EU unterstützt Bio-Kraftstoffe

- Brüssel - Steigende Rohölpreise und die Auseinandersetzung um russisches Gas: Angesichts der großen Abhängigkeit Europas von Energielieferungen will die EU-Komission künftig deutlich mehr Kraftstoffe aus Pflanzen gewinnen. Das geht aus einem Strategiepapier zum Thema Bio-Kraftstoffe hervor.

"Für Europa ist es wichtig, seinen Energiebedarf in verstärktem Maße eigenständig zu decken", sagte Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. In dem Dossier heißt es: "Die Menge der bekannten Ölvorkommen ist endlich und diese Vorkommen sind auf einige wenige Weltregionen begrenzt." Raps-Treibstoff vom Acker statt Rohöl aus dem Nahen Osten: Damit die Alternativen aus Pflanzen preislich mit Gas- und Ölprodukten konkurrieren können, sollen die Mitgliedsstaaten Biodiesel künftig mehr fördern - etwa durch größere Forschungsausgaben, einen besseren Vertrieb und strengere Umweltauflagen für Kraftfahrzeuge. Bis 2010 soll der Anteil von Kraftstoffen aus Biomasse von derzeit etwa 1,4 auf 5,75 Prozent steigen.

Den europäischen Landwirten böten alternative Energien enorme Verdienstmöglichkeiten. Gleichzeitig könnte die EU mit Hilfe von Biosprit ihren Klimaschutz-Verpflichtungen leichter nachkommen, hieß es in Brüssel. Verkehr verursacht mehr als ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen.

In Deutschland war erst in der vergangenen Woche eine Diskussion über die von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück geplante Steuer auf Raps-Treibstoff entbrannt. Der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller beklagte, die Verteuerung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen würge die Entwicklung "innovativer Technologien" ab.

Nach der Prüfung von EU-Richtlinien hatte die Bundesregierung eine "Überkompensation" von Biodiesel in Deutschland festgestellt. Wer Bioenergien verwende, dürfe keine finanziellen Nachteile, aber auch keine Vorteile haben, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Durch die stetige Verteuerung fossiler Kraftstoffe sei der Liter Biodiesel derzeit aber um fünf bis zehn Cent preiswerter als herkömmliche Energien.

"Unsere Steuerpläne orientieren sich an gültigem EU-Recht", betonte Ministeriumssprecher Oliver Heyder-Rentsch erneut. "Wenn wir uns nicht danach richten, drohen Sanktionen." Daran ändere auch die neue EU-Strategie bislang nichts.

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