Unternehmertum in die Wiege gelegt

- München - Unternehmertum wird vielen in die Wiege gelegt. Die meisten Unternehmer in Bayern stammen aus einem Elternhaus, in dem schon Vater und/oder Mutter ihren eigenen Betrieb geführt haben. Das geht aus einer Studie des Bundes der Selbständigen in Bayern hervor. Demnach müssen gute Unternehmer noch besser mit Worten als mit Zahlen umgehen können. Gute Deutschkenntnisse gelten als eine der entscheidenden Qualifikationen - vor mathematischem Können.

Bei mehr als der Hälfte der 520 bayerischen Unternehmer, die für die Studie befragt wurden, war schon der Vater selbständig tätig, bei 25 Prozent führte die Mutter einen eigenen Betrieb. In vielen Fällen ist dieser an die nächste Generation weitergegeben worden. In einem Beamten-Haushalt ist dagegen kaum ein Unternehmer groß geworden. Nur sieben Prozent der Väter und ein Prozent der Mütter waren im öffentlichen Dienst tätig.

Die größte Unternehmer-Schmiede ist die Realschule. Hier haben 42 Prozent der Selbständigen gelernt. Ein Gymnasium haben 28 Prozent der Befragten besucht -etwa ebenso viele wie eine Hauptschule (27 Prozent). Dort lohnt es sich für Führungskräfte in der Wirtschaft laut Studie vor allem in einem Fach besonders aufzupassen: Deutsch.

Abgesehen von wirtschaftlichem Denken kommt es auf sicheren Umgang mit der Sprache besonders an, urteilten die Unternehmer über ihre Grundkenntnisse "Es werden offenbar Dinge als wichtig erachtet, die vielleicht manchmal bei der Schulbildung im Hintergrund stehen", erklärte Karlheinz Zwerenz, Professor an der Fachhochschule München, der die Studie wissenschaftlich begleitete.

Auch Computerwissen wurde als bedeutsam eingestuft -vor Mathematik, Erfindergeist und Allgemeinbildung. Bei speziellen Kenntnissen nannten die Selbständigen Organisation und Marketing als zentrale Disziplinen. Detail-Wissen über Steuern oder Gesetze wird dagegen als zweitrangig eingestuft.

Lernen ist für die bayerischen Unternehmer eine lebenslange Angelegenheit. Während laut der jüngsten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Jahr 2004 nur zwölf Prozent der 25- bis 64-jährigen Beschäftigten in Deutschland eine berufliche Weiterbildung besuchten, trifft dies auf etwa 75 Prozent der Selbständigen in Bayern zu.

Auch bei den über 55-Jährigen bilden sich gut drei Viertel nach eigenen Angaben regelmäßig weiter. "Der bayerische Unternehmer passt nicht in die Klischees, die die Gewerkschaften und die Politiker für ihn bereithalten", erklärte Fritz Wickenhäuser, Präsident des Bundes der Selbständigen in Bayern. Neugier und Verantwortungsbewusstsein zeichneten die Unternehmer im Freistaat aus. Mit der Studie und Aktionen wie dem "Tag des Kunden" solle für das Unternehmertum geworben werden.

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