Unterschleißheim: 150 Hightech-Jobs gefährdet

- München - Verspielt Deutschland wieder ein Stück technischen Vorsprung? Nach einer Absage aus Italien wird auch in Deutschland und Frankreich darüber nachgedacht, das Lenkflugkörpersystem Polyphem nicht weiterzuverfolgen. Unmittelbar betroffen wären 150 Arbeitsplätze bei der EADS in Unterschleißheim - mittelbar weit mehr.

<P>Dabei ist Polyphem ein Projekt, bei dem die deutsche Industrie einen klaren Vorsprung hat. Die einäugige Waffe (nach dem Zyklopen der Odyssee benannt) wird über ein mikroskopisch feines, 100 Kilometer langes Glasfaserkabel (auf einer Spule aufgewickelt) gesteuert und kann über diesen Lichtwellenleiter Fehlschüsse - etwa auf unbeteiligte Zivilisten) bis unmittelbar am Ziel korrigieren.</P><P>Polyphem ist als französisch-deutsch-italienisches Gemeinschaftsprojekt angelegt und bislang nur ein Entwicklungsauftrag. Trotz der technologischen Bedeutung und eines konkreten Ausrüstungsvorhabens _ die Marine will ihre Korvette K 130 damit bewaffnen - ist noch kein Vertrag über die Produktion in trockenen Tüchern. Das erleichtert einen Ausstieg. Der erste Daumen ist bereits gesenkt. Italien verkündete im Juni sein "No" zu Polyphem. In Deutschland und Frankreich ist eine Entscheidung nicht gefallen. Doch sie steht an. "Wir denken nach", bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums einen entsprechenden Bericht der "Welt". Die Entscheidung fällt Ende September.</P><P>Bei der EADS sorgt man sich nicht nur um 150 Hightech-Arbeitsplätze. Auch strategisch wäre der Schaden für die einschlägige deutsche Industrie enorm. Denn Polyphem ist gewissermaßen die Eintrittskarte für die Deutschen bei einer Zusammenlegung der europäischen Lenkflugkörper-Hersteller. Denn vor allem das Projekt Polyphem macht die Deutschen für potenzielle Partner interessant. Wenn die deutsche Lenkflugkörperindustrie international keine Rolle mehr spielt, sind mehr als 150 Arbeitsplätze bei EADS-Lenkflugkörper bedroht.</P>

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