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Noch greifen die meisten Menschen zum Stift, wenn sie Dokumente unterzeichnen. Doch schon bald könnte die digitale Signatur Füller und Kuli ablösen. Denn immer mehr Rechtsgeschäfte werden online geschlossen.

Das sollten Sie wissen 

Die Unterschrift - der Wert des eigenen Namens

Ob Mietvertrag, der Bund fürs Leben oder die Rechnung im Schuhgeschäft: Die Unterschrift besiegelt es. Wer seinen Namen unter ein Dokument setzt, sollte deshalb Vorsicht walten lassen. Und wissen, was es im Einzelfall bedeutet.

Geschrieben ist sie schnell, fast jeder kann sie im Schlaf: die eigene Unterschrift. Sie hat großes Gewicht, verleiht Verträgen jeder Art Gültigkeit – und wird darum auch gern gefälscht. Es gibt einiges, was man wissen sollte, bevor man den eigenen Namen hergibt.

Bedeutung

Mit der Unterschrift wird ein Schriftstück für rechtsverbindlich erklärt, sei es ein Vertrag, das Testament oder die Heiratsurkunde. Der eigene Name dient dazu, die Echtheit eines Dokuments festzuhalten. Doch nicht umsonst wird immer wieder gewarnt: bei Verträgen auch das Kleingedruckte lesen. Denn mit der Unterschrift erklärt sich der Unterzeichner auch mit dem Inhalt des Schrifstücks einverstanden.

i.V. und i.A.

Gerade bei Briefen großer Unternehmen steht häufig „i.A.“ unter den Zeilen und dann eine Unterschrift. Man kann im Auftrag Dritter seinen Namen unter Schriftstücke setzen. Besondere Bevollmächtigungen sind nicht erforderlich. „Da i.A. rechtlich keine besondere Wirkung entfaltet, ist eine solche Unterzeichnung unkritisch“, heißt erläutert die Arag-Versicherung. Anders sieht es i.V., in Vertretung, aus. Diese Unterschrift darf nur mit einer Bevollmächtigung der Person geleistet werden. Unterschreibt jemand ohne Vollmacht, „so zeichnet er unter Umständen für sich selbst und muss für den Inhalt auch einstehen“, warnt die Arag.

Lesbarkeit

Muss die Unterschrift lesbar sein? Etliche Gerichte haben sich mit damit schon befasst. Die Antwort: Nein. Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil vom 5. November 2006 festgehalten: „Eine Unterschrift setzt ein aus Buchstaben einer üblichen Schrift bestehendes Gebilde voraus, das nicht lesbar sein braucht.“ Nötig ist ein „individueller Schriftzug, der einmalig ist“ und den Unterschreibenden identifiziert. Sprich, der Name muss nicht leserlich, aber als Name erkennbar sein. Abkürzungen sind nicht erlaubt.

Künstlername

In Deutschland sind Künstlernamen erlaubt. Sie dürfen sogar im Personalausweis eingetragen, auch Verträge mit diesem Namen unterschrieben werden. Aber im öffentlichen und im Strafrecht muss der bürgerliche Name unter Dokumenten stehen.

Autogramm

Das Autogramm von Elton John daheim an der Pinnwand ist noch lange keine Unterschrift. Es gilt nicht als offizielle Unterschrift, sondern bedeutet nur so viel wie Selbstgeschriebenes. Laut Experten der Arag-Versicherung „tut der Autogrammgeber gut daran, nicht seine normale Unterschrift zu geben“, sondern einen Schriftzug zu verwenden, den er nur für Autogramme verwendet. „Die Fälschungsgefahr ist sonst zu groß.“

Fälschung

Wer eine Unterschrift fälscht, macht sich strafbar. Bereits der – auch missglückte – Versuch hat juristische Konsequenzen. Wer die Unterschrift eines anderen kopiert, begeht Urkundenfälschung. Dafür kann eine Geldstrafe, aber auch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verhängt werden. Noch drastischer sind die Folgen in besonders schweren Fällen. Die liegen vor, wenn der Täter „gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Betrug oder Urkundenfälschung verbunden hat“, heißt es im Paragraph 267 des Strafgesetzbuchs. Eine schwere Urkundenfälschung liegt auch vor, wenn jemand damit einen sehr großen Vermögensverlust herbeiführt, durch besonders viele Taten „die Sicherheit des Rechtsverkehrs erheblich gefährdet oder seine Befugnisse ... als Amtsträger missbraucht“. Dann erwartet Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Digitale Signatur

Relativ neu ist die elektronische Signatur. Doch sie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zum einen, weil „heute die meisten Rechtsgeschäfte, die nur mit eigenhändiger Unterschrift rechtswirksam sind, auch auf dem elektronischen Weg geschlossen werden“, heißt es auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums. Sie ist also sehr praktisch, spart Zeit und lange Wege. Zum anderen bietet die digitale Signatur unter Umständen mehr Sicherheit als der geschriebene Name. Fälscher haben es schwerer.

Der neue Personalausweis kann die Identität elektronisch klären, da Name, Adresse und Geburtsdatum gespeichert sind. Bei der Steuererklärung ist die digitale Signatur sogar Pflicht. Und auch diverse Banken planen, sie in die Karten zu integrieren. „Bald wird jeder über eine digitale Signatur verfügen“, berichtet die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Nötig ist für sie ist eine persönliche Signaturkarte, ein Lesegerät und die passende Software. Mit dem Kartenleser können Daten am Computer daheim ausgelesen und online zur Identifizierung gegenüber Behörden und Internethändlern benutzt werden. Der Stift hat also vielleicht bald ausgedient.

von Janine Tokarski

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