen lohnen sich für viele Unternehmen einfach nicht mehr", erklärte Rödl. Im Vergleich der Bundesländer liege Bayern bei den Investitionen im Mittelfeld.</P><P>Ein Kardinalproblem des Mittelstandes sei auch die geringe Ausstattung mit Eigenkapital. Der Grund liege in den Steuerbestimmungen, welche die Thesaurierung von Gewinnen bestraften. Laut Kreditanstalt für Wiederaufbau werden 42 Prozent aller abgelehnten Kreditanträge mit einer unzureichenden Eigenkapitalquote begründet. Und nicht zuletzt mache der im Vergleich mit dem Ausland weit unterdurchschnittliche Wert von 17 % Eigenkapitalquote die Betriebe anfälliger für eine Pleite.</P>

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