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Noch vor der Hauptversammlung soll der Führungsstreit zwischen VW-Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piëch (rechts) und Konzern-Chef Martin Winterkorn (links) beigelegt sein.

Tagt bald der Aufsichtsrat?

Volkswagen läuft die Zeit davon

Wolfsburg - In drei Wochen lädt der VW-Konzern zur Hauptversammlung. Davor will der Aufsichtsrat die Führungskrise entschärft haben. Viel Zeit bleibt den Kontrolleuren nicht.

Im Machtkampf an der Volkswagen-Spitze mühen sich die Aufsichtsräte hinter den Kulissen um einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation. Nach dem Bruch des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch mit Konzernchef Martin Winterkorn sei in der jetzigen Lage eine Hauptversammlung „undenkbar“, sagte ein Aufsichtsratsinsider der Deutschen Presse-Agentur. Das Aktionärstreffen ist für den 5. Mai in Hannover geplant. Weitere mit der Arbeit des Kontrollgremiums vertraute Personen bestätigten, dass im Hintergrund „die Drähte glühten“.

Regulär tagt der Aufsichtsrat wieder am 4. Mai. Das „Handelsblatt“ berichtete am Dienstag von einem Plan für eine außerplanmäßige Aufsichtsratssitzung. Bereits am Montag hatte die Zeitung berichtet, Winterkorn und Piëch setzten sich demnächst an einen Tisch. Demnach soll es „in den kommenden Tagen ein routinemäßiges Treffen zwischen den beiden mächtigen Managern geben“, bei dem es auch um die Aussagen von Piëch gehen solle. Bestätigungen für ein solches Spitzentreffen und für eine außerplanmäßige Aufsichtsratssitzung gab es am Dienstag zunächst nicht.

Piëch ist Großaktionär und Aufsichtsratschef bei VW. Winterkorn galt bisher als enger Vertrauter und als Nachfolger Piëchs an der Spitze des Aufsichtsrates. Nach Piëchs Ansage („Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“) steht der Konzernchef nun erheblich unter Druck. „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen“, sagte Piëch dem „Spiegel“. Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. Namen nannte er allerdings nicht.

Als Favorit wird immer wieder Porsche-Chef Matthias Müller ins Spiel gebracht. Der 61-Jährige gilt in der Branche als exzellenter Produktstratege. Er schließe nichts aus und sei für nichts zu alt, hatte der gelernte Werkzeugmacher und Informatiker vor einem Monat gesagt. Gegenüber den prominenten Neuzugängen im VW-Vorstand Andreas Renschler von Daimler und Herbert Diess von BMW hat Müller einen klaren Vorteil: Er kennt den VW-Konzern seit Jahren. Außerdem liest sich seine Bilanz nach fast fünf Jahren Porsche tadellos.

Piëchs Motive für den Bruch mit Winterkorn sind indes weiter unklar. Der Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger sieht dafür rein fachliche Gründe. „Piëch agiert sehr rational und weniger emotional als manche gerne glauben“, sagte der Österreicher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Fürweger sieht Probleme bei der Hausmarke VW Pkw als Auslöser. „Es ist schon ein bisschen Stillstand eingetreten“, sagte er. „Vielleicht vermisst Piëch bei Winterkorn die Fähigkeit, einen strategischen Weitblick in die Realität umsetzen zu können.“

Die Kernmarke rund um Golf und Passat verliert nach ihrer Rekordjagd im Vorjahr spürbar an Tempo. Mit einem erneuten Rückgang der Verkäufe auch im März steckt die Marke nun schon ein halbes Jahr im Rückwärtsgang. Im März ließen die Auslieferungen im Vergleich zum entsprechenden Monat des Vorjahres um 0,9 Prozent nach und erreichten damit 558 600 Fahrzeuge, wie die Wolfsburger am Dienstag mitteilten. Hauptgründe sind Einbrüche in Russland und Südamerika, aber auch der einst verlässliche Wachstumsbringer China schwächelt.

dpa

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