Unternehmen kritisieren Abschluss-Zeugnisse

München/Berlin – Die Wirtschaft fordert aussagekräftigere Schulzeugnisse. Fast jedes vierte Unternehmen wäre bereit, auch lernschwächere Jugendliche einzustellen, wenn im Zeugnis „besser über Stärken und Schwächen“ informiert würde.

Nur 30 Prozent schließen das kategorisch aus. Dies ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 14 000 Unternehmen.

„Jemand, der schlecht in Mathematik ist oder Probleme in Fremdsprachen hat, kann aufgrund seiner Persönlichkeit durchaus ein guter Verkäufer sein“, sagte DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann in Berlin.

An der Umfrage hatten sich auch über 2500 Firmen aus Bayern beteiligt. Ehrlichere Zeugnisse „wären ein Hilfsinstrument“ bei der Einstellung, sagte Jörg Engelmann von der IHK München-Oberbayern. Eine steigende Anzahl von Betrieben – aktuell 42 Prozent – bewerte soziale Kompetenzen wichtiger als schulische Leistungen. Das sei nicht zu verwechseln mit den altmodischen Kopfnoten – also schlichten Zensuren für Betragen, Fleiß oder Ordnung.

In Bayern sind nur in den Abschlusszeugnissen für Mittel- und Realschule schriftliche Bemerkungen enthalten, nicht jedoch in Abiturzeugnissen. Zudem ist es den Schulen rechtlich untersagt, negative Bemerkungen in den Abschluss-Testaten aufzunehmen. „Wir würden gerne deutlicher werden, aber wir dürfen es nicht“, sagte Peter Peltzer, Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Oberbayern-Ost. Selbst Angaben zu Fehltagen seien im Unterschied zu früher nicht mehr erlaubt.

Die bayerischen Betriebe kritisieren auch weitere Ausbildungshemmnisse – so zum Beispiel Mängel im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen (48 Prozent), bei der Disziplin (45,6 Prozent) und bei den Umgangsformen (39 Prozent). Auffällig ist indes, dass fehlende „elementare Rechenfertigkeiten“ weniger häufig als früher moniert werden. Hier gebe es einen positiven Trend.

dw/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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