Unternehmen planen Zehntausende neue Jobs

- Hamburg/Nürnberg - Nach fast fünfjähriger Job-Krise mit dem Verlust von rund 400 000 Stellen wächst in der deutschen Wirtschaft wieder die Bereitschaft zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa planen Unternehmen in den kommenden Jahren die Einstellung von mehreren zehntausend Beschäftigten. Meist profitierten von den neu geschaffenen Arbeitsplätzen aber nur Spezialisten und besonders qualifizierte Fachkräfte. Jobs, die wenig Fachkenntnisse erforderten, würde auch weiterhin ins Ausland verlagert, geht aus aus der Umfrage hervor.

Besonders stark ist die Arbeitskräftenachfrage bislang in der Luftfahrtbranche, bei EDV- und Software-Unternehmen sowie im Einzelhandel. Aber auch in der Zeitarbeitsbranche besteht ein wachsender Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Gefragt sind neben Ingenieuren und Nachwuchspiloten vor allem Ingenieure, ITFachkräfte, Marketing-Experten, Finanzfachleute, Vertriebsmitarbeiter und Call-Center-Personal.

Allein die Lufthansa will in diesem Jahr rund 2400 neue Mitarbeiter einstellen, darunter 1420 Flugbegleiterinnen, 220 Mitarbeiter für die Passagierbetreuung. Außerdem biete das Luftfahrtunternehmen Beschäftigungschancen für 180 Pilotenschüler, 330 Auszubildende und 250 Hochschulabsolventen. Auch die Expansion der Fluggesellschaft dba birgt Chancen für Jobsucher. "Bis Ende des Jahrzehnts wollen wir ungefähr 500 Mitarbeiter einstellen", sagte ein dba-Sprecher in München.

Der Flugzeugbauer Airbus in Hamburg sorgt vor allem bei Ingenieurberufen für einen Nachfrageschub. Allein der Ingenieurdienstleister Rücker AG, der bei Airbus im Geschäft ist, hat bereits im vergangenen Jahr schon 300 Leute eingestellt, berichtete Sprecherin Lisa Krempel. "Wir sind nach wie vor auf der Suche nach Spezialisten." Abhängig von den Aufträgen könnte es im ersten Halbjahr 2006 nochmals eine dreistellige Zahl von Neueinstellungen geben. Airbus-Zulieferer Diehl Avionik Systeme aus Überlingen (BadenWürttemberg) stellt in diesem Jahr ebenfalls 30 Ingenieure in Rostock ein.

 Auch IT-Spezialisten finden derzeit in vielen Unternehmen offene Türen. Allein der Walldorfer Softwarehersteller SAP will in diesem Jahr 3500 neue Arbeitsplätze schaffen, davon 700 in Deutschland. Das Münchner Softwarehaus sd&m will zur Umsetzung seiner Wachstumspläne in diesem Jahr seine Belegschaft um rund 300 neue Kräfte aufstocken. Neben Software-Ingenieuren sucht das Unternehmen auch IT-Berater und Projektleiter. Der IT- Dienstleister IDS Scheer in Saarbrücken will die Zahl seiner Mitarbeiter in diesem Jahr weltweit um rund fünf Prozent erhöhen. Dies entspräche rund 120 neuen Stellen. Vor allem Ingenieure sucht der Karlsruher Energiekonzern EnBW. Derzeit seien 90 Stellen ausgeschrieben, hieß es. Vor allem im Kraftwerksbau und im Netzbereich würden in den kommenden Jahre Leute benötigt.

Neue Beschäftigungschancen eröffnen sich für Jobsucher auch im Handel. Allein der Möbelhändler Ikea-Deutschland plant im laufenden Geschäftsjahr 800 bis 1000 neue Jobs. "Wir expandieren und eröffnen neue Häuser in Hannover, Koblenz, Augsburg und der Nähe von Frankfurt", sagte ein Unternehmenssprecher. Beim Stuttgarter Pharmahändler Celesio sollen 200 neue Stellen entstehen. Die Drogeriehandelskette Dirk Rossmann GmbH plant die Eröffnung von 130 neuen Filialen in diesem Jahr. "Das führt zu einem Anstieg der Beschäftigtenzahlen bei uns", sagte ein Sprecher.

In einer ständig wachsenden Nachfrage nach Arbeitskräften schlägt sich der Boom der Zeitarbeit in Deutschland nieder. Alle Unternehmen melden einen wachsenden Bedarf nach hoch qualifizierten Bewerbern. Manpower etwa sucht etwa 400 Ingenieuren, vor allem für den Bau des neuen Airbus A 380. Ziel sei es, 2006 um mehr als 20 Prozent zu wachsen - das entspräche einem Zuwachs von etwa 3500 Stellen. Das Zeitarbeitsunternehmen Randstad hat 2005 rund 8000 neue Arbeitnehmer unter Vertrag genommen. "Der Trend setzt sich fort, wir können im Moment gar nicht so schnell Leute bekommen wie wir sie brauchen", sagte eine Sprecherin. Auch bei Adecco sei die Tendenz steigend.

Auch die Lübecker Drägerwerk AG mit ihren Töchtern Dräger Medical und Dräger Safety sucht ständig nach qualifizierten Mitarbeitern, vor allem für Marketing und Softwareentwicklung. Die Salzgitter AG will mehr als 250 neue Mitarbeiter einstellen. "Wir suchen vor allem Fachund Führungskräfte, die wir uns oft über direkte Hochschulkontakte holen", sagt Unternehmenssprecher Bernd Gersdorff.

Trotz gelegentlicher Klagen einzelner Unternehmen sehen Arbeitsmarktforscher derzeit noch keine Hinweise für einen Fachkräftemangel. "Engpässe in einzelnen Regionen oder Branchen lassen sich bei entsprechender Beweglichkeit der Unternehmen beheben", betonte Johann Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Wer bereit ist, auch einmal einen älteren Fachmann einzustellen, sollte eigentlich keine Probleme mit der Stellenbesetzung haben", meint auch sein Kollege Gerd Zika. Mit ernsthaften Engpässen rechnen die Fachleute erst im nächsten Jahrzehnt.

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