Unternehmer flieht aus Bayern: Sachsen ist weniger bürokratisch

- München - Bayern wird als Produktionsstandort immer gelobt. Nun muss sich der Freistaat erstmals geschlagen geben - gegen Sachsen und Thüringen. Dorthin verlagert der bayerische Automobilzulieferer Weigl seine Produktion zum Jahresende. Betroffen sind rund 100 Arbeitsplätze in Pöttmes (Kreis Aichach-Friedberg).

<P>"Ich bedaure, dass wir nicht in Bayern bleiben können, aber nur die Vorteile der Produktionsstandorte Ost können uns auf Wachstumskurs halten", sagte Konzern-Chef Franz Josef Weigl. Vor allem die unbürokratische Unterstützung der Landesregierungen von Thüringen und Sachsen hatte den entscheidenden Ausschlag zum Umzug gegeben. Durch die Verlagerung seines Unternehmens in die neuen Bundesländer können nach Weigls Angaben zudem Kostenvorteile von bis zu 40 Prozent genutzt werden.<BR><BR>Doch der Unternehmer nennt noch weitere Gründe dafür, dem Produktionsstandort Bayern den Rücken zu kehren. "Die ostdeutschen Universitäten versorgen uns mit exzellent ausgebildeten und hochmotivierten Führungs- und Fachkräften, die wir hier in Bayern häufig nicht mehr finden", so Weigl. "Außerdem verschafft uns die Nähe zu den Produktions-Clustern der Automobilindustrie in Osteuropa erhebliche Vorteile." Erschwerend hinzugekommen sei, dass umfangreiche Fördermittel des Freistaats, die von der Bezirksregierung Schwaben bereits zugesagt gewesen seien, nicht ausbezahlt wurden.<BR><BR>"Den Vorwurf des überzogenen Bürokratismus weise ich entschieden zurück", sagt Reinhard Pfeiffer, Sprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. "Richtig ist allerdings, dass einige Gebiete Bayerns längst nicht so gut gefördert werden wie Teile der neuen Bundesländer." Die unterschiedlichen Förderkulissen basieren auf EU-Regularien zur Unterstützung wirtschaftlich schlechter entwickelter Gebiete. "Der Osten kommt. Hier steckt Kraft, Potenzial und Mut", sagte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt. Die Verlagerung eines bayerischen Unternehmens nach Sachsen und Thüringen sei ein wichtiger Indikator für den Aufschwung.<BR><BR>Um sich eine Nische auf dem hart umkämpften Markt der Automobilbranche zu sichern, verlagern immer mehr Unternehmer ihre Produktion ins lohnkostengünstigere Ausland. Franz Josef Weigl will dem Standort Deutschland allerdings treu bleiben: "Ich sehe meine unternehmerische Verantwortung darin, hier neue Arbeitsplätze zu schaffen." In den kommenden drei Jahren sollen rund 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. </P><P>Die 100 bayerischen Mitarbeiter wurden gestern vom Firmen-Gründer über den Umzug informiert. Dem Großteil von ihnen soll in den nächsten Wochen ein Arbeitsplatzangebot bei Schwesterunternehmen unterbreitet werden, um soziale Härtefälle zu vermeiden. Der Konzern machte zuletzt rund 150 Millionen Euro Umsatz.</P>

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