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Hans Rudolf Wöhrl übernahm 2003 (Archiv-Foto) die Deutsche BA und sanierte die Fluglinie. Jetzt kauft er CityJet.

CityJet und Intersky

Wöhrl baut europäische Regionalfluglinie auf

Nürnberg – Der fränkische Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl plant eine neue europäische Regionalfluglinie.

Wie Wöhrl unserer Zeitung bestätigte, will er über seine Investmentgesellschaft Intro Aviation in den kommenden Wochen die Air-France-Tochter CityJet übernehmen. Danach hat der 66-Jährige vor, CityJet und seine eigene Fluglinie Intersky zu vereinigen. „Dabei geht es darum, beide zu einer neuen, in ganz Europa aktiven Regionallinie zu machen, die groß genug ist, um nicht von den Großen wie Lufthansa verdrängt zu werden“, sagte Wöhrl der „Wirtschaftswoche“. Von einer Fusion könne allerdings keine Rede sein, erläuterte Wöhrl auf Anfrage. „CityJet bleibt CityJet und Intersky bleibt Intersky.“ Beide Marken seien gut eingeführt.

Hans Rudolf Wöhrl bringen viele zunächst mit dem gleichnamigen Modehaus in Verbindung. Von seinen letzten Anteilen an dem elterlichen Unternehmen hat sich Wöhrl allerdings 2011 getrennt. Der Hobby-Pilot beschäftigt sich lieber mit der Luftfahrt – und zwar im großen Stil. Durch seine Investitionen in die Deutsche BA und LTU wurde er bundesweit bekannt. Branchenkenner schätzen, dass Wöhrl mit der Sanierung und dem Verkauf maroder Fluglinien in den vergangenen Jahren gut 100 Millionen Euro verdient hat. Nun plant er seinen nächsten Coup.

Aktuell hält Wöhrl über seine Beteiligungsfirma Intro Aviation die Mehrheit an der österreichischen Fluglinie Intersky mit Heimbasis Friedrichshafen – eine Regionalfluglinie mit fünf Jets. Sie fliegen Ziele in Deutschland, Österreich und der Schweiz an, im Sommer stehen auch einige Urlaubsorte auf dem Flugplan: München–Elba zum Beispiel.

CityJet fliegt aktuell mit 33 Jets bis zu 19 Ziele in acht europäischen Ländern an. Gemeinsam mit der belgischen Tochter VLM absolviert CityJet mehr als 480 Flüge pro Woche. CityJet wurde Ende der 1990er-Jahre in Dublin gegründet. Im Jahr 2000 übernahm Air France (AF) die Fluggesellschaft. 2007 kauften die Franzosen zudem die belgische Fluglinie VLM. Seit 2009 fliegen VLM-Jets unter dem Namen CityJet. Obwohl CityJet offiziell in Dublin beheimatet ist, gilt der Flughafen London City als Drehkreuz der Fluglinie – hier hält CityJet eine dominante Marktposition, die sich Wöhrl zunutze machen möchte.

Mit dem Kauf von CityJet soll eine neue große europäische Regionalfluglinie entstehen. Schon seit längerer Zeit suchte Air France einen Käufer für die angeschlagene Tochter CityJet. Wie das Nachrichtenportal Aerotelegraph berichtet, gab es zunächst 20 Interessenten. Ende Dezember bekam Wöhrls Investmentgesellschaft Intro Aviation, die im Raum Nürnberg sitzt, den Zuschlag. Man habe von Intro eine bindende Kaufzusage für CityJet und deren Tochter VLM erhalten, schrieb die heutige Besitzerin Air France-KLM in einer Pressemitteilung. Es sei zudem vereinbart worden, dass City Jet, VLM und Air France sowie KLM auch nach dem Eigentümerwechsel zusammenarbeiten würden. Die Transaktion werde im ersten Quartal 2014 abgeschlossen. Wöhrl hofft nun, dass die Übernahme zu Beginn des Sommerflugplans vollzogen sein wird. Zum Kaufpreis könne er keine Angaben machen, erklärte er.

Auch zu den künftigen Flugzielen gebe es noch keine Entscheidung, so Wöhrl. Den Sommerflugplan habe noch Air France gestaltet. „Vor Winter 2014/2015 wird die Airline also nicht unsere Handschrift tragen.“ Bisher fliegt CityJet in Deutschland Dresden, Münster, Paderborn und Nürnberg an. Damit ist allerdings ab März Schluss – mit dem Sommerflugplan werden die drei letzten Ziele gestrichen. Diese Entscheidung habe Air France zu verantworten, so Wöhrl. „Allerdings rechtfertigen die Zahlen der Vergangenheit kaum, dass diese Verbindungen erneut aufgenommen werden.“

Bereits im Vorfeld der Übernahme gab es Aufruhr unter den CityJet-Piloten. Gerüchte um eine Halbierung der Verbindungen und massiver Personalabbau machten die Runde. Laut Wöhrl liegt das Sanierungskonzept für CityJet den Arbeitnehmern vor, die es „in wesentlichen Punkten“ akzeptiert hätten. Konkret geht Wöhrl künftig von einer Flotte mit rund 30 Flugzeugen aus.

Regionale Fluglinien in Europa haben es derzeit nicht leicht. So mussten in den vergangenen Jahren in Deutschland unter anderem Cirrus Airlines, OLT Express Germany und Augsburg Airways ihre Dienste einstellen. Dennoch sieht Wöhrl Potenzial. Es gebe einen Markt für Regionalverbindungen für Geschäftsleute abseits der großen Wirtschaftszentren in Europa, sagt er. „Touristen bilden bei uns keine wesentliche Zielgruppe.“

Manuela Dollinger

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